Das ist Android 4.0 Ice Cream Sandwich

Christopher Göbel
43
Das ist Android 4.0 Ice Cream Sandwich

Nach unzähligen Gerüchten, täglich eintreffenden “Leaks” und noch mehr Spekulationen haben wir es nun geschafft — Android 4.0 “Ice Cream Sandwich” wurde offiziell vorgestellt. Zeit, um euch die neuen Features mal ausführlich vorzustellen.

Optisch wurde Ice Cream Sandwich ziemlich aufgebohrt: Statt dem typischen Android-Grün hält nun das Designkonzept “Roboto” Einzug in das neue Google-OS, welches hauptsächlich in einem cyan-blauen Ton erstrahlt. Diesem Design folgen auch sämtliche Google-Apps. Wie wahrscheinlich niemanden mehr überraschen dürfte, wird Android 4.0 komplett über Software-Keys gesteuert, eine ausführliche Erläuterung der Steuerung erspare ich mir deshalb. Die verschiedenen Neuerungen werde ich nun einzeln abarbeiten:

Lockscreen

Wie bereits zuvor schon geleakt, erinnert der neue Lockscreen arg an Honeycomb und HTC Sense ab Version 3.0: Sobald man den Lock hochzieht, kommt man zum Homescreen; mit einem Wisch nach links startet man die Kamera-App und auch ein Slide nach rechts führt direkt zu einem Programm nach Wahl. Oben kommt zudem eine neue Uhr inklusive Akkustand zum Einsatz, die meines Erachtens auch sehr hübsch anzusehen ist.

Außerdem wurde noch eine andere Art vorgestellt, wie man den Screen entlocken kann: Mit dem sogenannten “Face Unlock” entsperrt man seinen Bildschirm dadurch, indem man der Kamera schlicht sein Gesicht zeigt. Das wollte während dem Event zwar nicht so recht klappen, kann aber — wenn es denn funktioniert — sehr komfortabel sein und Zeit ersparen. Die Notifications sind in Ice Cream Sandwich nun auch vom Lockscreen aus nutzbar.

Homescreen

Unten finden wir eine verbesserte App Depot: Diese kann anders als in Android 2.3 “Gingerbread” nun maximal fünf Icons aufnehmen — dabei spielt es keine Rolle, ob es sich nur um ein einzelnes Programm handelt oder ob man verschiedene Anwendungen gebündelt, sprich in Ordnern, in die Taskbar legt. Denn das neue Google-Betriebssystem erlaubt es nun auch von Haus aus, Ordner auf den Homescreen zu legen und diese dann einfach zu benennen.

Die Widgets, welche wie erwartet nun im App Drawer eine eigene Kategorie für sich beanspruchen, haben ein ziemlich großes Upgrade erhalten: So hat Google nun, ähnlich wie schon in Honeycomb, verschiedene Widgets für die Google-Anwendungen in Ice Cream Sandwich integriert, die nochmals eine optische Frischzellenkur erhalten haben und nun wirklich toll aussehen. Außerdem sind die Widgets in ihrer Größe frei anpassbar und erlauben so einen wirklichen individuellen Homescreen.

Multitasking

Auch hier wird wieder stark an Honeycomb angelehnt: Sobald man auf einen der drei Software-Buttons “Multitasking” drückt, erscheint eine Ansicht aller geöffneten Programme, welche man hoch- und runterscrollen kann; per Klick auf eine Anwendungsvorschau gelangt man zu dem jeweiligen Programm.

Notifications

Auch die Notification-Bar wurde nochmal überarbeitet: So erlaubt sie nun einen vollen Zugriff auf die laufende Musik und ist, wie eingangs bereits erwähnt, vom Lockscreen aus nutzbar. Mit einem schnellen Swipe nach rechts ist die entsprechende Benachrichtigung geschlossen. Zudem zeigt die Notificationleiste nun auch Programmicons respektive Kontaktbilder an.

