Äthiopische Kinder lernen mit Tablet Englisch und hacken das System

von

Ihr lest richtig. Zwischen all unseren Erste-Welt-Problemen findet sich auch mal schwierige Kost in unseren Artikeln wieder. Äthiopien. Viele haben nie irgendetwas gelernt. Ein Großteil kann weder Lesen, noch schreiben oder hat jemals ein geschriebenes Wort gesehen.

Äthiopische Kinder lernen mit Tablet Englisch und hacken das System

Kennt ihr dieses “Ein Laptop pro Kind” (OLPC) Projekt? Motorola hat zu dieser Aktion 1.000 Motorola Xoom Tablets an zwei örtliche Dörfer mit wenig/ar keiner Infrastruktur/Bildungsmöglichkeiten vergeben. Das Ergebnis nach 5 Monaten war erstaunlich und hat mir ein wenig Gänsehaut bereitet.

OLPC hat in den letzten 6 Jahren vieles gelernt, vor allem aber eines erkannt: Was wir diesen Kindern beibringen können, ist für diese weniger wertvoll als gedacht. Hauptstädte, die korrekte Aussprache von Wörtern oder wie man sich an Prozesse und Fakten erinnert, wird diese Menschen nicht dazu bringen weiter zu lernen und anderen diese Dinge beizubringen. OLPC hat daher dieses Projekt gestartet, 1.000 Tablets mit Motorola nach Äthiopien geschifft und die Kids nach 5 Monaten ohne weitere Hilfestellungen wieder besucht. Das Ergebnis war verblüffend.

“Some idiot in our organization or in the Media Lab had disabled the camera,
and they figured out the camera, and had hacked Android.“

Wie Kinder sich selbst lehren

Man ging davon aus, dass die Kinder die meiste Zeit eher mit den Kisten, als mit dem Inhalt spielen würden. Stattdessen habe ein Kind schon in den ersten 5 Minuten ein Paket ausgepackt und am Tablet (gewollt oder ungewollt) den Power Knopf gedrückt. Wohlgemerkt: Diese Kinder wussten gar nicht, was ein “Power-Button” ist, sie wissen wahrscheinlich nicht einmal was Glas ist und dass sich in diesen Geräten ein Prozessor und ein Betriebssystem von Google befindet. Sie wissen nicht mal, dass sie Strom brauchen oder was das überhaupt ist. Sie wissen nur, wenn das Gerät aus ist, soll man es an dieses Sonnen-Ding (mitgeliefertes Solar-Ladegerät) stecken und nach einer gewissen Zeit läuft es wieder.

Einmal pro Woche kam ein Techniker und tauschte die Speicherkarten aus, damit man den aktuellen Fortschritt und die Gerätenutzung auslesen kann. Nach 5 Tagen wurden  schon 47 Apps pro Kind genutzt, und zwar pro Tag! Nach einigen Monaten konnte man die kontinuierliche Nutzung der Geräte klar erkennen. Die Ladezyklen waren stetig und einige Kinder haben ABC-Lieder gesungen. Ein Junge malte sogar in einem Paint Programm das Wort “Lion”. Ein Entwickler hatte wohl ungewollt die Kamera der Tablets deaktiviert, die Kinder hatten Android nach 5 Monaten “gehackt” und die Kamera aktiviert.

Interessant: Jedes Kind hatte einen komplett auf sich selbst zugeschnittenen Homescreen. Die OLPC’s hatten diese Möglichkeit mit eigener Software verhindern wollen, die Kids hatten diese Hürde aber gehackt. Wenn man den Menschen keine Möglichkeiten geben kann Bildung durch Schulen und Lehrern zu erhalten, dann müssen eben die Werkzeuge dafür herhalten. Und diese scheinen auch mehr als auszureichen.

Leider wird in den Quellen nicht genau beschrieben, wie die Kinder “camera hacks” oder den eingeschränkten Desktop-Zugang durchgeführt haben, Internet hatten sie jedenfalls nicht. Alle Tablets kamen mit einer großen Anzahl an vorinstallierten Apps. Ich finde diese Entwicklung erstaunlich und hoffe sehr, dass diese Projekte weiterhin Spender finden wird.

 

Quelle: technologyreview via dvice

Nichts mehr verpassen? Dann folge GIGA Android bei Facebook, Google+ oder Twitter!


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA ANDROID

Anzeige
GIGA Marktplatz