Amazon: Preisdiktat im Android App-Store

Daniel Kuhn
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Dass Amazon einen eigenen App-Store für Android plant hatten wir bereits berichtet. Inzwischen gibt es genauere Details zur Preisgestaltung der Apps. Der Entwickler kann zwar eine unverbindliche Preisempfehlung abgeben, der tatsächliche Verkaufspreis wird aber letztendlich von Amazon festgelegt.

Amazon: Preisdiktat im Android App-Store

Amazon folgt bei der Preisgestaltung für den eigenen Android-App-Store der gleichen Strategie wie bei CDs, DVDs und anderen Produkten. Der Hersteller kann eine unverbindliche Preisempfehlung (UVP) abgeben, aber Amazon legt den tatsächlichen Verkaufspreis am Ende selber fest. Die UVP einer App darf allerdings nicht höher als der Preis sein, der an anderer Stelle (z.B. Android Market) dafür verlangt wird.

Amazon will die Apps vor einer Veröffentlichung ausführlich auf Inhalt und Funktion überprüfen. Dadurch soll gewährleistet werden, dass die Qualität der angebotenen Apps möglichst hoch ist.
Die Teilnahme an dem Amazon App-Store wird einen Entwickler $ 99,- im Jahr kosten und als Anteil an den Verkäufen einer App erhält er die üblichen 70%. Allerdings kann Amazon die App ja auch kostenlos anbieten, deshalb erhält der Entwickler in diesem Fall 20% der UVP.

Im Endeffekt gibt der Entwickler die Kontrolle über die Preisgestaltung komplett aus der Hand und muss weitestgehend auf Amazon vertrauen. Es ist daher fraglich, ob sich viele Entwickler auf diese Bedingungen einlassen werden. Unsere Kollegen von macnews meinen dazu:

Insbesondere größere Unternehmen könnte dieser Aspekt abschrecken. Amazons App Store läuft also Gefahr, ein Tummelplatz der kleineren, aus der Garage heraus operierenden Entwickler zu werden.

Dieser Meinung können wir uns nicht anschließen. Denn Android ist momentan größtenteils ein Tummelplatz der kleinenEntwickler, denn Google versäumt es seit nunmehr 2 Jahren, professionellen Softwarefirmen ein gut funktionierendes System zum Vertrieb von Paid Apps zu bieten. Dadurch, dass Amazon strengere Regeln anlegt und ein eigenes System der Qualitätskontrolle einführen will, schätzen wir, dass eher größere und etablierte Entwickler angezogen werden sollen, die ihre Apps in einem funktionierenden Market-Kontext anbieten wollen. Nicht vergessen sollte man, dass der Google Android Market in Europa nach wie vor nur die Zahlung von Apps per Google Checkout, sprich: per Kreditkarte zulässt. Amazon hätte mit mehr Zahlungsoptionen und einer funktionierenden Desktop-Suche mehr Kaufanreize in der eigenen Plattform, ringt den App-Herstellern dafür aber aber auch ein gehöriges Maß an Kontrolle ab. Die Frage ist, ob sich Entwickler und Publisher darauf einlassen. Im Moment wirkt es so, als ob sie die Wahl zwischen Skylla und Charybdis hätten.

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