Apple wegen App Store in der Kritik: Zwischen Hassliebe und Zukunft

Sebastian Trepesch
26

Die deutschen Verleger sind gespalten. Während die einen Apples Abo-Modell für elektronische Zeitschriften auf dem richtigen Weg sehen, wettern die anderen jähzorniger als je zuvor. “DDR-Marketing” tönt es aus dem Axel Springer-Verlag über Apples “Prinzip der Verknappung”. Dabei kommen auf die Anbieter elektronischer Medien in gar nicht so ferner Zukunft ganz andere Probleme zu.

Die Wogen schienen bereits geglättet. Noch vor ein paar Monaten bemängelten Verleger aus aller Welt Apples Vertriebsmodell für elektronische Zeitungen und Zeitschriften. Für den Verkauf über Apps hatten die Herausgeber strenge Vorgaben, um auf die iPads und iPhones zu gelangen. Nicht zuletzt wegen Konkurrent Google lockerte der Computerhersteller kürzlich seine Richtlinien. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) und der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) sahen dies einvernehmlich als “substanzielle Verbesserung” an. Nun gebe es notwendige Spielräume. Den neuen Zeitungskiosk in iOS 5 lobten sie sogar, beim Thema Kundenbeziehung gebe es allerdings noch Gesprächsbedarf.

Von Apple diktierte Regeln

Bei Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, klingt das ganz anders: “Unser Verhältnis zu Apple könnte man als Hassliebe charakterisieren.” Die Produkte seien großartig, erklärte er in einem Interview des manager magazins. Als Stein des Anstoßes werden aber (wieder einmal) der fehlende Zugriff auf Kundendaten und die 30 Prozent Provision genannt.

Es gehöre zum Wettbewerb, dass “Preise ausgehandelt und nicht ‘gefunden’ bzw. diktiert werden”, sagte VDZ-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Fürstner gegenüber macnews.de. Die Provision orientiert sich am Umsatz und nicht am Gewinn, was in der Findungsphase den Verlagen Probleme bereitet. Die Kundendaten, erklärte Fürstner, seien für das Vertriebs- und das Anzeigengeschäft wichtig.

Ein weiterer Punkt, den Döpfner an Apple kritisiert: “die Tendenz, auf Inhalte Einfluss zu nehmen.” Apple zog in der Vergangenheit hin und wieder Apps aus dem Verkehr, weil sie nicht den Richtlinien für den App Store entsprachen. Zeitungstiteln bereiteten zum Beispiel Publikationen Schwierigkeiten, in denen Oben-ohne-Fotos abgebildet waren. In letzter Zeit zeigte sich der Computerhersteller in diesem Punkt jedoch deutlich kulanter.

Mit seinen drastischen Aussagen ist Döpfner, der vor ein paar Jahren die Axel Springer AG von PCs auf Macs umgestellt hat, also fast schon zu spät. Eine gute Werbung für die aktuelle Ausgabe des manager magazins unter dem Titel “Apple – die Arroganz der Macht” ist es allemal. “Apple hat das DDR-Marketing in genialer Weise reetabliert: Es gilt das Prinzip der Verknappung, wer etwas haben will, muss sich hinten anstellen”, so Döpfner. Und mit diesem Satz hat er nicht mal Unrecht.

Aber:

Weitere Themen: AppKack der Woche: Die schlechtesten Mobile Games, Apple

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz