„Mac App Store kann man negativ betrachten, bringt aber nix.“

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„Therapie gegen die Angst vorm weißen Blatt“ – Die Mac-Textverarbeitung Ulysses ist seit kurzem deutlich günstiger als bisher in der Version 2.0.5 erhältlich. Dabei hat die deutsche Entwicklerschmiede The Soulmen ihren Vertriebskanal auf Apples Mac App Store umgestellt. Erkenntnisse: Upgrades gibt es nicht mehr, strukturiertes Arbeiten ist notwendig, und: Apples Onlineshop ist die Zukunft.

Die Single-Version-Philosophie des Mac App Stores
23,99 Euro kostet Ulysses im Mac App Store – 2009 mussten Nutzer für die Standardlizenz noch fast das Doppelte auf den Tisch legen. Gut, die Version 2 ist nicht mehr ganz neu auf dem Markt. Erhoffen sich die Entwickler, den niedrigeren Verkaufspreis durch höhere Verkäufe aufzufangen? „Nein, darum geht es überhaupt nicht“, sagt Marcus Fehn, Creative Director der Entwicklerschmide The Soulmen. „Der ‚niedrige Preis‘ von 23,99 Euro ist nichts weiter als unser Standard-Upgradepreis. Der App Store bietet ja keinerlei Möglichkeit, von einer Version auf eine andere zu wechseln, und zwar ganz gleich ob von 2.0 auf 3.0 oder von pre App Store Varianten auf die App Store Installation oder von Konkurrenzprodukten via Cross-Grade.“

Die Entwickler blickten auf die Konkurrenz, nicht zuletzt Apples iWork Programme und fanden für sich die simple Lösung: „Es gibt schlicht keine Upgrades mehr, nur noch Vollversionen, dafür jeweils zu einem Upgrade-ähnlichen Preis“, erklärt Fehn. Er nennt es „Single-Version-Philosophie“.

Dank Apple Konzentration auf das Wesentliche
Die Erfahrungen der Entwicklerschmiede sind „alles in allem gut“. „Aber“, wirft Fehn ein, „wir sind auch offen an den Store herangegangen und haben ihn als das akzeptiert, was er ist: die Zukunft.“ Bislang sehen sie ihre Entscheidung, komplett auf Apples Vertriebsplattform zu wechseln, als die richtige Entscheidung an – nicht unbedingt wegen der Verkaufszahlen, sondern aufgrund des Systems: „So können wir uns beispielsweise voll und ganz um unsere Programme kümmern, während Apple den Verkauf erledigt; der Review-Prozess zwingt uns zu strukturierterem Arbeiten, und die zusätzliche Kontrollinstanz verhindert (hoffentlich) ärgerliche Nach-Update-Updates“, erläutert der Entwickler von Ulysses. Die Nutzer seien ebenfalls besser dran, weil sie einen einzigen Ort für ihre Apps haben und sich nicht mit Seriennummern und .dmgs und In-App-Updates herumschlagen müssen.

Die negativen Seiten des Mac App Stores – Vorschriften, Zulassungsprozess, Provisionszahlungen, Abhängigkeiten – hat er offensichtlich im Ohr: „Das kann man alles auch negativ betrachten, bringt aber nix. ;)“

Ulysses 2.0.5 – nicht für jedermann
„Etwas vergleichbares gibt es immer noch nicht“ behauptet die Beschreibung der Software. Was ist das Alleinstellungsmerkmal von Ulysses? „Vermutlich die Radikalität der Trennung von Input und Output. Unser Ansatz der semantischen Textverarbeitung mag ähnlich dem von Markdown unter anderem sein, aber wir lassen dem User völlig freie Hand beim Verwenden der Tags. Er muss also keine Sprache, keine Syntax lernen, er kann sich seine eigene basteln. Er kann ‚//’ für Headlines oder Kommentare verwenden, ‚**‘ zum Hervorheben oder Durchstreichen – sein Ding.”

Ulysses werde dadurch unendlich flexibel und bietet gleichzeitig die Möglichkeit zu extrem minimalistischen Arbeiten. Gewöhnungsbedürftig ist die Anwendung also durchaus, und selbst Fehn gibt zu: „Sicherlich nicht für Jedermann“.

Wer es ausprobieren möchte: Eine Testversion von Ulysses gibt es auf der Webseite der Entwickler. “Ob als Blogger, Dichter oder erfolgreicher Roman-Autor: Ulysses 2.0 ist das *ultimative* Werkzeug, das alle Wünsche des kreativen Schreibens erfüllt” – so die offizielle Produktbeschreibung.

Acht Jahre ist The Soulmen dem Konzept treu, und sieht sich als Vorreiter: „Scrivener, WriteRoom und wie sie alle heißen, wären ohne Ulysses so entweder nicht oder später entstanden”, glaubt Fehn. “Pages hätte vermutlich immer noch keinen Fullscreen-Mode.“

10,4 Megabyte Download im Mac App Store – mindestens Mac OS X 10.6.6 – deutsch – 23,99 Euro

Weitere Themen: Mac App Store, AppKack der Woche: Die schlechtesten Mobile Games, Apple


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