Der Google Play Store und das Problem mit der Schweiz

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Die Verteilung der einzelnen Dienste innerhalb des Google Play Stores (Apps, Musik, Bücher, Filme) sind weltweit ungleich verteilt. Während in Deutschland fast jeder Dienst vorhanden ist (eine Ausnahme sind die Magazine, die noch nicht freigeschaltet sind), sieht es in anderen Staaten ganz anders aus. Unsere Nachbarn in der Schweiz können “nur“ Apps installieren.

Der Google Play Store und das Problem mit der Schweiz

Dies ist ein Gastartikel von Jens Lehman, der bei neuerdings.com schon den einen oder anderen Artikel geschrieben hat.

Tatsächlich ist es so, dass die Schweizer Android-Nutzer sich in bester Gesellschaft mit Peru, dem Senegal, oder der Türkei befinden. Sie alle haben nur einen auf Apps beschränkten Zugriff auf den Play Store. Bei weiteren Diensten wie Play Books oder Play Music sieht es immer noch schlecht aus. In Österreich ist die Situation ähnlich schlecht, wenn man sich das magere Angebot des Play Stores dortzulande ansieht. Obwohl Deutschland, Österreich und die Schweiz allesamt deutschsprachige Länder sind, trennt sie das, was sie im Play Store sehen und nutzen können.

Ebenfalls paradox, dass in Deutschland gekaufte Guthabenkarten für den Play Store nicht einlösbar sind, wenn man ein Google-Konto besitzt und sich als Schweizer oder Österreicher „zu erkennen gibt“. Eine Nachfrage bei Google Schweiz brachte bisher kein Ergebnis, woran es denn liegen könnte, dass noch immer der Schweizer Play Store nur Apps anzeigt. So antwortete die PR-Firma a+o aus Hamburg, die sich um PR-Fragen für den deutschsprachigen Raum kümmert lapidar:

Google Play ist in den meisten Ländern der Welt verfügbar, Nutzer aus über 190 Ländern laden sich darüber Android Apps auf ihre unterschiedlichsten Geräte. Unser Ziel ist es, die vielfältigsten Arten von Inhalten in so vielen Ländern wie möglich anzubieten. Dazu bringen wir kontinuierlich neue Inhalte an den Start und werden dies auch weiterhin tun.

Auch eine erneute Nachfrage direkt bei PR Manager Stefan Keuchel bei Google Deutschland brachte keine weiterführenden Antworten hervor:

Wir arbeiten daran, Google Play in die Schweiz zu bringen. Momentan haben wir jedoch noch nichts anzukünden.

Ein möglicher Grund, wieso Google die Schweiz außen vor lässt, ist die geringe Anzahl an Nutzern. Google selbst hat bisher keine offiziellen Zahlen über die Verbreitung von Android in der Schweiz veröffentlicht. Es existiert aber eine Studie des Schweizer Vergleichsdienstes Comparis. Demnach besitzen 2,9 Millionen Schweizer ein Smartphone. Von diesen entfallen 55 Prozent auf Apples iOS (1,59 Mio. Nutzer) und 36 Prozent (1,04 Mio Nutzer) auf Android. Möglich und wahrscheinlich ist, dass Google im Fall des Schweizer Play Stores kaum Handlungsbedarf sieht, mehr als nur Apps anzubieten, da der Aufwand in keinem Verhältnis zur recht geringen Nutzerschaft steht.

Aufgrund dessen ist es derzeit auch eher unwahrscheinlich, dass sich hieran kurzfristig etwas ändern wird. Dagegen hat sich allerdings schon eine Community in Googles Hauseigenem Netzwerk Google+ gegründet. Die Community „Play Store für die Schweiz“ existiert seit ca. eineinhalb Monaten und setzt sich zum Ziel, dass in absehbarer Zeit mehr Dienste ihren Weg in den Schweizer Play Store finden. Bisher haben sich schon über 1.000 Mitglieder zusammengefunden.

Diese Gruppe bildet allerdings nur 0,1 Prozent aller Android-Nutzer in der Schweiz ab (basierend auf den Zahlen von Comparis) und hat nüchtern betrachtet wenig Aussicht auf einen kurz- bzw. mittelfristigen Erfolg.
Im Text über die Community heißt es unter anderem:

Wir fordern den Play Store für die Schweiz inbegriffen Bücher, Filme, Musik & Hardware Eine Antwort auf die Frage, weshalb es in der Schweiz nicht vorwärts geht Wieso wird auf Anfragen nicht aufschlussreich geantwortet Einen akzeptablen Zeitraum für einen Schweizer Release Termin Eine weiterführende, möglichst lückenlose, Gleichstellung in Bezug auf Play Store wie die USA oder den berücksichtigten EU Staaten.

In der Tat ist es so, dass Google sehr still ist zu diesem Thema. Dabei ist das Unternehmen in der Regel recht dominant und laut, wenn es um die eigenen Interessen geht. So hat Google erst vor nicht allzu langer Zeit eine aufwendige Kampagne gestartet, um seine Nutzer gegen das Leistungsschutzrecht für Presseverlage in Deutschland mobil zu machen. Erfolgsmeldungen werden ebenfalls ganz groß verkündet. Google hat also kein Problem damit, kommunikativ zu sein und Botschaften in die Welt zu lassen.

Ebenfalls versucht der Konzern das Internet zu vielen Menschen mit Ballons zu bringen, die bisher gar keinen oder nur einen sehr unzureichenden Zugang zum Netz besitzen. Dabei ist es paradox, was seit Jahren abläuft zwischen den Android-Nutzern und Google als Anbieter des Play Stores. Nutzer wollen Geld ausgeben für Musik, Bücher und Filme und Google lässt sie nicht. In so einer Position muss man erst einmal sein, um sich so etwas leisten zu können.

Ein Schweizer Nutzer schrieb in einer Diskussion zum Thema, dass er Bekannten und Freunden dazu rät, dass sie lieber ein iPhone kaufen sollten, als ein Android-Gerät, da es außer Apps und Spielen ja keinen Mehrwert gebe. Vollkommen nachvollziehbar bei der aktuellen Situation, in der sich die Eidgenossen da befinden.

Bilder I+II via Shutterstock
bearbeitet von Jens Herforth

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