Android 3.0 "Honeycomb": Google hält Quellcode zurück

Mikiya Heise
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Die Ankündigung von Google, den Quellcode für das Android 3.0 “Honeycomb” bis auf Weiteres nicht zu veröffentlichen, hat einige Irritation nicht nur in der Open Source-Community, sondern auch bei den kleineren Geräteherstellern und Softwareentwicklern ausgelöst. Google begründet die Maßnahme damit, dass Honeycomb in erster Linie für Tablets entwickelt wurde und eine für Smartphones optimierte Portierung eines größeren Aufwandes bedarf, für den bisher keine Zeit geblieben sei.

Android 3.0 "Honeycomb": Google hält Quellcode zurück

Die Offenheit von Android ist sicherlich eine der tragenden Säulen von Googles PR- und auch Geschäftsstrategie gegenüber der Konkurrenz von Apple, Microsoft, RIM und Co.. Zwar wird die jeweils aktuellste Android-Version hinter verschlossenen Türen entwickelt, kurz nach ihrer Marktreife wurde der Source Code bisher jedoch immer veröffentlicht, um anderen Geräteherstellern dessen Adaption für ihre neuen Geräte zu ermöglichen. Und so verwundert es nicht, dass die Nachricht, dass Google den Quellcode von Honeycomb bis auf Weiteres nicht herausgeben wird, einen Tsunami der Entrüstung im Cyberspace ausgelöst hat.

Honeycomb optimiert nicht nur beliebte Android-Features wie Widgets und Multi-Tasking, sondern wurde vor allen Dingen für Tablets, also Mobilgeräte mit größerem Bildschirm entwickelt. Die Optimierung von Honeycomb für den Betrieb von Smartphones hingegen wurde zunächst zurückgestellt, damit das Motorola XOOM im gnadenlosen Verdrängungswettbewerb noch vor dem iPad 2 herausgebracht werden konnte.

Panik ist aber vorerst nicht angebracht: Google will Android weiterhin als offene Plattform betreiben, es geht wohl nicht um eine grundsätzliche Kehrtwende in Geschäftsstrategie. Vielmehr geht es Google darum, über eine ausgereifte Qualität des Betriebssystems das Ausmaß der aus der Hüfte geschossenen, schlechten Portierungen durch konkurrierende Gerätehersteller zu verringern. Durch eine zentralisiertere Qualitätssicherung und eine kontrollierte Veröffentlichung von Honeycomb soll der weiteren Fragmentierung der Android-Plattform entgegengewirkt werden, die eine problematische Tendenz nicht nur für Programmierer, Gerätehersteller und Investoren darstellt, sondern auch für uns Nutzer. Aufgrund des pausenlosen Rumgefrickels am Betriebssystem müssen wir nämlich nicht nur den einen oder anderen Systemabsturz über uns ergehen lassen, sondern sind auch immer wieder Zielscheibe der Häme der Apple-Gemeinde mit ihren durchintegrierten „alles funktioniert“-Produkten.

Auch wenn der Source Code für Honeycomb nicht für alle im Netz einsehbar ist, steht er großen Geräteherstellern wie Motorola, Samsung, Dell, HTC und Acer zur Verfügung und jedem Hersteller und Entwickler, der schriftlich zusichert, diesen nur für Tablets zu verwenden. Die kleineren Gerätehersteller und Softwareproduzenten, die diese Lizenzierungsauflagen nicht erfüllen, werden durch die von Google diktierten Regeln im Wettbewerb weiter zurückgeworfen.

Die vielzitierte „Offenheit“ der Android-Plattform sollte ohnehin nicht verklärt oder idealisiert werden. Google jedenfalls geht es wohl weniger um die Ideale der Open Source Community als um eine – bisher allerdings recht erfolgreiche – Strategie, das eigene Betriebssystem auf möglichst viele Geräte zu bringen und den Entwicklungsaufwand dafür auf andere zu verteilen. Selbstverständlich geht es dem 150 Milliarden Dollar-Konzern letztlich um die Kontrolle und den Erfolg der Marke Android, das heißt den größtmöglichen Profit und möglicherweise sogar die Weltherrschaft.

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