Robert Moog: So funktioniert das Synthesizer-Google-Doodle

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Zum Geburtstag von Musik-Pionier Robert Moog installiert Google einen voll funktionsfähigen Synthesizer auf seiner Suchseite. Wer schon immer mal einen legendären Minimoog spielen wollte, ohne den es keine Kraftwerk, nicht den Sound von Funk, New Wave oder Synthpop gegeben hätte, kann ihn als Google-Doodle ausprobieren. Und so geht’s.

Robert Moog: So funktioniert das Synthesizer-Google-Doodle

//Update 24.5.: Das Synthesizer-Doodle steht zwar nicht mehr auf der Suchseite, ist aber im Archiv von Google weiterhin spielbar: Hier geht’s direkt zum Moog-Doodle.//

Es gibt nicht viele Erfinder, deren Name gleich als Synonym für ein ganzes Instrument gilt. Als Robert Moog (1934-2005) im Jahre 1964 sein modulares Synthesizer-System vorstellte, war das eine Revolution. Eine Schrankwand, die rein elektronisch einen nie zuvor gehörten Klang erzeugen konnte. 1968 machte das Album “Switched-On Bach” von Walter Carlos das Instrument auf einen Schlag bekannt, wurde zum Bestseller und bescherte Bob Moog bereits als 36-Jährigem den Grammy. Dank der fortschreitenden Miniaturisierung von Transistor-Technologie konnte Robert Moog 1970 seinen Minimoog vorstellen: Den ersten Kompaktsynthesizer mit integrierter Klaviatur, der in den 70ern in keinem Studio fehlen sollte und so unterschiedliche Musiker wie Frank Zappa, Kraftwerk, John Cage, Emerson Lake & Palmer, Pink Floyd, Tangerine Dream oder Stevie Wonder befeuerte.

Die verschiedenen Synthie-Modelle von Robert Moog, wie der Taurus, Prodigy (nach dem sich die Band benannte), Micromoog oder Liberation (der erste wie eine Gitarre umhängbare Synthesizer) beeinflussten maßgeblich den Sound der 70er und 80er, in der Popmusik allgemein, in Funk, Disco, New Wave oder ProgRock. Bands wie Genesis, U2, Rush, The Police, aber auch NDW-Vertreter wie Nena oder die Spider Murphy Gang nutzten Moogs, sei es als fetter Bass, für Harmonieflächen oder als Melodieinstrument. In den HipHop erfuhr der Moog Einzug (Dr. Dre, Warren G, Snoop Dogg), und in den 00er Jahren kam es trotz (oder wegen?) der Digitalisierung zu einer Renaissance des analogen Synthesizers mit Acts wie Radiohead, Air, Franz Ferdinand, Daft Punk oder MGMT.

Das Robert-Moog-Doodle – Aufnehmen mit 4-Spur-Gerät

Das heutige Logo auf der Google-Startseite emuliert zu Robert Moogs 78. Geburtstag einen Minimoog (jedenfalls annähernd), und schließt auch ein 4-Spur-Gerät an, mit dem man Aufnahmen machen kann, speichern und teilen.

Die Bob-Moog-Foundation hat sogar einen Wettbewerb ausgerufen, bei dem man die eigenen Kompositionen einschicken kann und ein Collector’s Pack gewinnen – das die original Minimoog- und Moog-Modular-Software enthält, im Wert von 300 Dollar.

Und so funktioniert das Moog-Doodle:

Zur Bedienung des Minimoog muss man im Hinterkopf behalten, dass er monophon ist, d.h. nur einstimmig. Alle Einstellungen zusammen ergeben einen Klang.

Hier die Übersicht aus dem offiziellen Google-Blog (mit Klick aufs Bild öffnet sich die gesamte Grafik):

robert moog doodle

Die Kurz-Anleitung: Auf dem Panel oben sind erstmal diverse Knöpfe, die den Sound einstellen lassen. Links die Lautstärken, einmal Gesamtlautstärke, dann für die drei Oszillatoren (untereinander), die man im zweiten Feld einzeln einstellen kann. Jeder der drei Oszillatoren hat Einstellungen für Octave, Tuning und Waveform (bzw. der zweite kommt ohne Tuning aus) – also in Tonhöhe und Klangeigenschaften. Die Mischung dieser Regler ergibt die Basis – sei es eine Fläche oder einen Bass.

Im nächsten Feld “Filter” wird der Sound maßgeblich eingestellt – der Klang der Oszillatoren geht durch die Filter. Hier kann man einiges durchprobieren. Nur ein Knopf passt da eigentlich nicht ganz rein, der Portamento-Regler in der Mitte links im “Filter”-Segment. Der bestimmt, ob die gespielten Töne ineinander sliden, ziemlich funky.

Im vierten Feld “Envelope” wird eingestellt, wie der Lautstärkenverlauf jedes angespielten Tons aussieht. Der erste (“Attack”) legt die Startlautstärke fest bzw. wie schnell das Gesamtvolume erreicht wird, der zweite die Lautstärke am Ende (“Decay”). Der dritte Knopf “Sustain” stellt ein, wie lange der Sound nach Loslassen der Taste noch nachklingt.

Und dann ist da noch der 4-Track-Recorder: Die vier Spuren kann man durch anklicken der Tachos anwählen, mit dem runden roten Aufnahmeknopf wird mitgeschnitten. Wählt man eine neue Spur an und drückt auf Aufnahme, werden die zuvor aufgenommenen Spuren mit abgespielt.

Wer dann etwas aufgenommen hat, kann über den Google+-Button oder den Link-Button seine Komposition teilen oder verschicken.

In einem 15-minütigen Video demonstriert Marc Doty die Funktionen des Doodle-Minimoogs im Einzelnen (auf Englisch):

Das Doodle lässt sich über Tastatursteuerung auch live als Instrument spielen, wie das folgende Video demonstriert. In unserem Test funktionierten nur die weißen Klaviertasten mit den Ziffern 1 bis 0 auf dem Keyboard, bei US-English-Tastaturen sollen auch die Buchstaben der QWERTY-Reihe spielbar sein.

Erfahrungsgemäß verschwindet zwar das Doodle um 24 Uhr von der Google-Suchseite, wird aber weiterhin im Doodle-Archiv verfügbar sein; wie das ähnlich magische Les-Paul-Doodle, die Reißverschluss-Startseite oder das Pac-Man-Spiel. Aber jetzt viel Spaß mit dem Minimoog!

Weitere Themen: Google Suche, Google


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