IFA 2011 - Tablets: Ausgeliefert vs. Verkauft

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Ein Lenovo-Manager hat auf der IFA einige interessante Details über die Konkurrenz von Samsung preisgegeben. Konkret geht es wieder einmal um die Diskrepanz zwischen ausgelieferten und wirklich verkauften Tablets. Wie haben sich die Verkaufszahlen der Android-Tablets aber wirklich entwickelt?

IFA 2011 - Tablets: Ausgeliefert vs. Verkauft

Erinnert ihr euch noch an das erste Galaxy Tab mit 7-Zoll-Display aus dem vergangenen Jahr? Genau um dieses Gerät geht es in den Aussagen von Andrew Barrow, Direktor für Consumer-Produkte und Preisgestaltung für Lenovo in West-Europa, die er gegenüber dem britischen Guardian gemacht hat.

Er sagt, dass Samsung von der 1 Million Galaxy Tabs, die ausgeliefert wurden, nur 20.000 Stück wirklich über den Ladentisch gingen. Es ist also ziemlich eindeutig, dass die erhofften Verkaufszahlen mitnichten erreicht wurden. Das generelle Problem mit dem Tablet-Verkauf, so Barrow, sei der Versuch mit niedrigen Preisen mit dem iPad – von dem mittlerweile mehr als 30 Millionen verkauft wurden – zu konkurrieren. Wenn man den Preis unterhalb dem eines iPad ansetze, würde jeder Hersteller Geld verlieren.

Präzise Verkaufszahlen hat Samsung nie genannt, während der Vorstellung des Geschäftsberichts im Januar 2011 hatte man aber zugegeben, dass deutlich mehr Tablets ausgeliefert als verkauft werden. Der Verkauf verlaufe aber “quite smooth” – was auch immer damit genau gemeint ist.

Mit den Zahlen vom Guardian konfrontiert, sagte Rob Bamforth, Analyst bei Quocirca, dass so schlechte Verkaufszahlen unwahrscheinlich seien. Zum Einen hätten sich Partnerunternehmen über ein so genanntes “Channel Stuffing”, bei dem der Hersteller die Verkaufskanäle mit Lieferungen überfüllt, beschwert, zum Anderen hätte man deutlich mehr Rabattangebote für das Gerät gesehen.

Wie es seit der Einführung von Android 3.0 (Honeycomb) aussieht ist derweil noch nicht klar. Das Problem mit den frühen Android-Tablets war Android 2.x, welches nicht für die großen Touchscreens optimiert war und es so nur wenige Apps gab, die von dem gewonnen Platz wirklich profitieren konnten.

Einen Eindruck über den Anteil von Android 3.x im Android-Gesamtmarkt vermittelt aber Googles eigene Versions-Statistik, die zwei-wöchentlich aktualisiert wird. Die folgenden Daten basieren auf Android-Geräten, die in den letzten 14 Tagen auf den Android Market zugegriffen haben:

Einen ähnlichen Hinweis auf die Verbreitung von Android 3.x ergibt die Google Statistik über verwendete Bildschirmdiagonale der gemessenen Geräte (“xlarge” sind in diesem Fall Geräte mit mehr als 7 Zoll):

Basierend auf den Zahlen aus Juli 2011 hatte John Gruber bereits eine kleine Aufstellung der bis dann verkauften Android 3.x Tablets gemacht. Als Grundlage nutzte er die von Google CEO genannten 135 Millionen Android-Geräte und eben oben genannte Statistik. Zum damaligen Zeitpunkt wurden täglich 550.000 Geräte aktiviert.

Geht man davon aus, dass diese Zahlen weiterhin noch stimmen bzw. seit Mitte August auf 600.000 Aktivierungen pro Tag gestiegen sind, sind jetzt rund 163 Millionen Android-Geräte im Umlauf. Basierend auf der Zahl der Marketplace-Zugriffe sind davon 1,4 Prozent Tablets mit Android 3.0 – 3.2.

Damit sind aktuell weiterhin nur vergleichsweise magere 2,282 Millionen Android-Tablets im Umlauf. Auf einen ähnlichen Wert (rund 2,5 Millionen) kommt man wenn man die festgestellte Displaygröße als Grundlage nimmt. Sicherlich gibt es auch noch einige Android-Tablets, die mit Android 2.x verkauft werden. Aber selbst im Vergleich zu den Honeycomb-Geräten sollten diese Verkäufe verschwindend gering sein.

Schauen wir uns die Konkurenz, genauer gesagt das iPad an, sieht man wie dominierend Apple im Tablet-Markt ist. Apple hatte bis Ende Juni bereits insgesamt 28,73 Millionen iPads (3,27, 4,19, 7,33, 4,69 und 9,25 Millionen Stück) verkauft. Geht man also weiterhin von rund 3 Millionen verkauften iPads pro Monat aus, dürfte diese Zahl mittlerweile bei mindestens 35 Millionen iPads liegen.

Im Vergleich zum Stand vor einigen Monaten haben die Android-Tablets zwar aufgeholt, sind aber immer noch weit davon entfernt Apples Platzhirsch das Wasser zu reichen.

Insgesamt bleibt der fade Beigeschmack, dass man aufpassen muss, von welchen Zahlen ein Hersteller spricht. Sind es die aus der Fabrik ausgelieferten Produkte, die in irgendwelchen Lagern auf einen möglichen Verkauf warten, oder geht es um die reale Nummer der Geräte, die wirklich benutzt werden.

Weitere Themen: IFA 2013 - GIGA live vor Ort

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