Android L: Reduzierte Audio-Latenz und weitere Sound-Verbesserungen

Frank Ritter
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Das vergangene Woche vorgestellte „L“ Release von Android macht gewaltige Schritte nach vorn, was die Audioverarbeitung angeht. Das bedeutet: weniger Clipping, reduzierte Latenzen und Audio-Ausgabe in höherer Qualität. Wir erläutern die Verbesserungen im Detail.

Android L: Reduzierte Audio-Latenz und weitere Sound-Verbesserungen

Android L bringt nicht nur eine neue Designsprache und eine polierte Usability, sondern auch erhebliche Verbesserungen unter der Haube. Über die ART-Runtime und deren Potential sowie das neue Kamera-API hatten wir schon berichtet. Ein Thema, bei dem es ebenfalls signifikante Verbesserungen gibt, muss aber noch angesprochen werden: Audio.

Werfen wir einen Blick zurück in die Android-Geschichte: Lange Zeit galten Apps zur professionellen Erschaffung von Musik unter Android als praktisch unmöglich zu realisieren. Der Grund ist die so genannte Audio-Latenz, oder auf Englisch: Lag. Zwischen einer Eingabe, zum Beispiel einer Touch-Berührung, und der Verarbeitung und Ausgabe des akustischen Signals verging technisch bedingt zu viel Zeit, als dass es problemlos möglich gewesen wäre, ein Musikinstrument – welcher Art auch immer – als Android-App zu realisieren oder simulieren. Die gigantische Anzahl an unterschiedlichen Android-Geräte mit variierender Audio-Hardware verschärfte das Problem zusätzlich. Aufgrund dessen waren Musiker, die mit Smartphones und Tablets Musik machen wollen, bislang auf Apple-Geräte angewiesen. Über das Problem unterhielten wir uns im Rahmen der Droidcon 2013 mit Matthias Krebs vom DigiEnsemble – einem Orchester, das mit Smartphones und Tablets musiziert. In der Jelly Bean-Ära hat Google das Problem zwar angepackt und den Lag signifikant verringert, auf Apple-Niveau kann man unter Android jedoch weiterhin nicht musizieren. Mit Android L wird Google dieses Problem aber weiter verbessern.

Im Rahmen einer Session im Laufe der Google I/O 2014 zum Thema „Multimedia in Android“ (gleich am Anfang des Videos) stellten Glenn Kasten und Andy Hung aus dem Entwickler-Team signifikante Verbesserungen in der Audio-Verarbeitung von Android vor. Das sind im Wesentlichen zwei „Überpunkte“:

  • Umstellung von 16 Bit PCM- auf Floating Point-Audiomixing, damit weniger Clipping und eine allgemein verbesserte Qualität in der Audioausgabe – mit sehr geringer oder keiner Auswirkung auf die Performance
  • Reduzierte Mikrofon-Latenz

Kleiner Haken: Offenbar müssen Apps, die die verringerte Audio-Latenz nutzbar machen wollen, auch unter Android L über das NDK (Native Development Kit) und OpenSL ES implementiert sein.

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16 Bit PCM adé: Android L wird Audio intern künftig in Gleitkommazahl-Operationen mischen und in 24 Bit ausgeben

Die Neuerungen haben weitreichende Auswirkungen auf das Android-System. Sie sind jedoch noch nicht finalisiert und offenbar bislang nur teilweise im existierenden Developer Preview von Android L implementiert. Unterm Strich sei man, so das Fazit der Präsentatoren, noch nicht ganz da, wo man hinmöchte – nämlich die von Studiomusikern und Tontechnikern geforderte Latenz von unter 10 Millisekunden. Man habe aber große Schritte voran gemacht. Für uns als Otto-Normal-Nutzer heißt das: Eine höhere Klanqualität von Android-Geräten, die auch audiophile Nutzer zufriedenstellen dürfte und auf lange Sicht bessere Audio-Apps.

[via Android Police]

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