Apple bangt um Nachschub: Zulieferer schalten Fabriken ab

Flavio Trillo
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Apple sieht sich derzeit Schwierigkeiten gegenüber, ausreichend Material für die Konstruktion von iPad 2, iPod und Co. zu bekommen. Diverse Glieder der Zulieferer-Kette mussten ihre Produktionsstätten in Japan wegen der Ereignisse der vergangenen Wochen kurzfristig schließen. Aus diesem Grund kommen jetzt bislang eher unbekannte Hersteller von Silizium-Wafern und Lithium-Ionen-Batterien zum Zug. 

Als am 11. März dieses Jahres um 02.46 Uhr etwa 372 Kilometer vor der japanischen Küste die Erde bebte, war sich noch niemand über das Ausmaß der Zerstörung im Klaren, das folgen würde. Nicht nur verloren unzählige Menschen ihr Obdach, tausende ließen ihr Leben in den Fluten des Tsunami. Es wäre also zynisch, in diesem Zusammenhang von Glück für diejenigen Unternehmen zu sprechen, bei denen sich die Bestellungen plötzlich vervielfacht haben.

Andererseits es ist eine Realität, dass viele in Japan produzierende Firmen ihre Kapazitäten drastisch verringern mussten. Dies wiederum führt bei kleineren Zulieferern zu einer spürbaren Zunahme der Anfragen. So auch im Falle von Wacker Chemie aus München. Dort werden im Geschäftsbereich Siltronic diejenigen Wafer hergestellt, die als Basis für die Produktion von Speicherchips und Mikroprozessoren dienen.

Wacker Chemie hält mit seiner Sparte Siltronic als weltweit drittgrößter Hersteller einen Marktanteil von etwa 12 Prozent. Die größten Konkurrenten, Sumco und Shin-Etsu, beanspruchen zusammen ungefähr 60 Prozent des Anteils am Weltmarkt für die Silizium-Scheiben. Beide Unternehmen melden aktuell Ausfälle.

Sumco teilt mit, dass eine von sieben Anlagen vorläufig abgeschaltet werden musste. In der Fabrikanlage Yonezawa (Präfektur Yamagata) bereite man sich zwar auf eine Wiederaufnahme der Produktion vor, bislang könne man jedoch nur schwer abschätzen, wann die japanische Infrastruktur dies wieder erlaube. Auch Shin-Etsu berichtet, dass die Fertigungslinien in Kamisu (Präfektur Ibaraki) und Nishigo (Präfektur Fukushima) bis auf weiteres abgeschaltet werden mussten.

Bei der münchener Wacker Chemie liefen daraufhin die Telefone heiß: “Wie haben in der letzten Zeit bei einer Reihe unserer Kunden einen sehr deutlichen Anstieg des kurzfristigen Mehrbedarfs gesehen”, teilte Christof Bachmair, Sprecher von Wacker Chemie gegenüber macnews.de mit. Zu den Abnehmern gehören nach seinen Angaben “alle führenden Halbleiterhersteller weltweit”.  Dabei handele es sich aber nicht um Hamsterkäufe aus Angst vor Knappheit. “Wir haben den Eindruck, dass derzeit lediglich der aktuelle kurzfristige Bedarf gedeckt wird”, heißt es weiter.

Um der gesteigerten Nachfrage Herr zu werden, bleibt dem Unternehmen nichts weiter, als so viele Wafer zu produzieren, wie es nur geht. An kurzfristige Expansion denkt man dabei nicht. “Wir steigern unsere Produktionsleistung im Rahmen unserer bestehenden Anlagenkapazität”, so Bachmair.

Auch Apple sorgt sich um Komponenten-Nachschub aus dem Pazifikraum. Wie das Wall Street Journal berichtet, erhielt die US-Niederlassung von Kureha kürzlich einen besorgten Anruf aus Cupertino. Kureha produziert ein spezielles Polymer, das für die Herstellung solcher Lithium-Ionen-Akkus benötigt wird, wie sie unter anderem in Apples iPod zum Einsatz kommen. Den Bedarf für 70 Prozent des Weltmarktes stellte Kureha bislang ausschließlich in Iwaki (Präfektur Fukushima) her, musste diese Anlage jedoch am 11. März schließen.

Schon vor dem Erdbeben habe man erwogen, einige Fertigungsstätten nach China und in die USA umzuziehen. So sollten die starke Fluktuation des japanischen Yen und die hohen Kosten vor Ort kompensiert werden. Nun konkretisieren sich diese Vorhaben und das Unternehmen werde diese Pläne beschleunigt umsetzen. Bis dahin reichen die Vorräte für manche Produkte nur noch wenige Wochen. Kureha erhielt direkt nach der Katastrophe bereits hektische Anrufe von Abnehmern, die alle wissen wollten, wie viele Reserven sich noch in den Lagern befänden und wie schnell man sie ihnen zukommen lassen könne.

Nach wie vor darf man nicht müde werden zu betonen, wie irrelevant die Versorgungsängste weltweit operierender Konzerne wegen ein paar Kristall-Scheibchen oder der einen oder anderen Batterie im Vergleich zu der echten Katastrophe sind. Wer sich aber in Anbetracht des Hypes um das iPad 2 gemütlich zurückgelehnt hat und erst bestellen will, wenn die Warteschlangen versiegen, sollte wissen, dass die Vorräte knapp werden und einige Produktionslinien für wichtige Komponenten dieses und anderer Geräte still stehen.

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