Evernote: Warum der 5. Jahrestag des App Stores so bedeutsam ist

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Fünf Jahre alt ist der App Store diese Woche geworden. In einem Kommentar beleuchteten wir die guten und schlechten Eigenschaften des Download-Shops. Doch wie bewertet ein Entwickler die Plattform? Phil Libin ist CEO von Evernote. Exklusiv für GIGA würdigt er den App Store: 

Phil Libin: In den vergangenen Jahren wurde viel darüber debattiert, auf welche Art und Weise Apple die Welt verändert hat. Mit der Einführung des Apple II wurden PCs zum ersten Mal auch für eine Zielgruppe abseits der Hardcore-Hobbyisten interessant. Der iPod und der anschließende Start von iTunes veränderten, wie wir Musik konsumieren. Das iPhone wandelte unsere Art miteinander zu kommunizieren, das iPad, wie wir arbeiten.

Abseits dessen gibt es jedoch eine Innovation von Apple, die wohl noch tiefergehende Auswirkungen auf unsere Gesellschaft hat, als alle anderen zusammen. Diese Entwicklung ist über alle Branchen hinaus von Bedeutung und beeinflusst grundlegend unser Verständnis von Fairness, Unternehmertum und internationalen Grenzen: Der App Store. Diese Woche wurde er fünf Jahre alt.

Auch vor dem App Store gab es eine Vielzahl an Online-Verzeichnissen und -Marktplätzen für Handy Apps. Apple schaffte es als erstes, eine Erfahrung für den Nutzer zu schaffen, die so gut und universell war, um schnell erst Millionen und dann hunderte Millionen von Nutzern zu erreichen. Der App Store wurde allgegenwärtig und führte dazu, dass er heute vor allem eines ist: elitär.

Alles, was du tun musst, um im App Store erfolgreich zu sein, ist es, etwas Großartiges zu entwickeln.

Das mag für Unternehmen eine erschreckende Veränderung bedeuten. Über Generationen hinweg hielt sich die Binsenweisheit, dass es nicht immer das beste Produkt ist, das am Ende die Nase vorne hat. Traurigerweise, auch wenn es sehr klischeehaft ist, hat sich diese Einschätzung oft bewahrheitet. Ein noch so herausragendes Produkt konnte einfach gegen das eines Mitbewerbers verlieren, wenn dieser in den Bereichen Marketing, Vertrieb, Partnerschaften, Logistik oder irgendeinem anderen erfolgsbestimmenden Faktor besser aufgestellt war. Oft zeigte sich, waren diese Aspekte wichtiger als die Qualität der Idee an sich.

Vor fünf Jahren veränderte sich das quasi über Nacht. Diese neue Wahrheit erreichte Jahr für Jahr immer mehr Branchen, die zuvor damit begonnen hatten, fast ausschließlich über Apps mit ihren Kunden zu interagieren. Der Trend nahm und nimmt Fahrt auf.

Es ist nicht so, dass die erfolgsbestimmenden Faktoren von „damals“ heute keine Rolle mehr spielen. Mittlerweile ist es jedoch so, dass ein großartiges Produkt im App Store gleichbedeutend mit einem riesigen Anschub für Marketing, Vertrieb und alle anderen Bereiche ist. Eine großartige App, bei der zuvor fast keine Markenbekanntheit vorhanden war, kann durch gezieltes, aber klein angelegtes Social Media Marketing Millionen Menschen weltweit erreichen und das in nur wenigen Tagen. Eine miserable App in Verbindung mit einem massiven Marketing Budget hingegen wird innerhalb von Stunden wieder verschwunden sein.

Was heißt das für Unternehmer?

Es bedeutet, dass man 90 Prozent in das stecken kann, das bedeutsam ist: das eigene Produkt. Vor dem App Store war das anders, hier rechnete man eher mit einem Verhältnis 50/50.

Das heißt auch, dass man jeden und fast die ganze Welt erreichen kann. Egal wo man selber lebt.

Es bedeutet auch, dass es keine Bedeutung hat, ob man bereits einen bekannten Namen hat. Um ehrlich zu sein, ist es sogar für kleine Teams oft einfacher im App Store erfolgreich zu sein, als für große, etablierte Unternehmen.  Im App Store kann man eben keine Platzierungen kaufen. Außerdem ist es einfacher Risiken auf sich zu nehmen, wenn man nicht so viel zu verlieren hat.

Das Wichtigste ist aber, dass man etwas für sich selber erschaffen kann. Wohl zum allerersten Mal bedeutet „Erschaffe etwas, das du liebst“ das richtige Business-Modell.

Wenn man etwas erschafft, das man selber liebt, ist die Wahrscheinlichkeit am größten, dass es auch fünfzig Millionen anderen Menschen auf der ganzen Welt gefällt – es sei denn, man hat einen unglaublich ungewöhnlichen Geschmack. Und der App Store bietet die Möglichkeit, dass diese fünfzig Millionen Menschen auch etwas von der eigens entwickelten App erfahren, dass sie sie bekommen und dafür zahlen können. Von überall auf der Welt.

Das war niemals zuvor denkbar. Die grundlegende Frage des Unternehmertums hat sich damit geändert. Heute heißt es nicht mehr „Was werden die Menschen kaufen?“ sondern „Was kann ich Großartiges erschaffen?“.

Natürlich ist der App Store nicht perfekt. Er funktioniert nicht für alle Branchen (auch wenn sein Einfluss wächst) und er hat ältere Geschäftsmodelle stark angegriffen und teilweise zerstört.

Außerdem, und von dieser Seite kommt die meiste Kritik, ist der App Store nicht wirklich demokratisch. „Wenn es mehrere Millionen Apps dort draußen gibt, wie kann der gewöhnliche Entwickler da herausstechen?“

Der gewöhnlich Entwickler kann das nicht. Der gewöhnliche Entwickler hat es nicht verdient, denn „gewöhnlich“ sein reicht nicht aus. Die App ist elitär und gleichzeitig bewusst nicht egalitär. Der App Store bestraft Gewöhnlichkeit härter als alles zuvor da Gewesene.

Trotzdem gibt es einer enormen Anzahl an Unternehmen die Möglichkeit großartig zu sein. Die Welt ist eindeutig besser dran, weil es den App  Store gibt. Nicht viele Produkte können das von sich behaupten und schon gar nicht nach fünf Jahren. Der App Store kann das. Happy Birthday App Store!

Evernote (AppStore Link)
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Evernote
| Preis: Gratis

Der Dienst Evernote bezeichnet sich als „virtuelles Gedächtnis“, als Speicher, der Ideen und Notizen in Text und Bildern speichert und zwischen verschiedenen Geräten synchronisiert (iOS-App siehe oben).
Unser Gastkommentator Phil Libin ist CEO von Evernote – herzlichen Dank für den Beitrag!

Evernote

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