iPhone und App Store: Nachhaltigkeit gewünscht (Kommentar)

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Das iPhone, der App Store – ein außergewöhnliches Erfolgsmodell, sowohl für Apple als auch die Kunden. Und doch gibt es sie, Kritik am fast perfekten Ökosystem. Ich spreche dabei bewusst nicht vom puritanisch geprägten Moralverstand der Amerikaner, der in teils abstrusen Zensurbemühungen und verpixelten Geschlechtsmerkmalen mündet. Stein des Anstoßes ist die Kurzlebigkeit der Zwangsehe zwischen Smartphone und Tante-App-Laden – Scheidung unausweichlich.

iPhone und App Store: Nachhaltigkeit gewünscht (Kommentar)

Anfangs fristete das iPhone ein Single-Leben, ausgestattet mit den vom Erbauer als notwendig erachteten Anwendungen beglückte es zahlreiche Erstkäufer mit Multi-Touch und einem bis dato unbekannten mobilen Interneterlebnis. Ein Jahr später löste Mama Apple die Fesseln – Entwickler konnten nunmehr sogenannte Apps entwerfen. Der Beginn einer Revolution, der Start in eine neue Ära. Abseits diverser Ausbruchversuche – auch Jailbreak genannt – führte der Weg jedoch stets über die Zwangsehe mit Apples App Store. Der kalifornische Hersteller war und ist Blockwart im Laden, bestimmt Inhalte und definiert Regeln, die – zugegeben – nicht immer transparent und einleuchtend sind.

Geschenkt – der goldene Käfig bietet auch Vorteile. Schadsoftware ist nahezu unbekannt und Entwickler leben von einem kauffreudigen Kundenstamm, deren Kreditkarte kaum Staub ansetzen dürfte.

Doch nach mehr als vier Jahren App Store lohnt eine genaue Betrachtung des Sachverhaltes. Es greift um sich das böse, böse Wort Fragmentierung. Deren Folgen entwickeln sich zunehmend zum echten Problem und Ärgernis. Kurzum: Aus dem Smartphone iPhone wird nach wenigen Jahren wieder ein Dumbphone!

iOS: Update-Politik

Verständlich: Apple kann und wird nicht jede kommende iOS-Version für alle bisherigen Geräte anbieten. Überhaupt verhielt sich Apple bezüglich der Update-Politik meist sehr vorbildlich – zwei größere Updates des Betriebssystems nach Produkteinführung sind auch heute noch selbstverständlich. Im Detail zeigen sich dann dennoch berechtigte Kritikpunkte. Das iPhone 3G eine verlorene Generation, das erste iPad beim letzten Update auf iOS 6 übergangen. An der Performance lag es nicht, selbst der alte Schinken iPhone 3GS bekam noch eine kastrierte Version spendiert. Der Grund? Im Gegensatz zum 3GS befand sich das originale iPad zum Zeitpunkt der Preview schon längst nicht mehr im Sortiment bei Apple – Unterstützung nicht vonnöten.

Geschenkt – auch ein altes iPhone 3G oder ein älteres iPad können weitestgehend noch ihren Dienst verrichten, schließlich zerfallen sie durch die diese Update-Politik nicht sofort zu Staub.

App-Beschaffung: Ein Ding der Unmöglichkeit

Problematisch wird jedoch zunehmend die App-Beschaffung. Nicht wenige Apps verlangen nach einer iOS-Version, die von diesen Geräten nicht mehr unterstützt wird. Eine Problematik, die sich in den nächsten Jahren noch verstärken wird. Auch dies wäre kein größeres Ärgernis, beträfe dies ausschließlich neue Apps die bisher noch nicht verfügbar waren. Doch so ist es nicht – Skype, WhatsApp... die Liste wächst täglich. Die angebliche Lösung: Nutzt man halt eine ältere Version der Apps!

Dieses Vorgehen funktioniert nur dann, wenn man eigenverantwortlich eben jene älteren App-Versionen vorhält und kein Update über iTunes wagt. Selbst dann ist eine zukünftige Funktionalität nicht immer gewährleistet – Beispiel WhatsApp. Dieses fragile Kartenhaus stürzt ferner gänzlich in sich zusammen, löscht man das iPhone (beispielsweise beim Gebrauchtverkauf). Dem neuen Eigentümer wird es nicht gelingen, ältere App-Versionen zu beschaffen, denn dieser Fall ist für Apples App Store undenkbar, Nachhaltigkeit ein Fremdwort.

Ein älteres iPhone – einst die Speerspitze der Smartphone-Bewegung – mutiert so unfreiwillig zum unverkäuflichen Dumbphone. Ein Schicksal, das in den nächsten Jahren Millionen von iOS-Geräten ereilen wird. Apple könnte dem nur begegnen, wenn sie sich der Fragmentierungsproblematik offen stellen und auch ältere App-Versionen zum Download anbieten. Technisch keine Hexerei. Überhaupt, ist es denn so schwer, den App Store auf dem iPhone zu überreden, nur die jeweils passenden Apps für das Modell anzubieten? Muss ich als Besitzer eines iPhone 3G ständig frustriert registrieren, dass eben jene App für meinen Smartphone-Schatz nicht verfügbar ist?

Forderung: Download älterer App-Versionen

Ich appelliere an Apples Vernunft und fordere einen nachhaltigen App Store. Des Rätsels Lösung kann und darf nicht nur in der Neuanschaffung eines iPhones liegen. Jede iPhone-Generation wird für ihr ausgezeichnetes Design gerühmt. Doch gutes Produktdesign bedeutet auch Langlebigkeit, Nachhaltigkeit – bei Hard- und Software. Nachzulesen bei Dieter Rams, dem großen Vorbild der aktuellen Formensprache im Hause Apple.

 

Bildquelle Titel: Flickr, Autor: Simo ubuntu, veröffentlicht unter  CC BY-SA 2.0.

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Weitere Themen: iPhone 4s, iPhone 3GS, iPad mini , iPad 4, iPhone 5, iPad 3, iPad 1, iPad 2, iPhone 3G


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