Android 4.0 Ice Cream Sandwich: Roboto-Font erläutert

Amir Tamannai
5

Ein technisch eher marginaler, in der Benutzung aber eminent wichtiger Bestandteil der kommenden Android-Iteration 4.0 „Ice Cream Sandwich“ ist der nagelneue Schrifttyp Roboto. Dass man in Mountain View bei der Auswahl der Font nicht einfach auf einschlägige Websites gesurft und irgendein Open Source-.ttf-File heruntergeladen hat, war klar – wie viel Arbeit und Überlegung aber tatsächlich in die Optik der ICS-Lettern geflossen ist, hat Googles Matias Duarte nun in einem Google+-Posting erklärt.

Android 4.0 Ice Cream Sandwich: Roboto-Font erläutert

Ich halte jetzt mal die Klappe mich mal vornehm mit Interpretation der Ausführungen Duartes zurück und lasse ihn selbst sprechen – dafür habe ich sein Google+-Posting für euch komprimiert und übersetzt. Bitte, Matias …

… danke Amir! [ok, der Teil ist frei erfunden] Ich möchte darüber sprechen, wie Roboto erschaffen wurde – warum wir uns entschieden haben, den Schrifttyp überhaupt zu kreieren und über die Design-Entscheidungen, die wir auf dem Weg getroffen haben.

Warum Roboto?

Droid [die bisherige Android-Schriftart, Anm. d. Red.] hat über die Jahre tolle Dienste geleistet, aber sie wurde für Geräte mit geringerer Pixeldichte als die aktuellen HD-Displays sie mitbringen, entwickelt und optimiert – dafür musste die Form der Lettern recht prägnant sein: Sie hatten eine hohe Mittellänge und einen sehr gleichmäßigen Rhythmus, außerdem war der fette Schrifttyp deutlich breiter als der reguläre. Wenig überraschend, dass das auf hochauflösenden Screens und in großen Überschriften nicht die „Offenheit“ und Informationsdichte ermöglichte, die wir uns für Ice Cream Sandwich wünschen.

Wonach suchten wir also?

Oberste Prämisse war es, einen Schrifttypen zu erschaffen, der den ambitionierten allgemeinen Designvorgaben für Ice Cream Sandwich entsprach. Unser neuer Font musste daher modern, knackig und strukturiert gleichermaßen sein, um zur Betonung der offenen Layouts und strikten Rasterausrichtungen in ICS zu passen. Gleichzeitig sollte sie freundlich und zugänglich sein, um Android attraktiv und „menschlicher“ wirken zu lassen.

Interaktive Displays sind immer noch ein recht neues Medium, das andere Anforderungen an einen Schrifttyp stellt als der Print-Bereich. Wir wollten das Beste aus hochauflösenden Displays, wie dem des Galaxy Nexus herausholen, ohne dabei Schärfe und Lesbarkeit auf niedriger aufgelösten Screens zu verlieren. Weil Roboto durchgängig in der gesamten Benutzeroberfläche zum Einsatz kommt, sollte die fette Schrift ähnliche Abmessungen wie der reguläre Typ besitzen – so dass der Text geschmeidig zwischen fett und normal fließt (zum Beispiel beim Lesen von E-Mails in der Inbox). Auch bei Zahlen war uns eine einheitliche Größe wichtig, damit Zähler, Daten oder die Uhrzeit nicht „springen“.

Schlussendlich sollte Roboto auch ein Design-Statement sein – genauso, wie jeder Screen von Ice Cream Sandwich ein eigenes und starkes Design besitzt. Dennoch ist der Schrifttyp, wie jeder andere Teil von Android 4.0 in erster Linie ein Medium zur Darstellung der Inhalte des Nutzers. Deshalb sollte Roboto ein wiedererkennbares, markantes aber gleichzeitig auch dezentes Design besitzen.

Wie wir Roboto entwickelt haben

Uns war früh klar, dass wir eine Schrift mit einem starken „geometrischen Rückgrat“ bräuchten, um mit dem neuen Magazin-Layout von Android 4.0 zu korrespondieren. Nachdem wir alle Ecken und Kanten, Teiler und weitere strukturellen Verzweigungen entfernt hatten, schienen uns die Schriftarten aus der Humanes-Familie zu chaotisch. Also schauten wir uns die kreisförmigeren Typos Avernir und Futura an – diese wiederum waren aber ein bisschen zu „weich“ für die harten Kanten, die wir in der ICS-UI einsetzen. Der Durchbruch kam schließlich mit der geradflankigen Grotesk.

Die resultierende Roboto-Typo ist mit ihren geradflankigen Großbuchstaben und markanten Rundungen erwies sich als perfekte Lösung für unsere Erfordernisse: Sie ist platzsparend und kompatibel mit beinahe allen bestehenden Designs für die alte Droid-Schriftart. Gleichzeitig können wir sie noch kleiner und enger setzen und so mehr Informationen unterbringen, ohne den Screen dabei zu überfüllen.

Um die Lesbarkeit von längeren Texten zu verbessern, unter denen Sans Serif-Schrifttypen ob der Gleichmäßigkeit der Lettern zuweilen leidet, haben wir einige der Kleinbuchstaben – namentlich das „e“ und das „g“, geöffnet, während wir das „a“, das „c„ und das „s“ geschlossen gelassen haben. Dadurch erreichten wir einen Rhythmus, der dem von im Buchdruck verwendeten Schrifttypen entspricht und das Lesen langer Texte sehr angenehm gestaltet.

Abschließend haben wir noch daran gearbeitet, Roboto an das griechische und kyrillische Alphabet sowie an alle möglichen Größen und Auflösungen anzupassen. Damit sind wir aber noch lange nicht am Ende: Aktuelle erweitern wir die Typo noch auf weitere Schriftsätze und werden sie dann auch für PCs anpassen.

Ich bin aber jetzt schon sehr, sehr stolz auf das ganze Team und unseren leitenden Typographen – Roboto ist eine neues Fundament für Android und das Team verdient große Anerkennung für seine Arbeit.

Soweit Matias Duarte zu Roboto. Wie gefällt euch die Standardschriftart von Android 4.0? Eure Meinung in die Kommentare.

Matias Duartes Posting bei G+ [via phandroid.com]

Weitere Themen: Google

Neue Artikel von GIGA ANDROID