E-Book-Preisabsprachen: Apple in USA zu 500 Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt

von

Der Streit um mutmaßlich illegale Preisabsprachen zwischen Apple und E-Book-Verlegern könnte für den iBookstore-Betreiber teuer werden: Dem jüngsten US-Urteil zufolge muss Apple rund 500 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen. Derweil gilt das Ende der Preisabsprachen in Europa jetzt für alle Verlage.

E-Book-Preisabsprachen: Apple in USA zu 500 Millionen Dollar Schadensersatz verurteilt

In der Zeit vor dem iBookstore war das “Großhandel”-Modell (“Wholesale”) auf dem E-Book-Markt vorherrschend: Verlage verkauften ihre digitalen Titel zu einem Fixpreis an E-Book-Store-Betreiber – allen voran Amazon. Die Store-Betreiber konnten dann festlegen, zu welchem Preis sie die Titel an Endkunden weitergeben wollen. Im Fall von Sonderangebot-Aktionen konnte dieser Preis auch unter demjenigen liegen, den die Betreiber zuvor mit den Verlagen vereinbart hatten.

Dann kam Apple mit dem iBookstore hinzu – und schloss Verträge, die sich an einem anderen Verkaufsmodell orientierten. Das “Agenturmodell” sah vor, dass die Verleger selbst festlegen konnten, wie hoch der Preis für die Endabnehmer sein soll. Apple behielt wiederum 30 Prozent des Umsatzes ein – ähnlich, wie es das Unternehmen auch mit Apps oder Musik tut. Hinzu kam jedoch eine “Meistbegünstigungsklausel”, der zufolge die Verleger ihre Titel nirgendwo sonst günstiger anbieten durften.

Diese Kombination führte dazu, dass auch andere Store-Betreiber aufs Agenturmodell umstellten, die Verleger also auch dort die Preise festlegten und sie somit nirgendwo niedriger waren als im iBookstore. Eben das war Wettbewerbshütern sowohl in den USA als auch in Europa ein Dorn im Auge.

Mit der Europäischen Kommission haben sich Apple und die Verlage im letzten Jahr geeinigt; Apple gab die Meistbegünstigungsklausel auf. Mit Penguin hat sich jetzt auch der letzte Verlag gegenüber der Kommission bereit erklärt, das Agenturmodell in Verträgen mit anderen Store-Betreibern aufzugeben und bestimmt, dass die Meistbegünstigungsklausel keine Anwendung mehr findet. Die Vereinbarung mit der Kommission ist somit für alle Verlage und Apple rechtlich bindend.

In den USA ging der Fall wiederum vor Gericht: Dort hatten sich zwar die Verlage zu einer Einigung mit dem Justizministerium bereit erklärt, Apple wollte sich darauf jedoch nicht einlassen. Kürzlich ist Apple zumindest erstinstanzlich zu einer Schadensersatzzahlung verurteilt worden, deren Höhe nun bekannt wurde: Anhand dessen, welche Summe die betroffenen Verlage bezahlen mussten, lässt sich errechnen, wie hoch die von Apple geforderte Zahlung ist. Insgesamt muss Apple 490,5 Millionen US-Dollar bezahlen – wobei das Unternehmen bereits angekündigt hat, Rechtsmittel gegen diese Entscheidung einzulegen.

Weitere Themen: Apple


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA APPLE

Anzeige
GIGA Marktplatz