App Store-Abos: Apple macht Zugeständnisse gegenüber Verlegern

Sebastian Trepesch
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Apple hat heute offiziell den neuen Abo-Service für die iOS-Geräte iPhone, iPad und iPod touch vorgestellt. Eine große Überraschung bringt das Verkaufsmodell mit: Die Verleger dürfen ganz offiziell Abonnements von App Store-Apps über eigene Vertriebswege wie die Webseite anbieten und 100 Prozent der Einnahmen behalten. Aus einer App heraus dürfen allerdings keine Web-Verkäufe angeboten werden, sondern nur In-App-Verkäufe, die sich Apple weiterhin mit 30 Prozent Provision vergüten lässt.

“Unsere Philosophie ist einfach – wenn Apple einen neuen Abonnenten für die App gewinnt, erhält Apple einen 30-prozentigen Anteil; wenn der Verleger einen bestehenden oder neuen Abonnenten für die App gewinnt, behält der Verleger 100 Prozent und Apple verdient nichts”, ließ Steve Jobs CEO von Apple und eigentlich aus gesundheitlichen Gründen in einer Auszeit, heute verkünden. “Alles was wir fordern, ist, dass ein Verleger der ein Abonnement-Angebot außerhalb der App offeriert, dieses (oder ein besseres) Angebot auch innerhalb der App macht, so dass der Kunde auch einfach direkt mit nur einem Klick in der App abonnieren kann”, so Jobs.

Dieser Punkt ist jedoch für die Verlage der Haken an der Sache: Viele Nutzer dürften den einfacheren Weg wählen und mit einem Klick direkt in der Anwendung ein Abo bestellen, sollten sie die App bereits nutzen.

Laut der offiziellen Mitteilung von Apple können Verlage “selbstverständlich auch andere Methoden außerhalb der App” einsetzen Abonnenten zu gewinnen. Dies könne zum Beispiel über die Webseiten der Zeitungen und Zeitschriften geschehen. Einnahmen und Kundendaten gehen somit vollständig an die Verlage, Apple ist nicht in den Transaktionsprozess eingebunden. Das gleiche oder ein günstigeres Angebot muss allerdings auch innerhalb der App zur Verfügung stehen.

Die Verlage werden sich demnach bemühen, ihre Publikationen außerhalb des App Stores an die Leser zu bringen. Die Regelung dürfte aber zumindest einen wichtigen Punkt gestatten: Kombi-Angebote von Print- und iOS-Ausgaben.

Links aus der App heraus auf eine Verkaufswebseite gestattet Apple (weiterhin) nicht. Diese Regelung steht in den App Store-Richtlinien, der Elektronikkonzern zeigte sich bislang jedoch kulant in diesem Punkt. Dieses Jahr kündigte Apple ein strengeres Vorgehen an und ließ prompt eine Sony-App wegen des verlinkten, externen Verkaufs von Büchern nicht in den App Store.

Wenngleich der Hersteller von iPhone und iPad in diesem Punkt hart bleibt und damit auf der Provision von Käufen über die iOS-Plattform beharrt, macht er den Verlegern weitere Zugeständnisse: Käufern eines Abos steht es frei, dem Verlag Namen, E-Mail-Adresse und Postleitzahl zu übermitteln. Diese Informationen forderten die Herausgeber der Zeitungsapps schon lange, und die letzte Aktualisierung der Geschäftsbedingung deutete diese Möglichkeit bereits an. Jetzt liegt es an den Verlagen, die Käufer zu überzeugen, ihnen die Daten anzuvertrauen.

Mit den Zugeständnissen könnte Apple die Verleger weniger in Versuchung bringen, auf Alternativen zu den App-Store-Apps zurückzugreifen. Denn die Herausgeber der Zeitungen waren in der Vergangenheit mit Apples Politik sehr unzufrieden. Wächst die Android-Plattform weiterhin so stark, könnten die iOS-Geräte für die Verleger weniger wichtig werden. Zudem stehen den Herausgebern mit Web-Apps Möglichkeiten zur Verfügung, gerätespezifische Bezahlinhalte zu vertreiben – auch auf Apples Geräten. Sony kündigte nach der Verbannung der App von iPhone und Co. bereits an, andere Vertriebswege zu prüfen.

Auch wenn Apple erst jetzt eine offizielle Information zu den Abonnements veröffentlichte, führte der Konzern die Funktion bereits vor rund zwei Wochen mit der Vorstellung der amerikanischen iPad-Zeitung The Daily ein. Abos verlängern sich laut Geschäftsbedingungen des App Stores um die gewählte Laufzeit. Diese automatischen Verlängerungen können in den Einstellungen verwaltet werden.

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