iMessage vs. SMS: 20 Milliarden US-Dollar stehen auf dem Spiel

Flavio Trillo
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Zur Ankündigung von iMessage als Teil des neuen iOS 5 im Juni dieses Jahres zeigten sich die deutschen Mobilfunkanbieter gelassen. Man sehe den “SMS-Killer” nicht als Gefahr, da die Funktion nur unter iPhones verfügbar sei. Anders in Übersee, wo jährlich bis zu 20 Milliarden US-Dollar mit Kurznachrichten umgesetzt werden. iMessage, What’s App* und Pinger* machen sich auf, der SMS den Rang abzulaufen.

Der Versand von Kurznachrichten mit je höchstens 160 Zeichen bringt den Anbietern enorme Margen. Es handelt sich nämlich um eine Art Abfallprodukt der ohnehin notwendigen Kommunikation der Geräte mit den Funkmasten. Die SMS wird über einen Kontrollkanal gesendet, was die Kosten laut Experten extrem gering hält.

Nach Schätzungen von Professor Srinivasan Keshav von der Universität Waterloo liegt der “Wareneinsatz” für AT&T und Co. bei etwa einem drittel US-Cent, oder knapp einem viertel Euro-Cent. Der Anwender zahlt dagegen hierzulande zwischen 8 und 30 Cent pro Nachricht, was einer “Bruttomarge” von bis zu 11.900 Prozent entspricht.

Rechne man die Datenmenge einer SMS (ca. 0,13 Kilobyte) und die Kosten von etwa 0,20 US-Dollar in Bits und Bytes um, entspräche dies der New York Times zufolge 1.500 US-Dollar für den Transfer eines Megabytes über das Funknetz. Ein Stolzer Preis, insbesondere wenn man die Gebühr für den Versand der gleichen Menge im Rahmen eines typischen 2-Gigabyte-Datentarifs zugrunde legt, der bei 1,25 US-Cents liege.

Solange sich alternative Messaging-Dienste wie iMessage auf einzelne Geräte oder Plattformen beschränken, sei das Problem überschaubar. Doch in den Niederlanden habe die große Beliebtheit von sozialen Netzwerken und den damit verbundenen Nachrichtensystemen bereits erheblich auf die SMS-Umsätze eingewirkt – zum Leidwesen der Mobilfunkanbieter.

Außerdem steht nirgends geschrieben, dass Apple iMessage nicht auch für andere Betriebssysteme öffnet und damit die Kompatibilität mit Android-Smartphones herstellt. Dann gäbe es kaum noch Gründe, SMS zu schreiben. Außer an das eine Windows Phone, das dem entfernten Onkel gehört, der sowieso immer schon ein Sonderling war.

Greg Woock von der iOS- und Android-App Pinger fasst das Offensichtliche zusammen: “Letztlich dreht sich alles um die Ökonomie und “gratis” ist ein überzeugendes Argument”.

In Deutschland sind spezielle Tarifoptionen für den Kurznachrichtenversand nicht die Regel. Vielmehr bieten die meisten Unternehmen eine bestimmte Anzahl von Frei-SMS als festen Bestandteil ihrer Tarife. So besteht zumindest nicht die Gefahr, dass sich die Kunden gegen eine solche Sonder-Option entscheiden könnten, wie es in den USA gefürchtet wird.

Anbieter AT&T ordnet seine Produkte schon jetzt neu, und stellt Kunden vor die Wahl: Entweder 20 US-Dollar pro Monat für unendlich viele SMS oder 20 Cent für jede gesendete und empfangene Nachricht. Vielleicht liegt die Antwort in höheren Gebühren für die Datentarife um die fehlenden Umsätze auszugleichen. Vielleicht führt die SMS bald ein Schattendasein als Relikt aus einer Zeit, in der König war, wer mglst v Info auf engm Rm untrbrgn knnte.

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