Adblock Plus im Fokus: Werbenetzwerke und Abkassierer [Update]

Flavio Trillo
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Adblock Plus ist einer der beliebtesten Werbeblocker. Ein genauer Blick auf die Verantwortlichen und ihre Aktivitäten erhellt die suspekten Verbindungen zwischen Werbeindustrie und dem vermeintlichen Retter eines „Web ohne nervige Werbung“.

Adblock Plus im Fokus: Werbenetzwerke und Abkassierer [Update]

Adblock Plus ist das wohl erfolgreichste Add-On seiner Art für Opera, Chrome und Firefox. Man liest von Benutzerzahlen zwischen zwanzig und fünfzig Millionen. Die Entwickler haben sich auf die Fahnen geschrieben, das Internet von „nerviger Werbung“ zu befreien. Die Community entscheide, welche Werbung akzeptabel ist. Danach werden „weiße“ und „schwarze“ Listen angelegt mit Werbemitteln, die akzeptabel oder gar fürchterlich sind.

In einer ausführlichen Recherche zu den Hintergründen und den Verquickungen der Geschäftsführer, Investoren und Anteilseigner legt mobilegeeks.de offen, mit welcher Strategie Adblock Plus wirklich sein Geld verdient.

Adblock Plus: Filter-Ausnahmen dank guter Verbindungen

Paradoxerweise scheint es genau die Art von Werbeeinblendung zu sein, wegen der viele von euch Add-Ons wie Adblock Plus überhaupt erst installieren. Zugegeben — manche der Schlussfolgerungen aus der Reportage beruhen eher auf Vermutungen, seien sie auch noch so naheliegend.

Till Faida, Geschäftsführer der Eyeo GmbH, die Adblock Plus betreibt, bewirbt sein Produkt gern über angeblich unabhängige Web-Portale. So zum Beispiel auf chromeadblock.org oder chrome-plugins.org. Beide Domains sind auf Till Faida persönlich registriert. Der Hinweis, der Blog chromeAdblock.org sei „in keiner Weise mit Google oder Adblock Plus“ verbunden, verliert damit einiges an Glaubwürdigkeit.

Doch Bewerbung des eigenen Produkts ist noch nicht alles, was Faida und seine Kollegen zur Wertsteigerung von Adblock Plus veranstalten.

Interessant ist auch die Verbindung zu Yieldkit. Das Unternehmen bietet automatisch generierte Affiliate-Links zu Produkten aus dem Angebot von derzeit 24.000 Kunden. Webseitenbetreiber können auf diese Weise einfach Werbelinks einbauen lassen und erhalten 30 70 Prozent der Umsätze.

Problem: Sie unterscheiden sich nahezu überhaupt nicht vom redaktionellen Inhalt. Das Angebot wird sogar mit dem Merkmal „komplett unsichtbar“ beworben und verstößt so möglicherweise gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb (UWG). Für Adblock Plus kein Problem, Yieldkit-Links wurden auf die weiße Liste gesetzt.

Yieldkit wurde maßgeblich von Tim Schumacher finanziert, der mit seinem Unternehmen TS Ventures GmbH über 44 Prozent der Anteile an Adblock Plus verfügt.

Zum Thema: YouTube Werbung blocken: so geht’s bei Firefox, Chrome, IE

Yieldkit und Adblock Plus: Eine Win-Win-Kooperation

So, die Verbindung noch einmal ganz langsam: Adblock Plus gehört zu 44 Prozent einem Mann, der gleichzeitig als Investor bei Yieldkit beteiligt ist. Yieldkit schnappt sich die großen Werbekunden und nimmt für seinen Textlink-Generator 30 Prozent Provision. Adblock Plus lotst diese Werbeeinblendungen derweil am Filter vorbei.

Für Webseitenbetreiber, Blogger, Podcaster und andere bedeutet das: Der direkte Kontakt zu Werbekunden (oder den Vermarktern, die ebenfalls geblockt werden) wird weniger und weniger lukrativ. Statt dessen scheint sich der Weg zu Diensten wie Yieldkit zu lohnen — selbst wenn man dafür 30 Prozent abdrücken muss.

Ein gut organisierter Maststall, in dem Adblock Plus der Trichter ist, über den Blogs mit fragwürdigen Werbemitteln wie Yieldkit zwangsgefüttert werden.

Wir als Anbieter kostenloser Inhalte für unsere Leser leiden unter solchen Methoden. Nicht unter Adblockern an sich, sie bewegen uns nur zu dazu, kreativer zu sein und euch adäquatere Werbemittel zu bieten.

