Auf den Spuren von iOS: Android "Ice Cream Sandwich" vorerst ohne Flash

Flavio Trillo
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Einer der Hauptgründe, aus denen sich Käufer für ein Android- und gegen ein iOS-Gerät entscheiden, ist die Flash-Unterstützung. Webseiten, Filme, Spiele – all das und mehr bleibt iPad- und iPhone-Usern verschlossen, heißt es. Doch scheint sich dieser Vorteil, so man ihn denn überhaupt als solchen wahrnimmt, mit der neuesten Version des mobilen Betriebssystems von Google erledigt zu haben.

Manch ein Verfechter von HTML5 mag ein wenig Mitleid für die Android-Nutzerschaft in diesen schweren Stunden aufbringen. Sie erhielten soeben die Bestätigung via Slashgear.com, dass die neueste Ausgabe von Google Android mit dem Spitznamen “Ice Cream Sandwich” (ICS) bis auf Weiteres ohne Flash-Unterstützung auskommen muss:

“Flash wurde für ICS noch nicht veröffentlicht, soweit wir wissen, wird Adobe es also unterstützen.” Diese Logik erschließt sich nicht jedem sofort – offenbar vertraut man in das Erscheinen einer Flash-Variante für ICS allein aus dem Grund, dass sie noch nicht erschienen ist.

Adobe hatte kürzlich angekündigt, die Entwicklung des mobilen Flash zugunsten von HTML5 einstellen wird. Bis das Unternehmen eine Flash-Version für ICS präsentiert, verbleibt Android-Usern der Genuss tausender und abertausender Webseiten, also quasi des gesamten Internet, lediglich in verstümmelter Form, jedweder Flash-Inhalte beraubt.

Auch im Android Market gibt es für ICS-Anwender keine Abhilfe. Ein Flash-Plug-In zum Herunterladen suchen sie dort vergeblich. Davon dürfte auch Apple-Guru Steve Wozniak ein Lied zu singen wissen. Er war nämlich einer der ersten, die eines der neuen Samsung Galaxy Nexus, dem Nachfolger des Google Nexus S überreicht bekam und zwar direkt im Google Hauptquartier.

Als Mac-Nutzer dürfte Wozniak zu Hause übrigens aufgefallen sein, dass die Innereien des Galaxy Nexus es Apple-Freunden schwerer machen, Daten zwischen Smartphone und Computer zu übertragen. Das habe mit dem fehlenden SD-Karten-Steckplatz zu tun, erklärt ein Mitarbeiter auf reddit.com. Unter Microsoft Windows werde der Unterschied aufgrund des verwendeten Protokolls niemandem auffallen. Für Mac- und Linux-Anwender sei die Änderung aber deutlich spürbar.

Apple hatte sich mit seinem mobilen Betriebssystem iOS stets gegen die Unterstützung von Flash entschieden. Steve Jobs erklärte diese Entscheidung in einem offenen Brief, sowie später in einem Interview, mit den technischen Unzulänglichkeiten der Technologie. Er habe darauf gewartet, dass Adobe ihm eine Version zeigt, die sicher und stabil auf Smartphones läuft, ohne dabei die Batterie über alle Maßen zu beanspruchen, doch das sei dem Unternehmen bislang nicht gelungen, so Jobs damals.

Halten wir also einen Moment lang inne und Gedenken unseren Brüdern und Schwestern im Lager der Android-Fans. Kein Fünkchen schadenfrohen Schmunzelns entweicht dabei unserer Miene. Nicht eins.

Update:

Inzwischen hat Adobe bekannt gegeben, dass noch vor dem Ende dieses Jahres mit der Veröffentlichung einer Flash-Version für Android 4.0 “Ice Cream Sandwich” gerechnet werden dürfe. Allerdings – und das ist in der Tat ein bis zwei “Uiuiui” und mindestens ein “Potztausend” wert – wird es für darauf folgende Android-Systeme keine Flash-Unterstützung mehr geben. Ab dem vermutlich “Jelly Bean” genannten Release 5.0, der für den April nächsten Jahres erwartet wird, heißt es also, mit einer Träne im Knopfloch: Adieu, Flash. Adieu.

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