Android: Wenn Spiele Root-Rechte fordern (Kommentar)

Steffen Pochanke
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Vor zwei Tagen stellte Jens das Spiel Dark Avenger für Android vor und kurz darauf erreichten uns erste Rückmeldungen darüber, dass das Spiel während dem Start auf gerooteten Geräten SuperUser-Rechte anfordert. Auf nicht-gerooteten Geräten läuft das Spiel wie gewohnt. Dark Avenger wird vom Play Store Top-Entwickler GAMEVIL programmiert und wurde bereits millionenfach heruntergeladen.

Android: Wenn Spiele Root-Rechte fordern (Kommentar)

In der App-Beschreibung lies sich kein Hinweis auf den Machthunger der App finden und erst ein Blick in die FAQ auf der Herstellerseite gab etwas Aufschluss:

GAMEVIL

Dass die eigenen Apps Root-Zugriff möchten, scheint bei GAMEVIL normal zu sein, denn auch bei anderen Spielen dieses Programmierers tritt dieses Verhalten auf. Laut GAMEVIL werden Root-Zugriffe benötigt, um In-Game-Piraterie und Hacks zu vermeiden. Ich habe mir nun zwei Tage lang über diese Politik Gedanken gemacht und mir haben sich einige Fragen gestellt:

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Sollten Spiele Root-Rechte benötigen?

Nutzer mit gerooteten Geräten haben die komplette Kontrolle über ihr Android-System und können Systemdateien manipulieren. Dass sie sich auf diese Art und Weise Gold, Mana oder was auch immer cheaten können, ist den Entwicklern definitiv bekannt und deshalb wirken sie dem auch entgegen. Klar, mit Dark Avenger verdienen die Entwickler durch In-App-Käufe Geld. Wenn diese durch Hacks wegfallen, kann das Studio, um es einmal übertrieben darzustellen, irgendwann dichtmachen.

Dark Avenger

Aber ist Root die richtige Lösung des Problems? Nein, wahrscheinlich nicht. Auch wenn es sich um einen vertrauenswürdigen Top-Entwickler handelt, der einen Ruf zu verlieren hat, Root ist nicht der richtige Weg, um mit falsch handelnden Nutzern umzugehen. Denn theoretisch existiert der Root-Zugriff unter Android nicht. Der Nutzer hat normalerweise keinen Zugriff auf geschützte Systembereiche und jede App, die installiert wird, muss angeben, worauf sie zugreifen möchte. Root macht dieses Prinzip zunichte. Der Nutzer und jede App mit Root-Zugriff können unkontrolliert handeln.

Ja, es gibt trotzdem zahlreiche Root-Apps und viele Nutzer besitzen ein gerootetes Gerät. Jedoch gehört bei diesen Apps Root zur Funktionsvoraussetzung, ohne die beispielsweise ein Titanium Backup keine Apps sichern könnte. Wenn jetzt aber Spiele und andere Apps, die nichts im System zu suchen haben, Root-Rechte möchten, wenn man sie auf einem gerooteten Gerät installiert, dann können wir die Rechteverwaltung gleich über Bord werfen.

Root ist wohl für viele Entwickler von Free-To-Play-Titeln ein Ärgernis, aber es muss doch auch anders gehen, um Cheaten vorbeugen zu können. Vor allem bei einem Always-On- und Online-Spiel wie Dark Avenger sollte ein wirksamer Schutz irgendwie zu realisieren sein. Ist es das nicht, dann muss sich dringend etwas ändern, denn Root ist aus Android nicht mehr wegzudenken. Da führt uns auch gleich zur nächsten Frage:

Ist Root mittlerweile normal?

Wenn sich bereits Entwickler von Spielen mit Root-Nutzern auseinandersetzen müssen, wirft das die Frage auf, wie verbreitet Root eigentlich ist. Genaue Zahlen darüber gibt es natürlich nicht, aber betrachtet man sich die Statistiken einiger Custom Roms, so wird klar, dass die Zahl der gerooteten Geräte in den letzten Jahren stark zugenommen hat. Alleine CyanogenMod zählt mittlerweile über 5,5 Millionen Installationen. Und diese Zahl ist nur ein sehr kleines Stück vom Kuchen derjenigen, die Root auf ihren Geräten genießen.

Zurück zum Thema: Root ist mittlerweile ein Massenphänomen. So gut es aber auch ist und so viel wir davon profitieren, eigentlich ist Android nicht darauf ausgelegt, dass Nutzer und Apps Zugriff auf das System haben. Ich will nicht sagen, dass die Verbreitung von Root schlecht ist, definitiv nicht. Ich frage mich nur, inwiefern Root Android noch verändern wird.

Wie wir oben gesehen haben, müssen Nutzer und Entwickler neue Wege finden, um mit der Macht/Gefahr von Root fertig zu werden. Der Entwickler Koushik Dutta beispielsweise fordert, dass Apps angeben müssen, dass sie Root-Rechte fordern, so wie sie angeben müssen, dass sie SMS senden oder Anrufe absetzen können. Root wäre damit stärker in das App-Rechte-System integriert und transparenter, als es bisher der Fall war.

SuperUser

Denn bei Dark Avenger stört vor allem die fehlende Transparenz: nirgendwo wird erklärt dass die App Root-Zugriff fordert und warum sie es tut. Der Nutzer wird alleine gelassen und fragt sich, ob die App Schaden anrichtet. Das sollte nicht der Fall sein. Ich bin gespannt, wie sich dieses Thema weiterentwickelt, denn mittlerweile ist Root-Zugriff aus Android nicht mehr wegzudenken.

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