Alan Turing: So funktioniert das Google-Doodle mit der Rechenmaschine

Google ehrt einen der wichtigsten Theoretiker der Computerentwicklung: Alan Turing wäre heute 100 Jahre alt geworden. Der Suchmaschinen-Schriftzug ist eine interaktive Rechenmaschine im Sinne seiner bahnbrechenden “Turingmaschine”, der Vorlage für alle heutigen Computer. Wir erklären, wie das Doodle funktioniert – und warum Turing auch als Pate vom Apple-Logo gilt.

Alan Turing: So funktioniert das Google-Doodle mit der Rechenmaschine

Der britische Mathematiker Alan Turing (1912-1954) ist heute vor allem für die Entschlüsselung der “Enigma” bekannt, die den Zweiten Weltkrieg entscheidend beeinflusste. Sein Gegenmodell zur deutschen Kryptographie-Maschine, die “Turing-Bombe”, ermöglichte das Mitlesen von deutschen Funksprüchen und Nachrichten. In der Welt der Informatik ist er aber vor allem durch seinen Aufsatz “On Computable Numbers, with an Application to the Entscheidungsproblem” von 1936 bekannt, in dem er (theoretisch) einen Computer entwirft, der jede (durch einen Algorithmus gestellte) mathematische Berechnung auch lösen kann – die sogenannte “Turingmaschine“. Auf der heutigen Google-Suchseite ist genau eine solche Turingmaschine zu sehen.

Nach dem Krieg arbeitete Turing an der Entwicklung der ersten Computergeneration mit, am ACE und dem Mark I in Manchester, Aufsehen erregte auch seine Außeinandersetzung mit dem Konzept künstlicher Intelligenz: Sein “Turing-Test” wird auch heute noch als Überprüfung von KI eingesetzt. Die simple Logik: Wenn ein Fragesteller anhand von Antworten nicht zwischen einem Menschen und einer Maschine unterscheiden kann, wird der Maschine künstliche Intelligenz zugesprochen. Nebenher schuf Turing, der selber ein exzellenter Schachspieler war, auch einen der ersten Schachcomputer (1952).

Alan Turing – auch verantwortlich für das Apple-Logo?

Aber Alan Turing war nicht nur ein entfernter Pionier der Informatik, auch heute leuchtet uns eine Erinnerung an ihn überall entgegen – wenn man einigen Medienberichten glauben will: Der angebissene Apfel vom Apple-Logo. Der Wissenschaftler wurde von 1952 an wegen Homosexualität verfolgt und zu einer psychiatrischen Behandlung und medikamentösen “Therapie” verurteilt, die ihn letztlich in den Selbstmord trieb – was mit einem vergifteten Apfel geschah. Einige Medienberichte führen das Logo von Apple aufs Andenken an Alan Turing zurück. Auch wenn das in den Bereich der urbanen Mythen gehört, ist es doch eine Geschichte, die es zu erzählen gilt.

Und so ist es ein passender Zufall, dass Alan Turings 100. Geburtstag genau mit dem heutigen Christopher Street Day zusammenfällt, zu dem Google mit “gay pride” schon länger ein Easter Egg eingerichtet hat.

Alan Turing – So funktioniert das Doodle

Wie das offizielle Google-Blog schreibt, soll die Startseite eine echte Turing-Maschine emulieren: Ein abstrakter Computer mit einem Speicherband und einem Schreibkopf, der durch nur die Operationen Lesen, Schreiben und Kopf Bewegen sämtliche berechenbaren Aufgaben lösen kann.

Im Doodle-Rätsel wird rechts oben die Lösung angezeigt, die im unteren Bereich durch eine echte Programmierung erreicht werden muss. Jede der gestellten Aufgaben entspricht einem Buchstaben vom Google-Schriftzug links oben – am Ende hat man die Buchstaben in Farbe.

Alan Turing Doodle

Mit dem Grünen Pfeil-Knopf startet man das Doodle-Rätsel. Die orangenen Knöpfe geben dann Funktionen an, die per Klick umgeschaltet werden können. Nach einem weiteren Klick auf den grünen Pfeil werden die Operationen in den runden Punkten von links nach rechts ausgeführt (auch die, die man nicht verändern kann).

In diesem Beispiel: Der erste Knopf zeigt einen Pfeil nach links, der Schreibkopf wird auf dem Band also eine Position nach links geschoben. Zweiter Knopf: Eine Wenn-Dann-Bedingung – ist der Wert beim Schreibkopf gleich dem vorher eingestellten Wert (in diesem Fall also leer), wechsle in die zweite Reihe. In der zweiten Reihe wird dann eine 0 geschrieben (Zahlen auf Knöpfen heißt immer: Diese Zahl schreiben). Ist der Wert nicht gleich dem eingestellten Wert, folgt die Maschine weiter der ersten Reihe – und schreibt eine 1 (ergibt also in diesem Fall nicht die Lösung).

In der nächsten Runde taucht noch eine Schleifen-Operation auf, und das war’s schon an Elementen. Die wollen jetzt nur jede Runde richtig eingestellt werden. Pro Runde werden die Programmier-Aufgaben in der binären 1/0-Logik schwerer, man kann herumprobieren oder am Ende mit Schleifen und Wenn-Dann-Bedingungen alles vorher durchrechnen…

Wer sich das eigene Rätseln und Tüfteln sparen will, hier ein Video mit den Lösungswegen, wie es funktioniert:

Erfahrungsgemäß verschwindet zwar das Doodle um 24 Uhr von der Google-Suche, wird aber weiterhin im offiziellen  Doodle-Archiv verfügbar sein; wie das vor einigen Wochen Aufsehen erregende Moog-Synthesizer-Doodle, das Les-Paul-Doodle oder das Pac-Man-Spiel. Aber jetzt viel Spaß beim Knobeln!

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