App Drawer

Anders als in Gingerbread slidet man nun im neuen Google-OS vertikal zwischen den verschiedenen Seiten im App Drawer. Dabei wird beim Umblättern stets ein Effekt angezeigt, der ganz akzeptabel aussieht und Ice Cream Sandwich noch ein Stück edler aussehen lässt. Wie zudem bereits erwähnt, haben auch die Widgets eine eigene Kategorie im App Drawer erhalten. Rechts oben befindet sich zusätzlich ein Market-Icon, damit man direkt für Nachschub bei den Apps sorgen kann.

Browser

Der Browser hat in Android 4.0 ein wirklich großes Upgrade erhalten: Das sogenannte Multitab-Browsing wird genau wie schon beim Multitasking dadurch realisiert, dass man rechts oben im Browser auf ein spezielles Symbol klickt, welches dann alle geöffneten Programme anzeigt. Insgesamt können 16 Tabs geöffnet werden.

Beim Start des Browser gelangt man aber zunächst mal in eine Ansicht, in welcher Bookmarks, der Browser-Verlauf und gespeicherte Seiten angezeigt werden. Apropos Bookmarks: Diese werden nun automatisch mit denen des Chrome-Browsers gesynct. Super! Zudem erlaubt der neue Internet-Client es, im Inkognito-Modus zu surfen und per User Agent die jeweilige Desktop-Seite aufzurufen. Alles Features, die es der Konkurrenz á la Dolphin Browser oder Opera Mobile schwer machen dürften, hier wieder neue Funktionen vorzustellen, die noch mehr als der Standard-Browser bieten.

Kamera

In der Kamera-App sehen wir meines Erachtens die größten neuen Funktionen: Denn diese glänzt nun mit einem Touch-Fokus, Gesichtserkennung, Zero Shutter Lag (Auslöseverzögerung) und einem Panorama-Modus. Auch in der Videokamera-Anwendungen finden wir einige nützliche Neuerungen: So kann man jetzt Zeitraffer-Videos filmen und ein Bild schießen, während man gleichzeitig ein Video dreht.

Und damit man die geschossenen Bilder oder Videos auch in das richtige Licht rücken kann, hat Google im nächsten Google-OS wie erwartet auch umfangreiche Möglichkeiten zum Bild- und Videoeditieren eingebaut. So sind zum Beispiel verschiedene Filter sowie die Fähigkeit zum Drehen, Verkleinern und dem Entfernen des Rote-Augen-Effekts dazugekommen. Alle Hobbyfotografen werden also im Zusammenspiel mit der 5 Megapixel-Kamera im Galaxy Nexus (oder allen sonstigen guten Kamera-Handys), die ganz gute Ergebnisse liefern soll, ihren Spaß an Ice Cream Sandwich finden.

Galerie und Screenshots

Auch die Galerie-Applikation hat einen neuen optischen Anstrich erhalten und kommt nun im typischen Ice Cream Sandwich-Look daher. Sobald man rechts oben auf das “Freigeben”-Symbol klickt, erscheint eine Ansicht aller Programme, mit welchen man das Bild teilen kann; ein weiterer Klick auf das Appicon und schon ist das Bild freigegeben. Zudem kann man in der Galerie-App nach Personen und dem Ort der Aufnahme sortieren. Allgemein kann man festhalten, dass mit Android 4.0 endlich alle Google-Apps in einem einheitlichen, schönen Look erstrahlen.

Wie viele von euch sicherlich schon lange gehofft haben, ist in Ice Cream Sandwich endlich auch eine native Screenshot-Funktion integriert, die keinen Root-Zugriff erfordert. Sobald man die Lautstärke Minus-Taste in Kombination mit dem Power-Button drückt, wird dieser Screenshot erzeugt und automatisch in der Galerie gespeichert.

GMail und Kalender

Da das Galaxy Nexus ja bekanntlich mit einer HD-Auflösung von 1280×720 Pixeln aufwartet und Ice Cream Sandwich für diese Auflösung auch präferiert ist, kann man es sich in der Google Mail-Anwendung erlauben, mit einem horizontal zweispaltrigen Design zu arbeiten. Heißt also: Neben dem Absender in der ersten Linie sehen wir in der zweiten Reihe noch eine kurze Vorschau des E-Mail-Inhalts. Wenn man dann in der E-Mail selbst angekommen ist, kann man, wie so oft in Android 4.0 zwischen den einzelnen Mails des Absenders swipen. Auch das Schreiben einer E-Mail wurde vereinfacht, denn man kann nun ganz einfach verschiedene Empfänger einer elektronischen Nachricht auswählen.

