Apple wirft Financial Times aus dem App Store

Sebastian Trepesch
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Die Financial Times wollte sich nicht Apples Vorgaben für den App Store beugen. Die Folge war lange abzusehen und dürfte somit keine Überraschung sein: Rauswurf aus dem App Store. Apple beweist damit wieder einmal, dass das Unternehmen seine Regeln trotz heftiger Proteste in den vergangenen Monaten durchsetzen will.

Da wird in der Vermarktungsabteilung der Financial Times keine Freude aufkommen: 10 Prozent neuer digitaler Abos wurden über das iPad abgeschlossen, weiß paidContent.org. Nun ist die iPad-App nicht mehr im App Store erhältlich, “Türsteher” Apple hat sie aus dem Online-Store entfernt.

Folglich kann die App nicht mehr auf iOS-Geräte geladen werden. Denn den einzigen Zugang für Apps auf die iPhones und iPads dieser Welt bildet eben dieser Shop. Apple hat ein geschlossenes System geschaffen, das höchstens durch einen Jailbreak aufgebrochen werden kann.

Die Financial Times muss aber mit der Entscheidung von Apple gerechnet haben.

Bei Verkäufen von digitalen Gütern aus einer App heraus verlangt Apple, dass eine bereitgestellte Schnittstelle verwendet werden muss. Somit wickelt der iPhone-Hersteller diese In-App-Verkäufe ab und behält dabei 30 Prozent am Umsatz als Provision ein.

Diese Regelung gilt auch für den Vertrieb von elektronischen Zeitschriften über Apps. Die Verlage – auch die deutschen – protestierten, bis Apple schließlich ein paar Zugeständnisse machte. “Wenn Apple einen neuen Abonnenten für die App gewinnt, erhält Apple einen 30-prozentigen Anteil; wenn der Verleger einen bestehenden oder neuen Abonnenten für die App gewinnt, behält der Verleger 100 Prozent und Apple verdient nichts“, erklärte Steve Jobs im Frühjahr dieses Jahres. Das bedeutet: In-App-Käufe müssen weiterhin über Apple laufen, aber die Verleger dürfen auch außerhalb der Anwendung – zum Beispiel über die eigene Webseite – Abos für iOS vertreiben.

Bis 30. Juni gab Apple den Verlagen noch Zeit, das Angebot zu überdenken und die Apps umzugestalten. Mit der Financial Times hat Apple nun seine Drohung wahr gemacht und einen prominenten Anbieter entfernt.

Die Zeitung hat sich bereits umorientiert und greift auf eine Alternative zu iOS-Apps zu: Seit 07.06. gibt es eine Web-App der Financial Times (siehe Fotos). Die redaktionellen Beiträge werden auf einer mobilen Webseite bereitgestellt, sie wird über den Webbrowser aufgerufen. Die Ausgaben können sogar automatisch für den Offline-Zugriff abgespeichert werden.

Warum wollte die Financial Times nun keine offiziellen In-App-Käufe anbieten? Laut einem Sprecher der Zeitung sind es weniger die 30 Prozent Provision an Apple, die den Verlag stören. Vielmehr will der Herausgeber den Zugang zu den Kundendaten. Schon der Verlag deutscher Zeitschriftenverleger betonte gegenüber macnews.de, dass diese Informationen sehr wichtig für das Vertriebsgeschäft seien.

Die deutsche App der Financial Times ist noch verfügbar.

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