Octa-Core: Brauchen wir wirklich acht Kerne? (Kommentar)

Johannes Kneussel
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Anfang des Jahres hat Samsung ja den Exynos 5410-Prozessor vorgestellt. Beworben wurde er als Acht-Kern-Prozessor, was sich dann in der Realität als nicht ganz zutreffend herausstellte, da immer nur vier Kerne gleichzeitig aktiv sein können (entweder die langsamen A7-Kerne oder die schnellen A15-Kerne). Jetzt ist es aber soweit, dass Samsung die Architektur upgraden will, um es zu ermöglichen, alle acht Kerne auf einmal zu nutzen. Darüber hinaus hat auch MediaTek kürzlich die erste “echte” Acht-Kern-Architektur angekündigt. Nur: Brauchen wir das überhaupt?

Octa-Core: Brauchen wir wirklich acht Kerne? (Kommentar)

Zunächst einmal hören sich die (theoretischen) Vorteile einer Acht-Kern-Architektur ja sehr nett an:

  • Multitasking kann deutlich beschleunigt werden: Dies kennen die meisten von Euch ja sicherlich schon von Desktop- und Laptoprechnern. Hier hat sich das System soweit durchgesetzt, dass vier Kerne oftmals von großem Vorteil sind.
  • Tagtägliche Aufgaben, die das Handy zu erledigen hat, verbrauchen weniger Strom. Das liegt daran, dass ein aktiver, hochgetakteter Prozessor (mit einem Kern) logischerweise mehr Strom frisst als ein nicht so hochgetakteter Prozessorkern (während seine Geschwister “schlafen”).

Jetzt ist natürlich die Frage, ob wir wirklich so viel Prozessorpower (oder genauer Multitaskingpower) brauchen. Seien wir mal ehrlich, alle aktuellen Flaggschiffe der namhaften Hersteller haben so viel Power, wie man überhaupt nur brauchen könnte. Gleichzeitig muss man aber bedenken, dass Smartphones ganz andere “Ansprüche” haben, als uns momentan noch wirklich bewusst ist.

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Da geht noch mehr!

Natürlich, man kann mit ihnen momentan alles ausführen, was man sich überhaupt aufs Smartphone hauen kann. Aber das ist (in meinen Augen) viel zu kurz gedacht. Man muss sich einfach überlegen, wo Smartphones wirklich einmal “hinwollen”. Und das dürfte im Endeffekt ein Ersatz sämtlicher anderer Computer im Haushalt sein. Schon jetzt tendieren sie ja dazu, viele Geräte in einem zusammenzufassen (seien es Kamera, Organizer oder Ähnliche).

In ein paar Jahren werden wir keinen Desktop-Computer mehr brauchen, da Smartphones so leistungsstark sind. Eine Konsole? Pff… ich nehme mein Smartphone als Konsole und Controller in einem. Diese Möglichkeiten wird es aber logischerweise erst geben, wenn die Grundlagen dafür geschaffen sind. Und das bedeutet auch ordentlich Rechenkraft. Das Einzige, was wirklich noch übrig bleiben wird, ist die Peripherie.  Denn einen großen Monitor oder eine Tastatur wird ein Handset nicht so schnell ersetzen können.

Zukunftsmusik?

Das ist jetzt natürlich nur meine ganz persönliche Zukunftsidee. Bevor so etwas möglich ist, müssen noch einige technische Hürden überwunden werden:

  • Die Anwendungen müssten stark angepasst werden. Vor allem bei Spielen kennt man es ja, dass sie auf Prozessoren mit zwei Kernen oftmals besser laufen als auf solchen mit vier.
  • Mehr Kerne führen automatisch zu mehr Transistoren, mehr Prozessorfläche. Das bedeutet mehr Hitze und mehr Energieverbrauch.
  • Für die Hersteller ist die Produktion dann natürlich auch entsprechend teurer.
  • Klar, mehr Power heißt mehr Energieverbrauch. Da die Entwicklung im Akku-Bereich (noch?) nicht mithalten kann, müssen Samsung und MediaTek Kompromisse eingehen (Stichwort big.LITTLE).

Diese Argumente dürften auch der Grund dafür sein, dass die Hersteller es mit dieser Technologie nicht furchtbar eilig haben. Klar, sie sind theoretisch schneller, aber die Kosten dafür und der höhere Energieverbrauch stehen (noch?) in keinem Verhältnis.

Es wird also noch einige Zeit dauern und einige technologische Schritte erfordern (zum Beispiel kleinere Herstellungsprozesse), bis wir Octa-Cores wirklich im Alltag sehen werden. Generell befinde ICH mich aber in freudiger Erwartung darauf, was uns die nächsten Jahre in dieser Richtung noch alles bringen werden.

Quelle

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