Adobe, Microsoft und Co. nicht im Mac App Store

Rifkin Zaroc

Die meisten Nutzer erwarten den Start sehnsüchtig, viele Entwickler kleinerer Programme ebenfalls: Der Mac App Store öffnet einen neuen Weg für den bequemen Bezug von Software. Adobe, Microsoft und andere werden dem neuen Online-Shop jedoch vorerst fern bleiben, äußerten sie gegenüber macmagazin.de.

apps-bleiben-draussen_488x368

In wenigen Tagen öffnet der Mac App Store seine Pforten. Wie beim bekannten iTunes App Store* für iPhone-, iPod touch und iPad-Anwendungen wird es dann, wahrscheinlich verbunden mit einem Betriebssystem-Update, ein neues App Store-Programm geben, in dem ausschließlich Mac OS X Software angeboten wird. App, das ist neudeutsch für Programm, bzw. der ungekrönte Kandidat für das Wort des Jahres 2010 – vielleicht wird es auch “Wutbürger“. Es könnte aber auch sein, dass sich App als gleichbedeutend für “kleines“ Programm oder “Progrämmchen“ einbürgert. Denn mit dem neuen Store, der sich wie iTunes mit einem Symbol im Dock von Mac OS X einfügen wird, haben die Nutzer zwar direkten und komfortablen Zugriff auf Beschreibungen, Bewertungen und Downloads von Programmen, aber eben nur kleinen Programmen. Große Programme, wie die Office:mac 2011-Suite von Microsoft*, die Programme der Creation Suite von Adobe* wie Photoshop InDesign, Illustrator, Lightroom etc. und Business-Programme wie Warenwirtschaftssysteme wie MonkeyOffice und Topix:8 werden darin nicht zu finden sein – vorerst.

Wo die Grenze zwischen großen und kleinen Programmen sein wird, ob sie bei Hunderten von Megabytes oder darunter liegt, ist nicht klar. Fakt ist nur, dass viele der großen “Marken“ nicht im neuen Shop vertreten sein werden, auch wenn für sie die gleichen Vorteile gelten könnten, von denen sich auch die “kleinen“ Entwickler mehr Erfolg und mehr Nähe zum Kunden versprechen: Einfache Auswahl, bequemer Kauf und Installation, automatische Updates und erneute Installation bereits gekaufter Programme.

app-store_2

Software mieten statt kaufen

Die Gründe für das Ausbleiben der Großen liegen jedoch nicht in der reinen Größe. Der Online-Bezug der Software bedingt nicht die Beschränkung auf kleine Programme. Mit “klein“ sind hier Programme mit einer jeweils weniger als hundert Megabyte großen Installationsdatei gemeint. Mac OS X-Betriebssystem-Upgrades sind auch schon mal mehrere Gigabyte groß und werden dennoch per Download über die DSL-Leitung oder Kabel bezogen, Adobe, Microsoft und Co. bieten ihre umfangreichen Lösungen trotz gigabyte-großer Installationsdateien selbst als Demo zum Download an. Größe ist in der Zeit der breitbandigen Verbindungen kein Hindernis, zudem steht das Jahrzehnt der “SaaS“ an, der Software-as-a-Service. Programme werden dann nicht mehr herunter geladen, sondern nur noch auf dem Server ausgeführt, die Bedienoberfläche stellt der Browser. Chrome OS von Google ist das kommende Beispiel dafür, andere, auch Apple, werden folgen. “Always online“ wird zum westlichen Industriestandard werden, mit allen Vor- und Nachteilen. Doch bleiben wir beim Mac App Store.

App Store ohne Adobe und Microsoft

Adobe jedenfalls antwortete auf unsere Anfrage, wie das Unternehmen zum Mac App Store stehe und ob ihre gerade auf Macs von Kreativen nahezu flächendeckend eingesetzten Programme dort erhältlich sein würden:

“Adobe hat zum jetzigen Zeitpunkt nicht vor, seine Software über den Mac App Store anzubieten. Unsere Kunden können die Mac-Versionen unserer Software-Produkte bereits im Adobe Online Store auf der Adobe-Webseite* als Download erwerben oder über unsere Channel-Partner beziehen – hierzu zählen auch die Online-Stores und Ladengeschäfte von Apple.“ So das Statement von Alexander Hopstein, Senior PR Manager CEUR & EEMEA, Adobe Systems.
Kein weiteres Wort war den PR-Verantwortlichen dazu zu entlocken. Gründe nannten sie nicht.

pse_icon

Ähnliches bei Microsoft. Die Office mac 2011-Suite wird gepriesen für ihre Vorzüge und würde sich wahrscheinlich gut im Mac App Store verkaufen. Doch die Antwort der PR-Agentur war, dass man noch keine Antworten auf unsere Fragen liefern könne, da bis jetzt noch nicht klar sei, ob Office für den Mac über den Mac App Store vertrieben wird. Sobald es hierzu Neues gäbe, wolle man sich gerne wieder melden.

