Drei Jahre App Store: Unendlicher Spaß

Ralf Bindel
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An diesem Montag wird der Apple App Store drei Jahre alt. Für einen lauten Kindergeburtstag ist der Store schon fast wieder zu sehr Senior, schließlich schlagen die Uhren in der elektronischen Unterhaltungswelt schneller. Doch für einen Rückblick auf das Erfolgsmodell, die tollen Geschichten um den Store und eine Vorstellung unserer Lieblings-Apps reicht es allemal.

Ich muss zugeben, die vielen Stores verwirren mich. Ich weiß nie genau, welcher App(le) Store eigentlich gemeint ist. Es gibt den iTunes Music Store, der 2003 den Anfang machte. Dann ist da der App Store für die mobilen Apple-Geräte, auch in iTunes, heute drei Jahre alt. Und den Mac App Store, der Anfang 2011 außerhalb von iTunes startete. Dazu gibt es noch den Apple Online Store, demnächst nur noch für den Einkauf von Hardware, und die Apple Stores und -Shops, Ladengeschäfte und Beratungscenter. Und selbst die örtlichen Apple-Händler heißen im anglifizierten Volksmund ebenfalls Stores.

Seit Beginn des Jahres ist es besonders schwierig: Wenn von App Store die Rede ist, war bis dato immer der iOS- oder iTunes-App-Store gemeint. Ein Kürzel dafür war nicht nötig, die Bezeichnung eindeutig. Doch mit dem MAS, dem Mac App Store, kam ein weiterer App Store hinzu. Wenn hier und anderswo verkürzt die Rede von Programmen ist, die es im App Store gibt, muss man den genauen Verkaufsort selbst herausfinden. Und inzwischen ist App Store nicht mehr alleiniges Apple-Gebiet. Das Apple-Modell haben fast alle großen Smartphone-Hersteller kopiert und bieten eigene App-Stores für mobile Anwendungsprogramme. Dabei kämpft Apple verzweifelt um die Namenshoheit, nicht nur gegen Amazon und Google, das jüngste Beispiel ist der App Store Getjar, der jetzt einen bösen Brief von der Zentrale in Cupertino erhielt.

So umstritten die Erfindung und der Name App Store auch sind, an einem zweifelt niemand: Der App Store ist ein Erfolg. Eigentlich war er das von Anfang an. Gestartet hierzulande mit dem Verkauf des zweiten iPhone-Modells, dem 3G, am 11. Juli 2008, einen Tag nach der US-Eröffnung, kam in der letzten Woche von Apple die Auskunft, dass seitdem weltweit 15 Milliarden Apps herunter geladen wurden. 200 Millionen iPhone-, iPad- und iPod touch-Anwender griffen angeblich zu. Wobei Scott Forstall auf der WWDC 2011 sagte, dass die Gesamtzahl der iTunes-, App Store- und iBook Store-Kunden 225 Millionen erreicht habe. Apple bilanziert, dass iOS-Anwendern 425000 Apps zur Auswahl stehen.

Dabei ist besonders das schnelle und stetige Wachstum beeindruckend. Noch im Januar hatte Apple von 10 Milliarden Downloads gesprochen, innerhalb eines knappen halben Jahres hat sich dieser Wert um 50 Prozent gesteigert. Vor einem Jahr, im Juli 2010, waren es noch 200.000 App-Angebote, jetzt sind wir bei mehr als dem Doppelten.

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Ein App Store mit Gewinn für (fast) alle

Auch wenn die Zeiten von Furz- und Boobs-Apps, die einzelne Entwickler reich machten, vorbei sind: Verdient wird mit dem App Store weiterhin ordentlich. Schon im August 2008 nahm Apple durch ihn täglich eine Million Dollar ein, in dem sich der Hersteller mit 30 Prozent am Verkaufspreis je App beteiligt. Wie viele Entwickler und Anbieter im App Store mit ihren Programmen verdienen, ist nicht bekannt. Apple gibt an, 2,5 Milliarden US-Dollar seit Eröffnung an sie ausgezahlt zu haben.

Das Konzept des App Stores ist aufgegangen: Er ist Apple-typisch einfach zu bedienen und die niedrigen Preise der Apps lassen Spontankäufe zu. Bei 79 Cent kommt es nicht so darauf an, selbst einige Euro lassen sich noch schnell ausgeben. Mittlerweile ist der App Store auch das Basis-Argument für den Verkauf der mobilen iOS-Geräte wie iPhone und iPad: “Es gibt für alles eine App” ist die Devise, während andere mobilen Plattformen schon dagegen halten, dass sich die Kunden in ihren überschaubareren Stores mangels Masse besser zurecht finden. Hieß es früher noch, kauf keinen Mac, für den gibt es kaum Software, empfiehlt man jetzt, nimm ein iPhone, weil das Angebot des App Store so groß ist.

Und was gab und gibt es nicht alles für Kuriositäten im App Store, die aber auch den Hype um ihn beflügelten. Allein mehrere hundert Furz-Apps lassen sich heute finden, um einen lukrativen Namen wie iFart Mobile* stritten Entwickler erbittert, hunderte digitale Taschenlampen und Feuerzeuge leuchten im Store, mit Apps wie iBeer* trinken witzige Menschen weltweit zu Millionen aus animierten Gläsern.

Apple ließ bei seiner Eingangskontrolle (fast) alles zu und noch viel mehr: der Offender Locator* zeigt die Wohnorte registrierter Sexualstraftäter, mit Gay Cure wollte die Exodus Organisation Homosexuelle von ihrer vermeintlichen Krankheit heilen, mit Baby Shaker konnten Käufer einem virtuellen Baby durch Schütteln das Genick brechen, iBoobs ließ digitale, BH-bedeckte Brüste wackeln, eine Intifada-App lud zum Angriff auf Israel ein und I am Rich zeigte für 999 US-Dollar einen Edelstein. Die Liste der inzwischen verbannten Apps ist lang. So gehören auch harmlose Apps dazu, wie der VLC Player, der mit der OpenSource-Lizenz GPL gegen die Apple-Vorschriften verstößt. Ihn gibt es nun im Cydia-Store, dem alternativen Store für iOS-Geräte mit Jailbreak.

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