Perfide ist die Kombination mit „strategischen Partnern“ aus den eigenen Reihen, deren Werbung problemlos am Filter vorbei rauscht. Verständlich, dass Sascha Pallenberg seinem Ärger in gewohnt lautstarker Manier Luft macht. Nach langwieriger Recherche knallt er einen Schwall an Fakten auf den Tisch und schließt mit Geschäftsführer Faidas eigenen Worten: „Wer seine Besucher weiterhin für dumm verkauft, wird es eben schwer haben.“

Update: Hier die Stellungnahme von Till Faida, CEO der Eyeo GmbH zu dem Bericht bei mobilegeeks.de im Volltext:

Stellungnahme zum Artikel auf Mobilgeeks.de von Sascha Pallenberg

Statement von Till Faida, Mitgründer und Geschäftsführer von Adblock Plus

Köln, 26. Juni 2013 – Sascha Pallenberg von Mobilegeeks.de hat sich in seinem Artikel „Adblock Plus Undercover“ intensiv mit Adblock Plus auseinandergesetzt. Ein Großteil der Informationen zu der Zusammenarbeit mit unseren Partnern ist korrekt recherchiert, einiges nicht. Im Gegensatz zu Sascha Pallenberg, sehen wir in der Vernetzung keinen Gewissenskonflikt, sondern profitieren von den Erfahrungen und Kontakten unserer Mitarbeiter und Unterstützer. So ist es für uns möglich, neue Werbeformen und Technologien zu testen. Unser Business Angel Tim Schumacher investiert daher in Geschäftsmodelle, die “Acceptable Ads” verwenden. Wir glauben genauso wie er daran, dass sich diese Art von Werbung langfristig durchsetzen wird. Pop-ups, Werbebanner und Videowerbung werden hingegen langfristig keine Erlösmodelle mehr darstellen, da sie nicht die Wünsche der Nutzer repektieren.

Als einziger Adblocker weltweit sehen wir von Adblock Plus Werbung nicht grundsätzlich als böse an, sondern suchen nach einem Mittelweg, der sowohl Nutzer vor aufdringlicher Werbung schützt als auch Webseitenbetreiber dabei hilft, sich zu finanzieren. Uns geht es dabei um den Erhalt des kostenlosen Internets trotz steigender Ablehnung traditioneller Werbeformate. Wir möchten dabei helfen, einen Kompromiss zwischen Usern, Werbetreibenden und Publishern zu finden und damit auch Online-Journalismus eine notwendige Vergütung zu ermöglichen. Das Whitelisting ist kostenlos für kleine und mittelgroße Webseiten. Namhafte Unternehmen wie Reddit, 1&1 und Web.de sind unserer Initiative beigetreten. Dabei haben wir immer transparent geäußert, dass große Unternehmen unsere Initiative finanziell unterstützen, damit Werbeinhalte angezeigt werden, z.B. gegenüber der New York Times oder auch auf unserer Webseite. Eine Bevorzugung dieser Firmen gibt es jedoch nicht, jede Website kann sich bewerben und die Kriterien sind für alle gleich.

Die Kriterien, nach denen unsere Community entscheidet, welche Werbung wir anzeigen, sind vollkommen transparent. Werbung muss zum Beispiel klar als solche gekennzeichnet sein und darf den Besucher einer Website nicht übermäßig ablenken. Die exakten Kriterien sind unter http://adblockplus.org/de/acceptable-ads öffentlich einsehbar. Diese Maßstäbe werden in Zusammenarbeit mit unseren Nutzern, aber auch Websites, Advertisern und Technologieanbietern ständig weiterentwickelt. So wird jedes einzelne Angebot für neue Webseiten, die in das „Acceptable Ads“-Programm aufgenommen werden wollen, in der Community diskutiert. So wurde auch Yieldkit nach öffentlicher Diskussion auf die Whitelist gesetzt. Die Community kam zu dem Schluss, dass YieldKit diese Kritieren erfüllt: https://adblockplus.org/forum/viewtopic.php?f=12&t=9990&p=70818&hilit=yieldkit#p70818
Die Werbeanzeigen sind ganz normale Textlinks, die auf jegliche Störelemente verzichten. Jeder kann leicht Acceptable Ads abschalten, der mit diesen Standards nicht einverstanden ist. Jeder kann an den öffentlichen Diskussionen im Forum teilnehmen, eine aktivere Beteiligung würden wir uns sogar sehr wünschen.

Im Sinne unseres Community-Gedankens sind wir mit denen auf Mobilegeeks aufgeführten Punkten jederzeit transparent umgegangen. Wir verstehen aber, dass Adblocking für Webseitenbetreiber ein emotionales und vielschichtiges Thema ist. Gern stehe ich sowohl Nutzern als auch Medienvertretern als Ansprechpartner bei offenen Fragen zur Verfügung.

Über Adblock Plus:
Adblock Plus ist der einfache Werbeblocker für das Internet. Das Add-on lässt sich in Sekundenschnelle installieren und blockiert anschließend aufdringliche Werbung im Internet. Mit der Browsererweiterung wird das Surfen im Web wieder attraktiver, sicherer und schneller. Mehr als 45 Millionen Internetnutzer weltweit vertrauen täglich auf Adblock Plus. Es ist damit das beliebteste Add-on im Web. Adblock Plus ist derzeit für die Browser Firefox, Chrome und Opera verfügbar sowie als App für Smartphones und Tablets mit Android-Betriebssystem erhältlich. Weitere Informationen unter: www.adblockplus.org

Pressekontakt 


Till Faida
till@adblockplus.org

 

 

Weitere Themen: Adblock Plus kommt mit Auto-Update außerhalb des Play Stores, Wladimir Palant

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