Protest gegen App Store: Financial Times als Web-App

Marie van Renswoude-Giersch
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Der Verleger der Financial Times macht seine Drohung wahr: Die britische Wirtschaftszeitung erscheint ab sofort als HTML5-basierte Web-App. Eine im App Store fällige Provision für per In-App-Kauf abgeschlossene Abonnements wird damit nicht mehr fällig. Im April drohte der Verlag Apple damit, eventuell auf andere Vertriebskanäle auszuweichen, sollte der iPad-Hersteller nicht seine Abo-Politik ändern.

Ab dem 30. Juni werden Verlage gezwungen sein, ihre Abos über die In-App-Schnittstelle zu vertreiben. 30 Prozent gehen dabei an Apple. Zudem verlieren die Verlage dabei den direkten Kontakt zu ihren Abonnenten, was viele beklagten. Die Financial Times hat nun ihre Drohung wahrgemacht und versucht, mit einer Web-App die strengen Richtlinien des Apple Stores zu umgehen.

Wie der Vorsitzende der mobilen Sparte der Financial Times, Steve Pinches verkündet, ist die FT die erste größere Zeitung, die als innovative HTML5-App erscheint. Vorteile der Web-App sieht er darin, dass neue Funktionen für den Leser stets sofort verfügbar sind und nicht erst auf Freischaltung von Seiten Apple warten müssen. Zudem wäre die Entwicklung nativer Apps für verschiedene Plattformen zu kostenintensiv. Die Web-App kann dagegen Plattform-übergreifend auf iOS-Geräten, Android-Smartphones & Co. genutzt werden.

Die mobile Web-Version der Financial Times ist im Browser über die Adresse apps.ft.com erreichbar und lässt sich wie eine native App auf dem Startbildschirm ablegen. Beim Start wird die jeweils aktuelle Ausgabe automatisch für den Offline-Zugriff abgespeichert. Falls gerade kein WLAN-Netz verfügbar ist, kann dies allerdings eine Weile dauern. Über eine ausklappbare Menüzeile erhält man Schnellzugriff auf die verschiedenen Ressorts. Zudem lassen sich in den Einstellungen die Schriftgröße und eine spezifische regionale Ausrichtung festlegen. Mit der Suche werden die Inhalte nach speziellen Suchbegriffen gesichtet. Ansonsten aktualisiert sich die Web-Zeitung automatisch mehrmals täglich und lässt sich sowohl im Hoch- als auch im Querformat lesen. Eine Clippings-Funktion, also das Abspeichern einzelner Artikel zum späteren Lesen, ähnlich der gestern für iOS 5 angekündigten Reading-List, ist auch bereits geplant.

Das Lesevergnügen scheint mit dem neuen HTML5-Standard im Vergleich zur nativen App also nicht getrübt. Während einer einwöchigen Einführungszeit kann man das Angebot der Financial Times kostenlos testen. Danach stehen dem Leser bis zu zehn Artikel im Monat kostenlos zur Verfügung. Was der unbeschränkte Zugriff kosten wird, ist noch nicht bekannt.

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