Falcon Pro: Twitter Token-Limit und App-Piraterie

Einige Twitter-User unter Euch werden es bereits mitbekommen haben: der beliebte Twitter-Client Falcon Pro hat sein Token-Limit erreicht. Was das bedeutet und was das über die User der App aussagt, möchte ich hier kurz zusammenfassen.

Falcon Pro: Twitter Token-Limit und App-Piraterie

Was ist das Token-Limit?

Alles hat mit der Twitter API 1.1 begonnen. Durch diese wurde eine Limitierung eingeführt, die dafür sorgt, dass nachdem eine Drittanbieter Twitter-App 100.000 Nutzer erreicht, keine weiteren Nutzer ihren Twitter-Account in der App registrieren können.

Das bedeutet grundsätzlich erst einmal, dass es für App-Entwickler unattraktiv wird, eigene Twitter-Apps zu schreiben. Denn werden diese irgendwann “zu beliebt”, können keine neuen Nutzer die App nutzen. In einem App-Ökosystem wie dem Play Store führt das dann natürlich zu zahlreichen Negativbewertungen, da neuen Nutzern eine aus ihrer Sicht nicht funktionierende App präsentiert wird. Genauso ist es mit dem kostpflichtigen Twitter-Client Falcon Pro geschehen.

Warum macht Twitter das, ist die Frage, die schnell aufkommt. Twitter möchte natürlich Geld verdienen und fügt in seinem eigenen Twitter-Client immer mal wieder Werbetweets ein.

Bei Drittanbieter-Clients kann Twitter das anscheinend nicht, weshalb jeder User, der nicht die hauseigene Twitter-App nutzt, nicht verdientes Geld bedeutet. Zu dem Token-Limit kommen noch weitere Einschränkungen für Drittanwendungen. So kann die Timeline beispielsweise nicht unbegrenzt oft in kurzer Zeit aktualisiert werden.

Twitter selbst erhöht im Einzelfall auch das Token-Limit einer App, wenn diese “Features hat, die die Standard-App nicht bietet”. Was genau das bedeuten soll, ist Auslegungssache. Aber wenn man sieht, dass dem Falcon Pro-Entwickler mitgeteilt wurde, dass sein Limit nicht erhöht werde, da seine App “keine neuen Features” für die Nutzer bereithält, merkt man, dass Twitter die Drittanbieter-Clients aus dem Weg haben möchte.

Das Problem mit der App-Piraterie

Der Falcon Pro-Entwickler hat seinen Twitter-Client erst nach der Einführung der API 1.1 entwickelt. Ihm war also sehr wohl bewusst, dass das Token-Limit existiert. Jedoch erreichte der Client die 100.000er-Marke weitaus schneller als gedacht und er war darauf absolut unvorbereitet. Leider nicht, weil so viele die App gekauft haben, sondern weil sie so oft gestohlen wurde.

Falcon Pro wird im Play Store und im AndroidPit-AppStore angeboten. Im Play Store wurde die App 40.000 mal gekauft, im AndroidPit-Store wesentlich seltener. Das macht deutlich, dass ungefähr 50% aller Falcon Pro Installationen illegal sind. (Laut Entwickler bedeutet das Verwalten mehrerer Accounts in der App nicht, dass mehrere Tokens benötigt werden) Und das bei einer App, die nicht einmal einen Euro kostet und ihr Geld definitiv wert ist, da der Entwickler mit Herz und Seele bei der Sache ist.

Ein kurzer Suchtest bei Google: Gibt man in die Suchleiste “Falcon Pro” ein ist der erste Vorschlag “Falcon Pro APK”. Wäre in den letzten Tagen nicht so viel über die App berichtet worden, so würden sich die ersten illegalen App-Downloads nicht auf Seite 4 der Suchergebnisse nach dem Twitter-Client befinden, sondern bestimmt bereits auf Seite 2 oder 1.

Schlimm für den Entwickler ist nicht nur, dass ihm durch die illegalen Installationen mehrere tausend Euro entgangen sind, er kann diese nun auch nicht mehr durch legale Installationen verdienen. Wer sich jetzt die App kauft, wirft sein Geld zum Fenster heraus, da die App für neue Benutzer nicht funktioniert.

Damit die ehrlichen Käufer wenigstens weiterhin mit Updates versorgt werden können und (hoffentlich) niemand mehr die App kauft, hat der Entwickler einen Hinweis in die App-Store-Beschreibungen eingefügt und den Preis der App auf 100€ erhöht.

Abgesehen von dem Verhalten seitens Twitter, das aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten immerhin nachvollziehbar ist, ist das Ausmaß der Piraterie unglaublich. 0,79€ für eine mehr als gelungene und in Unmengen an Stunden programmierte App zu bezahlen, sollte wirklich niemanden davon abschrecken, die App zu kaufen. Und selbst wer abgeschreckt wurde, kann immerhin noch auf die offizielle Twitter-App oder bei mangelnder Kreditkarte auf den AndroidPit-Store mit PayPal als Bezahlungsmethode zurückgreifen.

Wer sich das alles bis hierhin durchgelesen hat und dem Entwickler helfen möchte, kann eine Petition an Twitter unterschreiben, in der um mehr Tokens gebeten wird. Auch werden Nutzer, die die App nicht mehr aktiv nutzen gebeten, Ihr Token in den Twitter-Einstellungen freizugeben.

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