MoneyMoney: Schickes Online-Banking am Mac

Das Tool stammt aus der Feder von Raureif, einer kleinen Software-Schmiede aus Berlin. Das Unternehmen ist eigenfinanziert und bereits erfolgreich mit iOS-Apps wie Virtual Water* oder EcoChallenge
* im App Store vertreten. Das neueste Projekt von Raureif ist MoneyMoney, eines unter wenigen Online-Banking-Programmen im Mac App Store.
Sympathisch und sicher
Die Benutzeroberfläche von MoneyMoney* macht einen aufgeräumten, übersichtlichen Eindruck. Angenehm fügt sich das Design in das Mac-Betriebssystem ein. Symbole und Texte sind einfach lesbar und heben sich gut vom Hintergrund ab. Für das Programm schafften die Entwickler sogar eine spezielle Schrift an, bei deren Entstehung besonders auf gute Lesbarkeit geachtet wurde. Ebenso wie die Möglichkeit, sich für jedes Konto ein eigenes Symbol in einer von sieben Farben auszusuchen, gehört dies zu den verspielten Details, die das Programm äußerst sympathisch machen.
Doch mit Sympathie allein kann man im Bereich Online-Banking keinen Blumentopf gewinnen. Hier geht es zu allererst um die Sicherheit der eigenen Daten. Und zwar sowohl während der Übertragung an die Bank und zurück, als auch während ihrer Lagerung auf dem eigenen Rechner. Für ersteres setzt MoneyMoney auf das bewährte Homebanking Computer Interface (HBCI). Dabei handelt es sich um einen von der Deutschen Kreditwirtschaft beschlossenen Standard für Übertragung, Datenformate und Sicherheitsmechanismen während des Online-Banking.
Für die Sicherheit der eigenen Transaktionsdaten auf dem heimischen Mac sorgt eine AES-Verschlüsselung mit einer Schlüssellänge von 256 Bit. Der Anwender legt ein eigenes Master-Passwort fest, das bei jedem Start des Programms abgefragt wird (außer es ist im Schlüsselbund von Mac OS X gespeichert, dann muss wiederum das Anmelde-Passwort für den Mac ausreichend sicher sein). Um das Fenster zu sperren, klickt man entweder auf das Schlüssel-Symbol in der oberen rechten Ecke oder erreicht dasselbe mithilfe der Tastenkombination ctrl+cmd+L.
Kein TÜV-Zertifikat: Lieber “Funktionalität und Sicherheit”
Bei den Darstellungen zu Funktionen und Merkmalen auf der Produkt-Seite fällt schnell auf, dass ein TÜV-Siegel, wie man es etwa bei der iOS-Anwendung der Konkurrenz findet, fehlt. Ein Sprecher von Raureif erklärte dazu gegenüber giga.de, dass man als “kleiner Entwickler ohne Fremdfinanzierung” zunächst alle Ressourcen in die Fertigstellung der App gesteckt habe.
Die nicht unerheblichen Kosten der Zertifizierung durch einen TÜV liegen nach Informationen von giga.de je nach Prüfaufwand bei ungefähr 5.000 bis 50.000 Euro. Zwar plane man mittel- bis langfristig eine solche Prüfung um das Vertrauen der Anwender in die Sicherheit der App zu stärken, habe sich momentan aber mehr auf Funktionalität und Sicherheit konzentriert, erklärt man uns.
Balken, Kreisdiagramme und gute Übersicht
Kommen wir also zu den Funktionen des Programms. Wie jede gute Online-Banking-Software bietet auch MoneyMoney die Möglichkeit, mehrere Konten bei verschiedenen Banken gemeinsam zu verwalten. Je Konto zeigt die App mithilfe von Balken die Ein- und Ausgänge über einen gewissen Zeitraum an. Dabei kann zwischen allen Umsätzen, solchen des laufenden Jahres oder Monats, sowie der letzten 30 Tage oder drei Monate gewählt werden.
Zwei Kreisdiagramme stellen darüber hinaus die Ein- und Ausgänge, getrennt nach Umsatzart dar. Lastschriften, Überweisungen, EC-Kartenzahlungen und Daueraufträge werden so fein säuberlich getrennt angezeigt. Eine Live-Suche erleichtert das Auffinden einzelner Datensätze. Sie kann auch mit einem Filter kombiniert werden, der nur bestimmte Umsatzarten einblendet.
Überweisungen: Schlank und Smart!
