SMS-Killer iMessage: Apple gegen die Mobilfunkkonzerne

Sebastian Trepesch
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Aus den USA erreichte uns die Meldung, dass Mitarbeiter eines großen deutschen Mobilfunkanbieters milde gesagt “wütend” über Apples iMessage seien. Kein Wunder, die iOS 5-Funktion macht zur Freude der iPhone-Besitzer die SMS teilweise überflüssig. Mit den Kurznachrichten machen die Telefonanbieter aber noch ordentlich Geld.

Verlässliche Zahlen, wie viel Gewinn die SMS den Mobilfunkanbietern einbringt, sind nicht zu finden. 41,3 Milliarden Kurznachrichten versendeten die Deutschen 2010 laut Bitkom. Das macht im Durchschnitt 500 Stück pro Bürger. Eine Steigerung wie in den Vorjahren ist auch für 2011 zu erwarten: „Die SMS ist kein Auslaufmodell, sondern wird als Kommunikationsmittel immer beliebter“, weiß Bitkom-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Die Umsätze sinken aber, viele der Kurznachrichten werden im Rahmen von Flatrates oder Paketen versendet. Ohne solche Angebote gebucht zu haben, reicht der Einzelpreis von 8 bis 29 Cent für die 160 Buchstaben. “Die SMS ist wirtschaftlich relevant und zählt zu den fest eingerechneten Umsatzgrößen”, sagt Alexander von Schmettow, Pressesprecher bei der Deutschen Telekom.

iMessage als SMS-Ersatz

Apple bringt mit dem neuen iPhone-Betriebssystem iOS 5 im Herbst eine neue Funktion auf seine Telefone: iMessage. Es ist eine Art Chat-Fenster, in dem sich zwei Gesprächspartner Nachrichten hin- und herschicken können. Im Prinzip ist das ähnlich wie in einem Messengerdienst (ICQ etc.), und fast genauso wie bei der App “Whats App”.

Apples Funktion hat dennoch eine große Besonderheit: Die Übertragungswegen vermischen sich in iMessage. Normalerweise wird die Botschaft aus dem Fenster per SMS versandt. Erfährt das iPhone aber, dass der Gesprächspartner ebenfalls ein Apple-Telefon hat, wählt die Funktion automatisch den Weg über das Internet und die Apple-Server. Cult of Mac beschreibt in einem Walkthrough, wie es funktioniert. Welche qualitativen Bedingungen für die Identifizierung erfüllt sein müssen, hat macnews.de hier untersucht. Für die Nutzer ist das Procedere jedenfalls eine komfortable Methode, Geld zu sparen: Smartphone-Besitzer haben normalerweise eine Datenflatrate, SMSen sind in den Tarifen aber nur manchmal beziehungsweise bis zu einer bestimmten Anzahl kostenlos. Darüber hinaus wird es schnell teuer.
Haben Freunde und/oder Bekannte auch nur teilweise ein iPhone 3GS oder iPhone 4 mit dem im Herbst erscheinenden Betriebssystem (und die Apple-Besitzer updaten ihre Geräte im Gegensatz zu den Android-Nutzern schnell), kann die neue Funktion die SMS-Gebühren schnell senken.

Und damit die Gewinne der Mobilfunkbetreiber – Man muss schon fast sagen: Apple denkt an die Nutzer, und trickst seine Geschäftspartner aus. (Randbemerkung: Natürlich denkt das Unternehmen auch an sich selbst. Es geht damit einen Schritt weiter in Richtung großen Messaging-Service. Videotelefonie mit Facetime machte den Anfang.)

Was sagen die Mobilfunkanbieter dazu?

Die Mobilfunkanbieter, die wissen noch von nichts. Wie immer hat Apple im Vorfeld die Informationen geheim gehalten. Nicht nur gegenüber den Kunden und der Presse, sondern auch gegenüber den Geschäftspartnern. Am Montagabend wurde das neue Betriebssystem iOS 5 mit iMessage auf der Keynote zur Apple-Konferenz WWDC vorgestellt.

Ein großer deutscher Mobilfunkanbieter soll sehr verärgert, wütend sein, wurde uns aus dem WWDC-Umfeld mitgeteilt. Man überlege nun, wie man gegenüber dem iPhone-Hersteller reagieren solle.

Offizielle Stellungnahmen von Vodafone und o2 blieben bislang noch aus, nur die Telekom äußerte sich gegenüber macnews.de. Dort sieht man der Funktion gelassen entgegen: “Die Auswirkungen dürften nach aktuellem Sachstand überschaubar bleiben”, so von Schmettow. Kein Wunder, die iPhone 3GS- und iPhone 4-Modelle, die iMessage unterstützen können, machen nur einen Bruchteil der Telekom-Handys aus. Wenn nun auf diesen Telefonen wiederum ein Teil der Kurznachrichten als iMessage statt als SMS verschickt wird, wird das in den Geschäftszahlen noch nicht so schnell zu sehen sein. Problematisch ist für die Mobilfunanbieter viel mehr der allgemeine Trend von sinkenden Telefon- und SMS-Einnahmen, obwohl die Netze trotzdem ausgebaut werden müssen.

Laut von Schmettow werden in den aktuellen Telekom-Tarifen Messenger-Dienste, wie es iMessage sein wird, nicht ausgeschlossen oder extra berechnet. “Durch What’s App haben wir keine dramatischen Einbrüche erlebt”, sagt von Schmettow über den ähnlichen Dienst einer Nicht-Apple-Anwendung auf dem iPhone. Das impliziert aber auch, dass der SMS-Versand tatsächlich zurückgegangen ist. Für Voice over IP (zum Beispiel Skype) verlangt die Telekom übrigens  eine extra Tarifoption.

Verstärkung eines Trends

Die SMS an sich ist aufgrund des geringen Datenvolumens und der vergleichsweise hohen Tarife für Vodafone, Telekom und Co. eine wahre Goldgrube. Im Umfeld von iPhone-Freunden wird der SMS-Zähler viel, viel langsamer laufen. iMessage wählt automatisch einen anderen Übertragungsweg, und das ist der Punkt, was die Funktion beliebt und die SMS so rar machen dürfte.

Doch die Apple-Welt ist zu klein, um den Mobilfunkkonzernen gefährlich werden zu können (zumal ja auch iPhone-Besitzer SMS auf Smartphones anderer Hersteller verschicken müssen). Anders könnte es werden, wenn Google nachzieht und einen ähnlichen Dienst für die Android-Geräten anbietet. Dann dürften die SMS-Umsätze der Mobilfunkanbieter deutlicher sinken.

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