Apple bei Arte: Es ist Liebe, Coolness und Glaube

Ralf Bindel
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Mit Steve Jobs Tod fängt sie an, mit der Religion endet sie, die 50-Minuten-Doku, die Arte letzte Woche Dienstag zeigte und die im Arte+7-Archiv noch bis Montag für Genuss und Diskussion bereit steht: Das Coolness-Diktat, ein Muss für jeden Fan und Gegner!

Apple bei Arte: Es ist Liebe, Coolness und Glaube

Was ist es wirklich, was uns an Apple-Produkten fasziniert? Können wir nicht mehr davon lassen, sind wir Fanboys und unsere Freunde verlassen uns, weil wir statt zu ihrem Geburtstag zu kommen lieber in der Schlange vor dem Apple Store stehen und das nächste Kult-Gerät kaufen wollen?

Das ist die zentrale Frage, die am Anfang der Arte-Dokumentation steht, mit der Arte in dieser Woche eine Reihe über Kultmarken einleitete. Weil die Apple-Sendung so viele begeisterte, wollen wir hier noch einmal darauf hinweisen. Noch bis Montag ist die Doku bei Arte online zu sehen, als Flash-Video. Wer es auf dem iPad sehen will, lädt sich zunächst die kostenlose Arte-App* aus dem iTunes-Store.

Um all diese Dinge geht es auch im Film, um Apple, Steve Jobs, iPhone, iPad, iTunes, Mac. Es ist der Versuch, sich die Faszination einer Marke zu erklären, warum und wie sie auf uns wirkt. Dazu reist der Autor zu verschiedenen Experten und lässt sich seine Apple-Sucht von Experten erläutern.

Vom Neurologen geht es ins Hippie-Zentrum Haight-Ashbury in San Francisco, er trifft den ersten Apple-Mitarbeiter Daniel Kottke, der Steve Jobs Innovationsgeist mit ihrem damalogen Genuss psychedelischer Drogen erklärt, kanadische Philosophen berichten ihm vom Zusammenhang zwischen Gegenkultur und Kapitalismus, es geht um Distinktionsgewinn, um Individualität und Auszeichnung in der Masse, um vergoldete iPads und zu kritischer Kunst verbrannte iPads. Schließlich endet der Film (fast) mit der Kirche.

Apple ist die coole Kirche des Konsums, ließe sich das Fazit des Films ziehen. Die Kultmarke Apple zeichnet den Träger aus, Markenidentifikation wird zum Glauben erhoben. Da ist besonders schlimm, wenn ein iPhone zum Abheben aus der Masse nicht mehr reicht, wie die Polemik von Hajo Schumacher in “Apple-Fans entwickeln Apple-Hass“ zeigt.

Damit die besten Frauen den besten Mann erkennen, müssen schon vergoldete iPads oder mit Diamanten besetzte iPhones her. Schließlich schaffen wir es nicht wie manche Tiere, unsere Schwanzfedern einzufärben, um zu zeigen, dass wir die Größten, Stärksten und Besten für die Paarung sind. Heute sind das eben iPhones, und wenn die nicht ausreichen, weil sie alle haben, eben Apps wie “I Am Rich“ oder vergoldete iPhones.

Ach ja, es ist der Versuch einer Erklärung. Die Gründe, warum die meisten Apple-Anwender trotz genügender Kritikpunkte an und um Apple an deren Produkten hängen, sind doch wahrscheinlich eher einfache Bedienung, Virenfreiheit, ergonomisches Design und Produktivität. Gut, ich kenne genügend Dreizehnjährige, die ihr ganzes Taschengeld für einen iPod touch und Apps ausgeben, die Apple tatsächlich einfach cool finden. Cooler jedenfalls als Samsung, trotz oder gerade wegen der fiesen, sich über sie lustig machenden (aber nicht lustigen) Werbefilmchen von denen.

Und es ist wahrscheinlich die Einfachheit, die die Produkte für die meisten von uns so anziehend machen. Da ertragen wir auch den “guten Diktator“, der die Inhalte der App Stores für uns aussucht. Naja, seht selbst, wie das Coolness-Diktat uns bestimmt. Arte hat noch eine ganze Menge mehr an Material angehängt, unter anderem auch einen Fanboy/Apple-Junkie-Test. Könnt Ihr ja mal probieren, ob Ihr es wirklich seid. Über 60 Prozent der Mitmachenden sind es jedenfalls.

Zum Arte+7-Archiv, falls das Flash-Video hier nicht angezeigt wird.

Titelbild: Filmstill aus der Arte-Produktion “Das Coolness-Diktat”

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