Offenbar ist in beiden Konzernen noch kein Bewusstsein dafür entstanden, wie sich die neuen Vertriebsmöglichkeiten nutzen lassen. Wahrscheinlicher ist aber, dass kein Interesse besteht, die wertvolle Marge, die ja gerade bei Software besonders hoch ist, mit Apple zu teilen. Dabei dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, dass auch irgendwann ein Windows , Google- oder Linux-Betriebssystem mit einer ähnlichen App-Store-App ausgestattet werden.

Zu viele Beschränkungen im App Store

Die Gründe für ein Nicht-Angebot im Mac App Store für Software können aber auch andere sein. Neben den bekannten Marken gibt es auch große Software für Büro-Anwendungen wie Warenwirtschaft, Buchhaltung und Unternehmenssteuerung, die nicht im App Store vertreten sein wird. Die Buchhaltungs- und Fakturierungslösungen MonkeyOffice von ProSaldo in Cottbus, erhältlich für Mac OS und Windows, wird ebenfalls nicht dabei sein.
André Tracksdorf, Gründer und Geschäftsführer von ProSaldo, nannte uns eine ganze Reihe von Vorbehalten. Er bemängelt, dass es keine differenzierten Update-Möglichkeiten für die Hersteller gibt. Apple wirbt gerade damit, dass Updates quasi automatisch dem Nutzer über den App Store angeboten werden. Allerdings erscheinen regelmäßig nicht nur jährliche Upgrades der Steuerprogramme auf Grund der Veränderung der Steuergesetzgebung sondern auch andere Anpassungen – der Apple Zulassungsprozess ist Tracksdorf dafür zu langsam. Zudem gibt es keine Lizensierungsmöglichkeiten für Mehrbenutzerinstallationen und Upgrades. Jede “App“ gilt als Vollversion, die im Falle von MonkeyOffice jedes Jahr zum vollen Preis bezogen werden müsste. “Außerdem sind Dialoge beim Start der Programme laut Apple nicht zulässig“, ergänzt Tracksdorf, “und wir dürfen das plattformübergreifende Angebot für Windows nicht erwähnen. Das ist alles sehr restriktiv.“ Seriennummern gibt es nicht mehr und dadurch kann die Software frei kopiert werden, befürchtet er. Ein Digital-Rights-Management (DRM) wie bei Musik-Downloads aus iTunes hat Apple für Software noch nicht etabliert. Die 30 Prozent Umsatzbeteiligung für Apple hält er dagegen nicht für problematisch, schließlich hätten auch Händler ähnlich hohe Margen. Die mangelnde, schnelle Update-Möglichkeit seitens des Software-Entwicklers ist für ihn jedoch das größte Hindernis. “Bei einer Textverarbeitung mag man den Zulassungsprozess von Apple abwarten können, bei einer Buchhaltung geht das nicht.“

monkeyoffice_icon

Dennoch ist Tracksdorf vom Erfolg des Mac App Store überzeugt, wie Entwickler Michael Göbel und andere auch. “Der App Store wird den ganzen Prozess des Software-Bezugs vereinheitlichen und vereinfachen und dadurch auch mehr Neukäufer erreichen. Allerdings ist es nur ein weiterer Vertriebsweg.“ Apple bietet Programme wie MonkeyOffice auch im eigenen Online-Store für Hard- und Software an. Dort werden auch Adobe- und Microsoft-Produkte verkauft und mit Nutzerbewertungen beschrieben. “Das sorgt für zusätzlichen Umsatz und ist eine gute Werbung.“ Ansonsten gibt es die MonkeyOffice-Programme bei fast jedem Apple-Händler und auch bei Amazon und Application Systems Heidelberg.
“Diese Vertriebswege wird es auch weiterhin geben, denn große, umfangreiche Software wird im Mac App Store nicht angeboten, weil deren Hersteller alle das gleiche Problem haben.“ Dass Apple den App Store an deren Anforderungen anpasse, glaubt er nicht. “Änderungen im Grundkonzept wird es nicht geben“, ist Tracksdorf überzeugt. Die Abschaltung der Apple Software-Download-Seiten mit redaktionellen Empfehlungen bedauert er. “Hoffentlich schließen sie nicht auch den Apple Online Store für Software“.

Titelbild: Bestimmte Rechte vorbehalten, von Metro Centric, Flickr

Weitere Themen: Mac App Store, Adobe

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz