"Android ist für Piraterie ausgelegt"

Kamal Nicholas
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Des einen Freud ist des anderen Leid. Oftmals leider eine unvermeidbare Tatsache. Hinsichtlich Android scheint dies für manche Entwickler auch der Fall sein, da Android „geradezu für Piraterie ausgelegt“ zu sein scheint.

"Android ist für Piraterie ausgelegt"

Ein sehr interessanter Artikel, der da auf Android Authority erschienen ist. Wer von Euch ein wenig die Entwicklung des Spiels Dead Trigger im Google Play Store verfolgt hat, wird auch mitbekommen haben, dass das Spiel zunächst kostenpflichtig, kurze Zeit später dann auf einmal kostenlos zu haben. Ausschlaggebend für diesen Schritt war für das Entwickler-Team MADFINGER Games die „unglaubliche hohe“ Piraterie, also Nutzer, die sich das Spiel illegal heruntergeladen haben. Und das, obwohl das Spiel hierzulande nur 79 Cent (bzw. 99 US-Cent) gekostet hat.

Klar, umsonst ist halt noch besser, als den raffgierigen Entwicklern die dicke Knete in den ohnehin schon fetten Geldbeutel zu schieben. Aber hier soll es nicht um eine Grundsatzdiskussion gehen, bei der darüber gestritten wird, ob man für manche Sachen einfach auch mal ein wenig Geld ausgeben sollte oder nicht (wie man unter vielen kostenlosen, dafür werbefinanzierten Spielen immer wieder erschreckend lesen muss, gehen ziemlich viele Menschen offenbar davon aus, das man alles geschenkt bekommen soll. Ist das nicht der Fall, ist dies mit möglichst unverständnisvoller Beschwerde über die Ungerechtigkeit der Welt zu vergelten).

Jedenfalls: Nachdem MADFINGER Games sich ein wenig über diese  Tatsache moniert hat, wurde das Spiel kostenlos gemacht. Da hat man sich gedacht: Wenn die Leute sich das schon umsonst besorgen, dann doch lieber gleich von uns. Das Unternehmen hat ja aber auch noch andere Spiele (wie Shadowgun oder Samurai Vengeance II im Angebot, die für Umsatz sorgen).

Die Aussage des Dead Trigger-Entwicklerteams hat nun ein weiterer Entwickler, Matt Gemmell, zur Grundlage genommen, um ein, wenn nicht das Problem der Open Source-Struktur von Android darzulegen: Durch die Offenheit des Betriebssystems wird es Nutzern ganz einfach gemacht, sich illegale Kopien für Ihr Smartphone/Tablet zu besorgen. Und zwar ohne, dass das entsprechende Gerät dazu gerootet, gehackt oder gejailbreakt sein muss. So ist Gemmell der Meinung, dass „das System von Grund auf für Piraterie ausgelegt” ist. “Die Existenz von Piraterie ist keine Überraschung, sondern eine Unvermeidlichkeit“.

Das ist ja alles schön und gut, für Entwickler, die weniger groß sind, kann das aber auch zum echten Problem werden, denn natürlich wollen/müssen diese Leute auch für Ihre Arbeit bezahlt werden. Deshalb ist Gemmell auch der Meinung, dass Open-Source in der Theorie zwar wunderbar ist, die Sache in der Praxis aber doch wesentlich schwieriger aussieht. Hier ein weiterer Kommentar von Matt Gemmell, zum besseren Verständnis übersetzt von mir:

Die Leute müssen bezahlt werden. Es muss ein Einzahlungsstrom existieren. Man kann keinen zuverlässigen Einzahlungsstrom haben, wenn die Plattform und die beschädigte Philosophie dahinter aktiv den Handel sabotiert. Wenn man eine Plattform haben will, die für fremde Software Entwickler kommerziell brauchbar ist, muss es verschlossen werden. Wie im echten Leben, sorgt das Schließen und Verschließen der Tür dafür, dass dein Geld deins bleibt.“

Gemmell fährt fort, das die offene Struktur zwar für Google lukrativ sei, weil das Unernehmen viel Geld mit der in Spielen und auf den Geräten geschalteter Werbung macht, für Entwickler sähe die Angelegenheit aber weniger gut aus. Entsprechend der Devise „nichts ist umsonst“ wäre Android, wie eben auch Apples iOS einträglicher für die Entwickler, wenn es verschlossen wäre. Denn, so Gemmell: “Piraterie ist kein Symptom sozialer Krankheit Piraterie ist das Symptom des Scheiterns auf der Suche nach einem effektiven Geschäftsmodell”. Der Diebstahl an kostenpflichtiger Software, wie es bei Android der Fall ist, liegt laut Gemmell also vor allem daran, dass er so einfach einfach ist.

Ich bin persönlich nun kein Entwickler und kenne auch niemanden, der bisher eine wirklich erfolgreiche App entwicklet hat. Münzt man das Prinzip auf die Musikindustrie um (da ich selbst Musik mache, kann ich das besser nachvollziehen) muss ich Gemmell zumindest in manchen Punkten recht geben. Aber auch nicht in allem. Aber mich interessiert natürlich sehr, wie das tatsächlich für App-Entwickler ist und selbstverständlich auch, wie Ihr die Sache seht. Seid Ihr selbst Entwickler? Kennt Ihr jemanden, der aus eigener Erfahrung sprechen kann? Was haltet Ihr von Gemmells Aussage? Ist die Open-Source-Struktur von Android wirklich „schlecht“ für Entwickler? Ich bin gespannt auf Eure Kommentare

Quelle: Matt Gemmell via Android Authority, Bildquelle: Pirates of the Art

 

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