Ice Cream Sandwich: Fortschritte, Rückschläge und erste Custom ROMs

Daniel Kuhn
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Seit einer Woche ist der Quellcode für Android 4.0 veröffentlicht und für jedermann zugänglich. Es war zu erwarten, dass sich tausende Android-Entwickler auf der ganzen Welt umgehend an die Arbeit machen und die neue Android-Version für verschiedenste Geräte umsetzen. Nun tauchen die ersten Custom ROMs auf. Dabei gibt es einige Überraschungen, aber leider auch schlechte Nachrichten. Wir fassen das Geschehen zusammen und präsentieren einen ersten Überblick.

Ice Cream Sandwich: Fortschritte, Rückschläge und erste Custom ROMs

Fangen wir mit den schlechten Nachrichten an:

Die Hoffnung, dass alle Geräte früher oder später eine Android 4.0-Portierung erhalten werden, muss leider jetzt schon aufgegeben werden – denn das erste Gerät, das an der Ice Cream Sandwich-Hürde scheitert, ist das Android-Urgestein Motorola Milestone. Android 4.0 erfordert neue Hardware-Treiber für GPU, Audio, Kamera und Touchscreen – da die GPU-Treiber leider Closed Source sind, können sie nicht so einfach angepasst werden und ob des Gerätealters wird Motorola da auch nichts mehr dran ändern. Theoretisch wäre eine Portierung zwar trotzdem möglich, allerdings ohne Hardwarebeschleunigung, was laut Entwickler Kabaldan nicht wünschenswert ist, wie er bei XDA-Developers erklärt. Der Aufwand, die Treiber neu zu schreiben, wäre extrem hoch und die Aussicht auf Erfolg dagegen verschwindend gering.

In unserem Interview mit Coolya beim Google Developer Day haben wir außerdem erfahren, dass das Samsung Galaxy Ace keine CyanogenMod-Portierung erhalten wird, was ebenfalls an der verbauten GPU liegt. Ob es hier allerdings an den Treibern oder schlicht der Leistungsfähigkeit liegt, ist uns nicht bekannt. Abgesehen davon bedeutet das auch nur, dass es keine CyaanogenMod 9 geben wird – andere ROMs sind durchaus im Bereich des Möglichen.

Probleme mit Treibern und deren Integration in den Quellcode gibt auch es beim LG Optimus Speed: Nvidia hat nach Aussage von CyanogenMod-Entwickler Ricardo Cerqueira „nicht eine nützliche Codezeile“ für den Tegra 2-Chipsatz bereitgestellt. Das bedeutet aber zum Glück nicht, dass es keine Ice Cream Sandwich-Portierung für das Optimus Speed geben wird, sondern nur, dass es etwas länger dauern wird. Vielleicht kann hier aber die Erfahrung von Steve Kondik helfen, der die Ice Cream Sandwich-Portierung auf das Samsung Galaxy Tab 10.1, das ebenfalls über einen Tegra 2-Prozessor verfügt, angekündigt hat.

Kommen wir nun zu den guten Nachrichten:

Auch wenn das LG Optimus Speed einige Probleme bereitet, macht Ricardo Cerqueira mit den Portierungen für LG Optimus Black und LG Optimus 3D große Fortschritte, da diese über TI OMAP-Prozessoren verfügen.

Konkretere Ergebnisse gibt es für das Samsung Galaxy S (i9000) vorzuweisen, wie uns ein anonymer Tippgeber mitgeteilt hat: Für den Bestseller gibt es bereits ein Custom ROM, das bis auf Kamera/Camcorder, Bluetooth und GPS voll funktionsfähig ist. Wer auf diese Funktionen verzichten kann, darf sich über den Download im Forum der XDA-Developers hermachen.

Der Nachfolger, das Samsung Galaxy SII hat ebenfalls bereits eine Portierung im Frühstadium erhalten – dieser mangelt es allerdings noch an essentiellen Funktionen wie GSM- und Datenverbindung. Das ROM wird zwar ständig weiterentwickelt, vorerst würden wir aber von der Installation abraten.

Das HTC HD2 ist bekanntermaßen eines der vielseitigsten Smartphones, das man finden kann: Ursprünglich mit Windows Mobile 6.5 veröffentlicht haben sich viele Entwickler schnell dran gemacht, verschiedenste Betriebssysteme auf der sehr guten Hardware zu installieren. Android war natürlich von Anfang an dabei und jetzt erhält der Allesfresser unter den Smartphones auch eine große Portion Ice Cream Sandwich. Hardware-Beschleunigung, USB-Massenspeicher und die Kamera funktionieren zwar noch nicht, aber das ist sicher auch nur eine Frage der Zeit. Das Custom ROM findet ihr wie gewohnt bei den XDA-Developers, eine Anleitung zur Installation gibt es bei Redmondpie.

Und am Ende freue ich mich persönlich sehr, dass mein allererstes Android-Smartphone, das HTC Hero, inzwischen auch eine Android 4.0-Portierung erhalten hat. Auch dieses Custom ROM ist noch nicht für den Alltag geeignet, da es noch Probleme mit GSM- und Datenverbindung gibt und an der Stabilität noch einiges verbessert werden muss.

Auch wenn sich die vorgestellten ROMs für die jeweiligen Geräte allesamt noch im Alpha-Stadium befinden und daher noch nicht optimal laufen, ist das Ergebnis nach einer knappen Woche doch schon sehr beeindruckend. Es werden sich in den nächsten Wochen sicherlich noch viele weitere Geräte dazugesellen und die ROMs werden qualitativ entsprechend zulegen.

Die Liste ist natürlich nicht vollständig – falls ihr noch ein weiteres Android 4.0-Custom ROM entdeckt, könnt ihr Hinweise darauf in den Kommentaren hinterlassen.

Dieser Artikel ist ursprünglich auf androidnext.de erschienen. androidnext und GIGA ANDROID sind jetzt eins. Mehr erfahren.

Weitere Themen: Samsung Galaxy S2 GT-I9100 Handbuch, Samsung

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