Steht eine Überweisung an, lässt sich beim ersten Klick auf die entsprechende Schaltfläche am unteren Fensterrand ein kleines, schmales Eingabefenster öffnen. Das ist praktisch, denn man kann es bequem neben auf dem Bildschirm angezeigte Rechnungen oder E-Mails schieben, ohne langes Suchen nach verborgenen Fenstern.
Besonders nett finden wir die Möglichkeit, Überweisungsdaten aus einem PDF-Dokument oder einer E-Mail heraus direkt in das Überweisungs-Formular einfügen zu können. Das nennt sich Sm@rtPaste™ und klappt hervorragend. Man muss nur darauf achten, nicht einfach cmd+v zu drücken, sondern aus dem Drop-Down-Menü Überweisung den Eintrag Einfügen aus Zwischenablage wählen.
Bei jedem folgenden Klick auf die Schaltfläche Überweisung werden die letzten neun Empfänger angezeigt. Diese Funktion soll das Anlegen von Vorlagen ersetzen, da sich einfach aus dem Verlauf die gewünschten Daten ergeben. Leider ist es auf diese Weise aber offenbar nicht möglich, Empfänger-Daten dauerhaft zu speichern.
Für die Authentifizierung der Transaktion stehen mehrere TAN-Verfahren zur Verfügung: Ob iTAN, smsTAN, chipTAN oder eTAN – allen denkbaren Varianten ist in MoneyMoney Rechnung getragen.
Fazit
MoneyMoney ist ein sehr aufgeräumtes Programm, das mit einigen ästhetischen Leckerbissen aufwarten kann. Der alltägliche Zahlungsverkehr lässt sich gut verwalten und dank Growl-Integration wird man auf neue Umsätze mit optischen und akustischen Signalen hingewiesen.
Ein wenig fehlt uns der Vorlagen-Speicher, da die Liste vergangener Transaktionen nur die letzten neun Einträge umfasst. Aktuell sind zudem nur einfache Inlandsüberweisungen möglich, die Unterstützung von Termin- oder Auslandsüberweisungen fehlt noch.
Die mangelnde TÜV-Zertifizierung ist etwas betrüblich und scheint einen gewissen Vertrauensvorschuss seitens der Anwender zu erfordern, schließlich handelt es sich um äußerst sensible Daten, mit denen das Programm hantiert. Dennoch ist auch ein TÜV-Siegel kein Allheilmittel, sondern allenfalls ein Indiz, wie die Kollegen von heise.de in einem ausführlichen Test einschlägiger Anwendungen aus dem Dezember 2010 zeigten. Die dort monierte lückenhafte Verschlüsselung wurde übrigens unmittelbar nach dem Erscheinen des Artikels in der C’t durch die Entwickler behoben.
Letztlich sind es die genannten Sicherheitsstandards HBCI und AES-256, die dafür sorgen, dass die Benutzerdaten vor fremden Zugriffen auf dem Weg zwischen Anwender und Bank sowie auf dem Rechner gut geschützt sind. Aus diesem Grund werten wir das fehlende Zertifikat in diesem Test nicht als Nachteil. Ob dieser Umstand das Vertrauen in eine App beeinflusst oder nicht, muss schließlich jeder für sich entscheiden.
Was bleibt ist ein Entwickler-Team, das mit Herz und Seele hinter seinem Produkt steht und sich von der Konkurrenz durch präzise Funktionsauswahl abzuheben sucht. “Wir wollen nicht das ultimative Banking-Tool für jeden kreieren”, verrät Frank Rausch von Raureif. Statt dessen will man eine schlanke, aber praktische App zur Verfügung stellen, die auf die Grundbedürfnisse des Online-Bankers eingeht, ohne ihn mit Einstellungen und Sonder-Features zu überladen. Das gelingt auch, und zwar zu einem fairen Preis.
MoneyMoney ist für 14,99 im Mac App Store* erhältlich (15 Euro über die Webseite des Herstellers) und benötigt Mac OS X 10.6.
Vorteile
+ Schöne Benutzeroberfläche
+ Einfache Einrichtung/Bedienung
+ Praktisches Sm@artPaste™
+ Vergleichsweise preisgünstig
Nachteile
- Keine Termin-/Auslandsüberweisungen
- Keine Überweisungsvorlagen
Alternativen
Outbank für Mac*
MoneyMoney
Hersteller: Raureif GmbH
Preis: 14,99
macnews.de-Wertung: 4 von 5 Sterne


