Kommerzieller Cyborg: Kakerlaken über das Smartphone steuern

Steffen Pochanke
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Hobby-Neurologen aufgepasst: Mit dem RoboRoach habt Ihr die Möglichkeit, ein lebendiges Insekt über das Smartphone zu steuern. Ihr entscheidet, wohin die Reise geht: links, rechts, vor, zurück, ins Leben oder in den Tod.

Kommerzieller Cyborg: Kakerlaken über das Smartphone steuern

Genau diese Möglichkeit bietet das RoboRoach-Kit, das über KickStarter finanziert werden kann. Enthalten sind ein wiederbenutzbares Backpack (per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden), drei Elektroden für insgesamt drei Versuchstiere und eine Batterie.

Wie funktioniert das Ganze? Nach dem Erhalt des Kits muss der Nutzer eine Schabe einer kurzen Operation (unter Narkose) unterziehen, die Drähte der Elektroden in den Antennen platzieren und das Backpack auf dem Rücken anbringen.

RoboRoach

Schaben nutzen ihre Antennen, um herauszufinden, ob vor ihnen eine Wand liegt. Dazu senden die Neuronen in den Antennen kleine Elektrosignale, die hier vom Backpack simuliert und direkt über die Elektroden an das Gehirn geleitet werden. Nach einem Tippen auf das Smartphone, denkt die Schabe, dass sich in ihrer Nähe eine Wand befindet und bewegt sich von der ausgewählten Richtung weg.

Wozu das Ganze? Wie gesagt, anscheinend soll das Projekt Hobby-Neurologen ansprechen. Die Initiatoren des Projekts nennen verschiedene Aspekte, die der Nutzer lernt:

  • Reaktion des Gehirns auf Stimulation von Sensoren
  • Lernprozesse des Gehirns (nach einiger Zeit wird die Schabe nicht mehr auf die Mikrostimulation reagieren, da sich das Gehirn anpasst)
  • Austesten verschiedener Stimulationsfrequenzen
  • Wie reagiert die Schabe auf den Random-Mode, der zufällig Signale sendet
Während zahlreich iOS-Geräte mit dem RoboRoach kompatibel sind, scheint unter den Android-Geräten bisher nur das Motorola RAZR M unterstützt zu werden.
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Meine Meinung zu dem Projekt

Kickstarter ist definitiv nicht der richtige Ort für solch ein Projekt. Natürlich ist es im Bereich der Wissenschaft völlig normal und üblich, dass auf solche Art und Weise Tiere und Gehirne erforscht und gesteuert werden. Und da liegt meiner Meinung nach der springende Punkt: Lebendige Wesen fernzusteuern mag wissenschaftliche Erkenntnisse bergen und uns in der Forschung voran bringen, und für jemanden, der sich mit diesem Thema intensiv auseinandergesetzt hat und daran interessiert ist, mag dieses Projekt ein Segen sein.
ABER: Cyborgs sollten nicht zu einem Massenprodukt degradiert werden. Der Normalmensch hat nicht das nötige Wissen darüber, was er da eigentlich macht und vor allem wozu. Ein Random-Mode und eine Stimulations-Dauer von bis zu 1000 Sekunden sind für die Tiere bestimmt keine Freude. Sollen wir demnächst in den Laden laufen und massenweise RoboRoach-Kits kaufen, um dann Tiere zu verstümmeln, damit wir mit ihnen spielen, wie mit ferngesteuerten Autos?  Meiner Meinung nach nicht. Solche Technik sollte nur denen zugänglich gemacht werden, die wissen, was sie damit tun und sie nicht missbrauchen. Ich befürchte aber viel eher, dass durch die Finanzierung dieser Idee über Kickstarter, Cyborgs von wissenschaftlichen Forschungsobjekten zu Spielzeugen degradiert werden. Das ist meiner Meinung nach nicht der richtige Weg. Wie steht Ihr dazu?

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