Ich würde ja gerne für Apps zahlen, darf aber nicht! [Meinung]

Simon Stich
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Apps sind eigentlich nie kostenlos: Entweder zahlen wir sofort – oder wir müssen uns Werbung anschauen, die oft nervig ist. Im Android-Sektor dominieren kostenlose Apps, die sich über Werbebanner finanzieren. Wer lieber ein paar Euro ausgeben, sich dafür aber Werbung ersparen will, schaut zu oft in die Röhre.

Ich würde ja gerne für Apps zahlen, darf aber nicht! [Meinung]

Viele Apps sind auf den ersten Blick gratis, manchmal sogar auf den zweiten Blick. Bei den digitalen Vertriebsplattformen von Apple und Google wird die Unterscheidung nur monetär durchgeführt. Entweder es wird bezahlt oder eben nicht. Dass es noch andere Dimensionen des „Bezahlens“ gibt, spielt allem Anschein nach keine Rolle. Wir als Kunden denken da auch nicht dran. Warum eigentlich?

Die meisten Apps kosten kein Geld, und selbst wenn, sind es nur wenige Euro. Bei den Bezahl-Apps lautet das Äquivalent eine Tasse Kaffee oder ein Stück Kuchen – oder von mir auch ein Bier in der Kneipe. Trotzdem ist die Hemmschwelle bei vielen Nutzern vergleichsweise hoch. Für eine App Geld ausgeben? Vielleicht macht es auch die „kostenlose“ Alternative. Vielleicht wird die App auch gar nicht gebraucht.

Ganz anders sieht es bei den Apps aus, für die wir kein Geld bezahlen müssen. Kurz die Beschreibung überflogen, einen oder zwei Screenshots angeschaut, passt. So schnell wie sie auf dem Smartphone installiert ist, so schnell fliegt sie oft auch schon wieder runter. Kostet ja nichts.

Einen echten Unterschied gibt es diesbezüglich zwischen Apple und Google. Während im App Store viele Applikationen Geld kosten, gibt es im Play Store von Google oft nur die „kostenlose“ Version mit Werbung. Android-Nutzer geben in der Regel seltener Geld für Apps aus. Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn Entwickler uns auch bei Android die Wahl geben würden.

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Wir bezahlen mit Aufmerksamkeit

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Kommen wir zurück zur Ausgangsthese: Geld ist nur eine von vielen Möglichkeiten, um für etwas zu bezahlen. Wenn etwas vordergründig kostenlos erscheint, dann oft nur, weil das Geld eben anders erwirtschaftet wird. Hier kommt die Werbung ins Spiel. Werbebanner sind nicht nur auf Webseiten allgegenwärtig, sondern auch in Apps. Ob wir da nun draufklicken, oder nicht, ist erst mal nicht relevant.

Relevant ist vielmehr, dass sie existieren. Sie müssen geladen werden, blockieren einen Teil des Displays, passen oft nicht zum Design der App und ziehen zudem auch noch zusätzlich Strom ab. Die Akkus von Smartphones haben sich zwar deutlich verbessert in den letzten Jahren, aber einen Überschuss an Energie haben nicht mal die aktuellsten Geräte. „Mein Smartphone hält einfach zulange durch“ ist ein Satz, den wir wohl auch in absehbarer Zukunft nicht hören werden.

Niemand mag Werbung

Bezahl-Apps sind da ehrlicher. Eine kleine Summe wechselt den Besitzer, der oder die Entwickler freuen sich über die Wertschätzung und sind motiviert, weiter an der App zu arbeiten. Niemand mag Werbung, auch die Entwickler nicht. Sie wird nur in den seltensten Fällen aus Geldgeilheit in eine App integriert: Entwickler haben früh verstanden, dass eine „kostenlose“ App sich schneller verbreitet und eher heruntergeladen wird. Eine Bezahl-App hingegen hat eine kleinere Nutzerschaft, die dafür aber loyaler ist – sie haben schließlich bezahlt, mit Geld wohlgemerkt.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wir bezahlen für jede App, manchmal mit Geld, manchmal mit Aufmerksamkeit, Zeit und Energie. Jeder darf gerne so viel oder so wenig für Apps zahlen, wie er oder sie gerne möchte – nur im Android-Sektor würden wir uns wenigstens wünschen, noch die Wahl zwischen Bezahl-App oder einer kostenlosen Variante zu haben und nicht ausschließlich die werbefinanzierte Form vor die Füße geschmissen zu bekommen.

Die in diesem Artikel ausgedrückten Ansichten und Meinungen sind die des Autors und stellen nicht zwingend den Standpunkt der GIGA-Redaktion dar.

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