Kommentar: Smart-Home-Produkte sind unzuverlässiges Spielzeug

Sebastian Trepesch
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Heute morgen kam ich in mein Wohnzimmer – es hatte dort überraschende 28 Grad. Nanu, ist endlich der Hochsommer ausgebrochen? Nein, es war vielmehr der Beweis, dass Smart-Home-Steuerung noch nicht zuverlässig ist.

Kommentar: Smart-Home-Produkte sind unzuverlässiges Spielzeug

Mein „smartes“ Heizkörperthermostat entschied sich über Nacht dazu, die Raumtemperatur hochzujagen. Ein willkommener Beleg für meine These, die ich erst ein paar Tage vorher aufstellte: Die neuen Smart-Home-Lösungen sind aktuell weder ernstzunehmend noch zuverlässig noch smart. Sondern lediglich ein Gadget. Wir reden jetzt nicht von den Haussteuerungen, die schon seit vielen Jahren mit einem Großeinsatz von Kabeln und Rechnern installiert werden. Sondern über Produkte wie Philips hue, tado, Nest, Elgato Eve & Co., die über Apps und Betriebssysteme gesteuert werden.

Nutzanstiftend – im Bestfall

Was leisten die Smart-Home-Produkte? Im Bestfall steuern sie Lichtszenen, regeln die Raumtemperatur, schalten die Steckdose an und aus und kontrollieren, wer zur Tür hineinkommt. Und das nicht nur über eine App, sondern auf Zuruf.

Ja, das kann sehr komfortabel sein. Kann.

Wie Smart-Home-Geräte über iOS gesteuert werden, hier im Video:

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Home-App in iOS 10

Umständlich und unzuverlässig – in der Praxis

Doch in der Praxis nervt zu viel:

1. Bekomme ich Besuch, muss ich in einem Kraftakt die Funktionsweise des Lichts erklären: „Das Licht ist immer an, auch wenn es nicht leuchtet. Deshalb eventuell zweimal auf den Lichtschalter drücken, damit es angeht.“ Fragezeichen sind vorprogrammiert.

2. Die smarten Sprachassistenten verstehen manchmal nicht, was gemeint ist. Siri sowieso, doch auch Alexa kommt nicht über einzelne vordefinierte Befehle hinaus: „Schalte alle Lichter aus“ – „Ich habe alle Lichter nicht gefunden“. Das ist alles andere als smart.

3. Alles braucht einen Stromanschluss oder Batterien. Sogar der Blumentopf.

4. Läuft nicht alles über einen Hersteller (und das ist fast unmöglich), wird die Einrichtung des Smart Home schnell kompliziert und/oder unübersichtlich, zudem müssen alle Begrifflichkeiten penibel gewählt werden. Mit etwas Zeit und Erfahrung ist das zu meistern – beides dürfte vielen Nutzern aber fehlen.

5. Updates wollen installiert werden – und die legen zumindest kurzzeitig sogar Lampen und Geräte lahm.

6. Ist niemand in der Wohnung, ist mein Router aus – aus Energiespargründen. Komme ich nach Hause, funktioniert der smarte Lichtschalter in den ersten Minuten nicht, weil er auf das Netzwerk warten muss.

Das sind meine persönlichen Einschränkungen, die am Komfort kratzen. Und abgesehen vom Regelbetrieb ist da ja noch etwas ...

Die nächste Heizkostenabrechnung kommt bestimmt

7. Bugs und Sicherheitslücken. Während man einem Betriebsystem einen Fehler noch verzeihen mag, ist es bei Licht, Heizung und Sicherheitslösungen im Haushalt ein No-Go. Was ist, wenn man eine Woche nicht zu Hause ist und die Heizung auf 28 Grad heizt? Oder das smarte Türschloss nicht mehr sperrt?

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Vielleicht habe ich ja das Thermostat falsch installiert. Allerdings: Die letzten zwei, drei Monate habe ich es weder am Regler, noch in der App angesteuert, noch gab es in den letzten 24 Stunden eine drastische Änderung der Raumtemperatur. Der Fehler kam folglich sehr überraschend.

Thermostat ausdrehen half heute morgen genauso wenig wie über die App abschalten: Es lief fleißig heißes Wasser nach. Also nahm ich die Rohrzange zur Hand und schraubte wieder den normalen Regler an.

Meine Heizung ist vorerst wieder dumm, aber funktionstüchtig.

Weitere Themen: Amazon Echo, Tado Heizkörperthermostat

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