Der neue Android Market: 15 Minuten Unrühmlichkeit [Kommentar]

Frank Ritter
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Das neue 15 Minuten-Zeitfenster zum Testen von gekauften Apps in Googles Android Market ist lachhaft. Ein Redakteur und zugleich ehrlicher App-Käufer regt sich auf.

Der neue Android Market: 15 Minuten Unrühmlichkeit [Kommentar]

Eine Viertelstunde hat man in der neueste Iteration des Android Market Zeit, Apps zu testen. Zuvor lag der Zeitraum bei bequemen 24 Stunden. Nach den 15 Minuten gibt es keine Möglichkeit mehr, eine App zurückzugeben — außer, man kontaktiert den Entwickler direkt. Auch dann ist die Rückgabe eine Frage der Kulanz.

Diese Viertelstunde Unrühmlichkeit ärgert mich maßlos, denn sie geht an der Realität der potentiellen App-Käufer vorbei. Wie Amir schon schrieb: Innerhalb von 15 Minuten ist man nicht in der Lage, die Qualität und korrekte Funktionsweise einer App einzuschätzen. Auch wir als Tester von Apps — und damit als potentielle “Multiplikatoren”, die die Kunde von guten Paid Apps weiterreichen — können nun nicht mehr von der Möglichkeit Gebrauch machen, per Refund unsere “Investitionen” zurückzuerhalten.

Die Aussage der Android-Entwickler, “die meisten Nutzer geben ihre Apps ohnehin innerhalb der ersten 15 Minuten zurück” ist barer Unsinn. Folgt man dieser Logik, wäre das neue Zeitlimit in keiner Weise notwendiger als das 24-Stunden-Limit. Das 24 Stunden-Zeitfenster wurde verhältnismäßig selten ausgereizt, war aber vor allem ein psychologischer Vorteil für App-Käufer unter Android (und nebenbei: Ein Neidfaktor von Seiten der Apple-Nutzer). Wer die Sicherheit hat, dass er Apps innerhalb eines bequemen Zeitrahmens “refunden” lassen kann, für den liegt die Schwelle erheblich niedriger, auf den “Kaufen”-Link zu klicken.

Über den wahren Grund, warum Google das App-Rückgabe-Zeitfenster verringert hat, lässt sich nur spekulieren. Der Grund “Bekämpfung von Softwarepiraterie” fällt alleine deshalb heraus, weil APKs auch innerhalb einer Viertelstunde gerippt werden können und von allen DRM-Schranken befreite APKs heute wie morgen in den Grauzonen des Netzes kursieren werden. Die neue Einschränkung des Testzeitraums trifft ausschließlich ehrliche App-Käufer. Vermutlich haben die “größeren” Entwickler von Android-Apps Druck auf Google ausgeübt, um App-Käufe besser kalkulieren zu können. Nur: Die “Big Player” unter den Entwicklern und Publishern von Android-Apps haben immer noch die Möglichkeit, einen anderen Market mit für sie passenden Konditionen zu nutzen.

Dass Google hier eingeknickt ist — mutmaßlich unter der Prämisse, die App-Ökonomie unter Android zu professionalisieren — zeugt von einer fehlenden Einsicht in die Bedürfnisse der Nutzer. Wenn Google will, dass die Nutzer mehr Apps kaufen, dann soll dieser Multi-Milliarden-Dollar-Megakonzern-und-Internetgigant endlich das immer noch vorhandene Problem der Zombie-Downloads beheben (erst gestern blieb mein Update von KeePassDroid im Downloadprozess bei 100% stecken). Und neue Bezahloptionen neben Google Checkout im Market einführen. Hallo, Google! Der Moment, in dem auch Nicht-Kreditkarten-Besitzer in der Lage sind, Android-Apps zu kaufen, ist der Moment, in dem eure App-Verkäufe in die Höhe schnellen werden. Der Android Market kann auch gelegentliche App-Stornos verkraften — nicht jedoch unzufriedene Nutzer, die momentan beinahe gezwungen werden, Softwarepiraten zu werden.

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