NSA-Code in Android und alle so: Panik!

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So, jetzt ist es raus: Die NSA trägt mit eigenem Code zu Android bei. Eine Neuigkeit ist das aber überhaupt nicht. 

NSA-Code in Android und alle so: Panik!

Darum geht es

Im Detail geht es um Sicherheitsverbesserungen, die mit Unterstützung der NSA für Android entwickelt und Google zur Übernahme in den Android-Quellcode vorgeschlagen wurden. Eines dieser Sicherheitsfeatures ist SELinux, das im Android-Kernel und System vieler Android 4.2-Geräte, wie dem Galaxy S4, gefunden werden kann. SELinux führt ein erweitertes Rechtesystem auf Kernelbasis in Android ein, das je nach Einstellung die Rechte von Apps mehr oder weniger stark beschneidet. Damit sollen die Daten der Nutzer geschützt werden.

Ab Android 4.2 können die Hersteller selbst entscheiden, ob sie SELinux aktivieren und nutzen. Auf dem Samsung Galaxy S4 lässt sich in den Telefoninfos sehen, dass die Restriktionsstufe auf “Moderat” gestellt ist.

Galaxy S4 SE Linux

Vor ca. 1,5 Jahren vermeldete die NSA in Zusammenarbeit mit einigen Entwicklern die erfolgreiche Portierung von SELinux auf Android. Vorher war das Sicherheitssystem bereits jahrelang unter Linux zum Einsatz gekommen, denn bereits seit 2003 befindet sich der Code laut Wikipedia standardmäßig im Linux-Kernel. Aktiviert ist er dort aber nicht und viele Distributionen wie Ubuntu müssen die systemseitige Unterstützung des Features über Pakete nachinstallieren.

Laut NSA-Sprechern dienen diese Features nur zur Sicherheitsverbesserung für den Nutzer, aber nicht dazu, diese auszuspionieren. Bei Google verweist man darauf, dass der gesamte Android-Code frei einsehbar sei, auch der Teil, der mit Hilfe der NSA entstanden sei.

Nicht neu, aber doch unheimlich

Ja, es ist unheimlich und nein, ich möchte auch nicht, dass irgendeine Behörde meine Daten ausspioniert (obwohl sie das bekannterweise tut). Wer weiß in wie vielen proprietären und nicht quelloffenen Programmen Hintertüren für NSA und Co. stecken und wo die NSA noch ihre Finger im Spiel hat.

national-security-agency-nsa

Die Quelloffenheit von Android hilft da auch nur wenig. Komplexe Programme lassen sich nur schwer in undokumentiertem Code nachvollziehen. Wer sich durch den Android-Quellcode wühlen möchte, weil er nach einer NSA-Backdoor sucht, der nimmt sich viel vor. Und dann kommt noch dazu, dass nur sehr wenige Android-Geräte mit AOSP-Android laufen. Theoretisch könnte jeder Hersteller eigenständig und unbemerkt eine Backdoor einbauen.

Ich kann nicht sagen, ob die NSA Android-Geräte direkt über die Android-Software ausspioniert. Man fokussiert sich medial nun eben auf Android, weil die NSA hier offiziell ihre Finger im Spiel hat. Ein Grund dafür, anzunehmen, dass es hier doch mit rechten Dingen zugehen könnte. Nach all dem, was wir in den letzten Tagen und Wochen gehört haben, wäre es aber auch nicht überraschend, wenn das Gegenteil der Fall wäre.

Und es interessiert fast niemanden

Was mich aber vorrangig stört ist, dass hier von den Medien ständig ein neues Fass aufgemacht wird, da sich damit das inhaltliche Sommerloch im so wunderbar überbrücken lässt. Neuigkeiten zur NSA? Klar, gleich mal einen Artikel mit beispielsweise der Überschrift “NSA spioniert 75 Prozent aller Android-Handys aus” (Quelle) schreiben. Vor einem Jahr lautete ein Titel zum Code-Beitrag durch die NSA noch “NSA verbessert Android-Sicherheit” (Quelle).

Jeden Tag eine neue NSA-Meldung: Hier wird Post mitgelesen, dort kooperieren deutsche Unternehmen mit der NSA und so weiter. Aber am Ende interessiert es fast niemanden, was mit den eigenen Daten geschieht. Nach jeder Schicksalsmeldung über NSA-Verbrechen gegen die Privatsphäre entbrennt ein kurzes Wutfeuer in Kommentaren und den sozialen Netzwerken. Und dann? Nichts dann. Einige wenige gehen auf die Straße und protestieren, wie bei der “Yes We Scan!”-Demo anlässlich des Berlin-Besuchs von Barack Obama.

Der Protest wird im Sand verlaufen, sobald die Medien nicht mehr täglich darüber berichten. Und die NSA und andere Organisationen? Die machen weiter, wie bisher. Gibt es überhaupt noch etwas, das wir tun können?


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