Rissen sich vor der Vorstellung der ersten Apple Watch noch viele Entwickler darum, eine App fürs Handgelenk im App Store zu haben, kehrt sich seit einiger Zeit der Trend. Quo vadis, Apple Watch?

Apple Watch: Wohin geht die Reise?
Bildquelle: Holger Eilhard/GIGA

Bereits vor einigen Monaten begannen einige große Entwickler, darunter Google, Amazon oder Twitter, damit, ihre Watch-Erweiterungen aus den iPhone-Apps zu entfernen. Das aktuelle Beispiel ist Slack. War das Kommunikationswerkzeug, das vor allem in Unternehmen immer häufiger zu finden ist, bis vor kurzem noch mit einer eigenen Watch-App vertreten, entfernte das Unternehmen dies im jüngsten Update.

Die Gründe für das Verschwinden der Apps sind unterschiedlich. Der offensichtliche Grund ergibt sich nach der Frage, warum eine App überhaupt auf der Apple Watch sein muss und ob dies sinnvoll ist. Wer will schon lange Zeit an der Watch rumspielen, wenn es um mehr geht, als schnell und einfach bestimmte Informationen in Erfahrung zu bringen?

Während es also für eine Fluggesellschaft sinnvoll ist, eine Watch-App anzubieten, die einen schnellen Überblick über den nahenden Flug gibt, ist es fraglich, ob man mit der Watch den eigenen Twitter-Feed oder einen Kanal im Unternehmens-Slack durchforschen will, während man auf das winzige Display am Handgelenk glotzt.

Apple hat schon zu Beginn den Entwicklern nahegelegt, dass man sich für die Watch keine Apps wünscht, die den Nutzer zu lange an die Nutzung der Uhr binden. Ein Blick auf die Uhr sollte nur wenige Sekunden dauern, um die benötigten Informationen zu finden. Werden tiefergehende Recherchen notwendig, sollte man hingegen das iPhone zücken.

Im Falle von Slack scheint man diesem Beispiel nun auch zu folgen. So können weiterhin auf der Watch kurze Antworten auf eingehende Nachrichten verfasst werden. Eine vollständige App ist dafür nicht notwendig.

Technische Hürden verhindern ganze App-Kategorien

Während einige Apps aus Sicht des Anwenders unnötig sind, gibt es aber natürlich auch Fälle in denen Apps sehr wünschenswert wären, aber derzeit schlichtweg mit der aktuellen Hard- und Software rein technisch nicht möglich oder gar erlaubt sind. Ein beliebtes Beispiel sind Podcast-Apps oder Apps von Streamingdiensten wie Spotify. Marco Arment, Entwickler der beliebten Podcast-App , hatte dazu bereits vor einigen Monaten einen Beitrag veröffentlicht, in dem er beschreibt, warum Podcast-Lösungen derzeit auf der Apple Watch nur kompliziert möglich sind.

Dennoch gibt es immer wieder Apps wie beispielsweise , die (insbesondere seit der Vorstellung der Apple Watch Series 3 mit LTE) auch ohne das Vorhandensein des iPhone die Wiedergabe von Podcasts ermöglichen wollen. Die Nutzung dieser ist und bleibt aber umständlich. Es bleibt daher zu hoffen, dass Apple mit watchOS 5 die Bremsen löst und neben neuen Programmierschnittstellen vielleicht auch eine eigene Podcast-App, wie sie seit langer Zeit auf iPhone oder iPad der Standard ist, anbietet.

Apple Watch: Käufer vermissen Apps nicht

Apples Strategie rund um die Apple Watch scheint trotz dieser Botschaften über wegfallende Apps aufzugehen. So kündigte das Unternehmen erst am vergangenen Donnerstag neue Verkaufsrekorde seiner Smartwatch im Weihnachtsgeschäft an. Ohne konkrete Zahlen zu nennen, gab Tim Cook immerhin einen Hinweis auf die Steigerung aufs Wachstum. So konnte man von der Apple Watch Series 3 doppelt so viele Exemplare verkaufen als im Vorjahreszeitraum von der Series 2.

Mit immer mehr digitalen Belohnungen für die Aktivitäten seiner Nutzer und neuen Gesundheitsfeatures, zum Beispiel der dauerhaften Beobachtung des Herzschlags, ist es klar, dass Apple seine Smartwatch nicht nur als Fitness-Tracker, sondern als allgemeinen Helfer für die Gesundheit seiner Nutzer etablieren will. Nach der Fitness-Challenge im Januar gibt es beispielsweise bereits Hinweise auf neue iMessage-Sticker, wenn die Nutzer ihre Aktivitätsziele im Februar erreichen. Statt Vorgaben wie „Laufe 5 Kilometer an einem Tag“ für alle Apple-Watch-Besitzer gleichermaßen, werden die Ziele nun auch dynamisch für den einzelnen Benutzer erzeugt, auch wenn diese in einigen Fällen etwas hoch angesetzt sind.

Mit der Vorstellung der LTE-Version werden wir auch in Zukunft eine immer stärkere Unabhängigkeit vom iPhone sehen. Es bleibt zu hoffen, dass trotz des Fokus auf die Fitness diverse App-Kategorien aber nicht auf der Strecke bleiben. Viele Nutzer wollen unterwegs auch ohne iPhone und Apple-Music-Abo mittels Spotify oder anderen Diensten ihre Musik oder Podcasts hören.

Apple machte historisch nur kleine und langsame Schritte, um seine Dienste für Drittanbieter zu öffnen. Gab man Siri mittels SiriKit zunächst nur für einige Dienste frei, kamen im vergangenen Jahr diverse neue Möglichkeiten für weitere Kategorien hinzu. Ähnliches erwarten wir auch für die Apple Watch.

Wie watchOS 5 aussehen und welche Features es bieten könnte, zeigt das folgende Konzept.

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watchOS 5: Ein Traum-Design für die Apple Watch

Einen ersten Einblick in die konkrete Zukunft der Apple Watch dürfte Apple im Rahmen der WWDC im Juni geben. Dann wird Apple sehr wahrscheinlich auch watchOS 5 für die Apple Watch präsentieren und wir können uns dank der ersten Betas einen eigenen Eindruck verschaffen.

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