Sinkende App-Zahlungsmoral - Entwickler sieht Chance durch Raubkopien

Florian Matthey
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Die Spendierfreudigkeit von Smartphone- und Tablet-Benutzern lässt zumindest hierzulande nach. Die Tomorrow Focus AG, zu der unter anderem Focus Online gehört, hat in einer Umfrage auf ihren Websites eine sinkende Bezahlmoral festgestellt. Derweil glaubt ein iPhone Entwickler, dass Raubkopien seinen App-Verkäufen eher helfen als schaden.

Nur 26,6 Prozent der Smartphone-Benutzer wollen für App bezahlen

Der “Mobile Effects 2011″-Studie von Tomorrow Focus zufolge will mit 26,6 Prozent nur etwas mehr als ein Viertel der Mobil-Geräte-Benutzer überhaupt Geld für eine App ausgeben. Auffällig ist vor allem, wie sich dieser Wert entwickelt hat: In der letzten Studie vom Mai 2010 lag der Wert noch bei 35 Prozent. Mehr als zwei Euro wollen sogar nur 7,1 Prozent der Beftagten ausgeben – im Mai 2010 lag der Wert noch bei 14 Prozent. 35,1 Prozent der Benutzer haben überhaupt keine Apps auf ihrem Gerät installiert.

iPad-Benutzer sind kostenpflichtigen Apps gegenüber hingegen positiver eingestellt: 81,3 Prozent der Benutzer lesen mit ihrem Apple Tablet Zeitungen, Magazine lesen 50,8 Prozent. Ein Drittel der Befragten ist bereit, dafür fünf bis zehn Euro im Monat zu bezahlen, 13,5 Prozent der Benutzer sogar mehr. Mit 25 Prozent ist der Wert derer, die für digitale Medien überhaupt kein Geld ausgeben wollten, im Vergleich zum Mai sogar gesunken – damals lag der Wert bei 30 Prozent.

Steigende App-Verkaufszahlen durch Raubkopierer

Der iPhone-App Entwickler Daniel Amitay fragte sich derweil, warum die Verkaufszahlen seiner App Punch ‘Em! ab Ende Dezember plötzlich anstiegen. Sein erster Gedanke war, dass es sich um das Weihnachtsgeschäft handeln müsste. Das erklärte aber nicht, warum die Verkaufszahlen bereits kurz nach dem 20. Dezember anstiegen. Der Weihnachts-Effekt für App-Verkäufe sollte eigentlich erst ab Weihnachten selbst einsetzen, da dann viele neue iOS Benutzer durch geschenkte Geräte hinzukommen und viele App-Store Gutscheine erhalten.

Amitay hat deshalb ermittelt, wie viele der Benutzer seiner Apps diese nicht im App Store gekauft, sondern als Raubkopie bezogen haben. Entsprechende Statistiken verglich er dann mit seinen Verkaufszahlen. Sein Befund: Zuerst stieg die Zahl der Raubkopien rasant um ein fast 40-Faches an, dann verdoppelten sich seine Verkaufszahlen. Der Entwickler glaubt, dass die Raubkopien ihm so sogar helfen konnten, da sich plötzlich aufgrund der Mundpropaganda auch Kunden für die App interessierten, die sie nicht illegal kopierten.

Zuvor hatte der Entwickler noch einen Raubkopie-Schutz in die App eingebaut: Startete der Benutzer eine Kopie der App, die nicht aus dem App Store stammte, forderte sie ihn dazu auf, die App zu kaufen. Daraufhin beendete sich die Software selbst. Die Zahl derer, die der Aufforderung zum Kauf nachkamen, lag bei Null.

Daher zieht Amitay den Schluss, dass Raubkopien ihm eher nützen als schaden. Für den Entwickler einer App, die sich bereits in den oberen Positionen der App-Store-Charts befinde, möge dies nicht zutreffen. Suche ein Entwickler aber noch nach Aufmerksamkeit für seine Software, helfe ihm die Aufmerksamkeit der illegalen Kopierer.

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