2011: Das Jahr, in dem Android explodieren könnte.

Amir Tamannai
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Keine Angst, Eure Ohren sind sicher, denn “explodieren” ist hier nicht wörtlich zu verstehen. Vielmehr geht Seth Weintraub, Autor für den Fortune-Blog von CNN Money.com, davon aus, dass das Android-OS im kommenden Jahr in Sachen Verbreitung einen weiteren gewaltigen Schritt nach vorne machen wird. Das Interessante an seinem Artikel: Weintraub konzentriert sich in seinen Thesen weniger auf technische oder funktionale Vor- und Nachteile von Android, sondern richtet sich einfach danach, was die Welt beherrscht: das liebe Geld.

2011: Das Jahr, in dem Android explodieren könnte.

Die Grundthese Weintraubs ist simpel: Immer günstigere Hardware und eine immer bessere Netzabdeckung werden immer mehr Menschen veranlassen, sich ein Smartphone zu kaufen. Dieser Trend wird durch die Verkaufzahlen der vergangenen beiden Jahre bestätigt, so gingen 2009 weltweit circa 170 Millionen Geräte über die (meist virtuelle) Ladentheke, 2010 waren es bereits 270 Millionen. Und 2011 könnten es bis zu 500 Millionen werden.

So weit, so gut — was hat das explizit mit Android zu tun? Grob zusammengefasst prophezeit Weintraub deutlich günstigere Hardwarepreise — ein Super-Smartphone wie das Nexus S, dass aktuell rund 530 Dollar kostet, könnte in einem Jahr für weniger als die Hälfte erhältlich sein. Dies liegt nicht nur an der größeren Verbreitung von Smartphones, sondern auch an massiv sinkenden Kosten für die verbauten Chips. Broadcom und andere Big Player im Mobilfunk-Chip-Geschäft haben bereits Standard-Hardware zu Spottpreisen angekündigt. Im Schnitt sollen Smartphones auf dem technischen Niveau aktueller High-End-Geräte bis Jahresfrist für rund 100 Dollar ohne Vertrag erhältlich sein. Dies wird zu einer weiteren massiven Verbreitung von Smartphones führen, was wiederum sinkende Providerkosten mit sich bringen wird.

Stellt sich immer noch die Frage: Wo ist nun der konkrete Bezug zu Android? Interessanterweise spricht Weintraub diese Frage trotz der reißerischen Überschrift nicht direkt an. Implizit postuliert er aber, dass Android neben iOS zurzeit das einzige Smartphone-OS sei, das mit einem solchen Wachstum mithalten könnte. Und er unterstellt Apple, dass die Macher des vor einiger Zeit vielleicht einzig wahren und brauchbaren Smartphones, keinen Plan und auch gar keine Intention haben, einen etwaigen Preiskampf/Preisverfall auf dem Markt mitzugehen. Stattdessen würde Apple lieber den Weg einschlagen, den sie in all den anderen Sparten, die sie bedienen, auch gewählt haben: Edle und vor allem hochpreisige Produkte an eine ausgewählte Klientel zu verkaufen.

Damit wäre — in Ermangelung anderer ernsthafter Konkurrenz — der Weg für Android frei, das meist verbreitete Smartphone-OS zu werden.

Ich persönlich möchte mich zu diesem Thema der Meinung von MG Siegler von unseren Kollegen bei TechCrunch anschließen. Siegler hat sich ebenfalls Gedanken zum Thema gemacht und bestätigt Weintraubs Thesen, hat aber auch eine berechtigte Sorge (frei übersetzt):

“Apple wird kaum versuchen, iOS zu öffnen oder den Markt mit zahlreichen iPhone-Varianten zu überschwemmen, nur um ‘dran zu bleiben’. Ein Wettrüsten mit Android kann Apple also nicht gewinnen, weil sie es gar nicht versuchen werden — die fühlen sich im obersten Marktsegment sehr wohl. Da machen sie massig Umsatz — viel mehr als Google mit Android.

Was mich beunruhigt, ist die Aussicht, dass Android mit Apple das machen könnte, was Windows mit Apple in den 1990ern gemacht hat: Sie beinahe auszulöschen. Auch wenn es heute genügend Anzeichen gibt, dass das diesmal so nicht geschehen wird — Geschichte wiederholt sich zuweilen nun mal: Was wäre zum Beispiel, sollte es plötzlich kostenlose, über die Google-Suche finanzierte Smartphones geben? Könnte das iPhone unter solchen Voraussetzungen überleben?

Es ist mir im Prinzip egal, ob iOS oder Android, Apple oder Google Marktführer ist — ich möchte lediglich die Möglichkeit haben, beim Smartphone/Tablet-Kauf auswählen zu können.”

Es bleibt definitiv spannend — ich freue mich auf 2011 und das, was wir in Sachen Smartphones und Tablets von allen Protagonisten erwarten dürfen.

Fortune

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