Wie man sich nun fast schon denken kann, hat auch die Kalender-App einen neuen Anstrich bekommen, zwischen den einzelnen Tagen oder Wochen (je nach Einstellung) wechselt man mit einer Wischbewegung nach links und oder rechts. Viel-Beschäftigte können in den Kalender jetzt auch Multitouch-zoomen, um einen besseren Überblick über die verschiedenen Termine zu erhalten.

Keyboard und Spracheingabe

Neu im Google-OS ist auch das verbesserte Keyboard: So ist es nun einfacher, Worte innerhalb eines Satzes auszutauschen und neue Wörter in das Wörterbuch der nun lernfähigen Bildschirmtastatur einzufügen. Ansonsten gleicht die Tastatur vom reinen Layout her dem Gingerbread-Keyboard.

Auch die Spracheingabe ist neu: Wenn man keine Lust mehr auf das irgendwann mühsam werdende Tippen auf der Bildschirm-Tastatur hat, kann man seinen Text auch einfach in das Mikro einsprechen. Das funktionierte auf dem Event bereits hervorragend, allerdings natürlich auch nur in Englisch. Ob wir das Feature also in Deutschland sehen werden, ist noch ungewiss. Zudem muss sich solch eine Technologie ähnlich wie Apples Siri erst mal auf seine Alltagsfähigkeit prüfen lassen.

Kontakte und Dialer

Die Kontakte-App wurde von Grund auf neu designt: Denn diese wurde nun in Favoriten, Gesamtübersicht und in eine geordnetere Übersicht aufgeteilt, in welche man — oh Wunder — per Swipe nach links oder rechts kommt. Bei Klick auf eine Person werden neben einem großen Header alle wichtigen Informationen einer Person inklusive der sozialen Netzwerke und den dazugehörigen Status-Feeds angezeigt. Insgesamt überzeugt auch hier meiner Meinung nach wieder das schöne, minimalistische Design.

Die Phone-App kommt ebenfalls nun im bekannten, dreispaltrigen Design. Auch die nun unterstützte Voicemail-Funktion ist ganz nett: Beim Ablehnen eines Anrufs kann man automatisch eine vorher definierte Abwesenheits-SMS schicken.

Data Usage

Ebenfalls neu direkt in Android 4.0 Ice Cream Sandwich integriert: Ein Manager für das Data Usage. Hier kann man schauen, wieviel Volumen eine bestimmte App verbraucht und kann dieses auf ein bestimmtes Maximum festlegen. Wenn eine Internet-Flatrate ab einem bestimmten Inklusivvolumen gedrosselt wird, kann man sich zudem benachrichtigen lassen, wenn man diesen bestimmten Zeitpunkt (der natürlich auch vor der Drosselung liegen kann) erreicht hat und kann dann die Interverbindung direkt einfrieren lassen — alles natürlich nur, wenn man es so wünscht. Für mich als jemanden, dem generell so gut wie jeden Monat seine Flatrate gedrosselt wird, ist solch ein Feature natürlich sehr interessant und nützlich.

One Last Thing: Android Beam

Android Beam ist ein neue Funktion, die auf NFC basiert und es ermöglicht, Bilder, Maps, Apps, Links und Co beim Heranhalten an ein anderes NFC-Gerät mit diesem zu teilen. Das zeigt mal wieder, dass die NFC-Technologie nicht nur dafür gut ist, bargeldlos zu bezahlen. Ob Android Beam aber wirklich Vorteile bringt, wage ich zu bezweifeln, da momentan einfach noch zu wenige NFC-Geräte auf dem Markt sind.

So, nach circa 1500 Wörtern ist dieser Artikel dann nun auch endlich mal fertig geworden. Die SDK für das neue Google-OS steht sogar schon zum Download bereit; Entwickler können also nun schon fleißig Apps im neuen Design programmieren. Übrigens: Ich kenne schon mein neues Smartphone …

Weitere Themen: Android

Neue Artikel von GIGA ANDROID

GIGA Marktplatz