Meinung: Der iPhone-Nutzer will Flash, Herr Jobs

Sebastian Trepesch
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Lieber Herr Jobs, viele Ihrer Nutzer von iPhone iPod touch und iPad wünschen sich Flash auf den Apple-Geräten. All Ihrer Gründe zum Trotz. Immer noch. Mittlerweile sind ein paar Jahre ins Land gegangen, seit Sie das erste iPhone vorgestellt haben und sich die Käufer an das “halbe Internet” gewöhnen konnten. Doch die haben sich nicht daran gewöhnt, das zeigt der Ansturm auf den Webbrowser Skyfire. Warum zwingen Sie den Anwendern Ihre Vorstellungen auf?

Skyfire ist ein Webbrowser für iPhone und Co., der über Umwege Flash-Inhalte anzeigt. Einen puren Konverter hätte Ihr Team nicht zugelassen. Deshalb lädt Skyfire entsprechende Dateien einer aufgerufenen Webseite auf einen Server, rendert und übersetzt sie dort in HTML5. Im Browserfenster kann der Stream vom Skyfire-Server per Klick gestartet werden. Gestern erschien die Anwendung im AppStore, heute schon ist sie “ausverkauft”. Ein ungewöhnlicher Begriff für virtuelle Güter. Die Entwickler benutzen ihn für ihren Verkaufsstopp. Denn die Serverkapazitäten müssen aufgestockt werden.

Der Browser wurde mit “unglaublicher Begeisterung” empfangen, so empfanden es die Entwickler, und die Zahlen bestätigen es: Fünf Stunden nach der Veröffentlichung im US-Store stand er auf Platz drei der kostenpflichtigen Apps.

Der Wunsch nach Flash existiert also nach wie vor. Warum lässt Apple die Technik nicht auf das iPhone? Die Gründe haben Sie, Herr Jobs, im Frühjahr geschildert. Der installierte Safari Browser muss meinetwegen Flash nicht von Haus aus unterstützen. Aber Sie könnten zumindest entsprechende Apps zulassen, die Flash-Inhalte abspielen können. Dann haben Sie Ruhe, und die Kunden sind zufrieden. Sollten Ihre Argumente zutreffen und sich die Batterielaufzeit tatsächlich von zehn auf einenhalb Stunden reduzieren und die Anwendungen ständig abstürzen, würde Flash bald keinen mehr interessieren. Apps lassen sich sehr einfach deinstallieren. Etwas Mündigkeit können Sie Ihren Käufern ruhig zutrauen.

Was könnte ein Argument für Flash sein, das Sie überzeugt? Eine Steigerung des Gewinns? Vielleicht würde Apples Umsatzzahlen nichts anzumerken sein, denn wer lässt ein iPhone nur deswegen im Ladenregal stehen, weil es kein Flash unterstützt. Argument “Benutzerfreundlichkeit”? Darauf legen Sie dankbarer Weise großen Wert. Benutzerfreundlich ist nicht, dass sich der Kunde drei Jahre nach Erscheinen des iPhones eine Browser-App kaufen kann, die die Videos über einen gesonderten Server zur Konvertierung laufen lassen muss.

Ich möchte mir nicht anmaßen zu beurteilen, welche Technik besser ist, Flash oder das von Ihnen favorisierte HTML5. Kann sein, dass Sie nur eine Entwicklung beschleunigen, weil sich früher oder später HTML5 sowieso verbreitet hätte. Ihre Innovationsfreudigkeit (zumindest in diesem Bereich, erwähnen wir USB 3.0 lieber nicht) und Ihren Einsatz für Offenheit (zumindest in diesem Bereich, erwähnen wir den AppStore lieber nicht) halte ich für bewundernswert. Der wirtschaftliche Erfolg scheint Sie zudem zu bestätigen. Trotzdem muss man es nicht so übertreiben, wie Apple es in letzter Zeit manchmal geschafft hat.

Hochwertige Produkte, die tolle Funktionen bieten und einfach, problemlos zu bedienen sind, so wünscht man sich das. Unter anderem dank Apple stehen solche Computer und Handhelds zur Verfügung. Wäre schön, wenn es so bleibt. Eine jahrelange Bockigkeit gegenüber einer einzelnen Technik nervt.

Weitere Themen: flash, iPhone, AppKack der Woche: Die schlechtesten Mobile Games, Apple

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