Android gegen iOS: Battleheart-Entwickler über Programmierung und Distribution

Amir Tamannai
13

Vor zwei Wochen hatte ich euch das ziemlich geniale Android-Game Battleheart vorgestellt. Das Spiel ist noch nicht lange für Googles Mobil-OS zu haben und schon ein echter Verkaufsrenner. Auf seinem Blog Mika Mobile hat sich nun der Entwickler der App über die Vorteile aber auch die Nachteile der Entwicklung und Vermarktung von Anwendungen für Android im Vergleich zu iOS geäußert.

Android gegen iOS: Battleheart-Entwickler über Programmierung und Distribution

Zum Verständnis: Battleheart ist bereits seit längerem in Apples App Store für das iOS verfügbar. Entwickler Mika Mobile hat also tiefgreifende Erfahrungen, was die Entwicklung für und die Vermarktung auf dieser Plattform angeht. Android hingegen ist auch für die Mika Mobile in vielerlei Hinsicht Neuland gewesen. Nachdem Battleheart nun aber seit ein paar Wochen im Android Market erhältlich ist, darf ein erste Fazit gezogen werden:

Was dem Entwickler gleich und besonders positiv auffiel, ist die Tatsache, dass es im Android Market keinen Überprüfungs-Prozess gibt — dass also nicht jedes Update und jeder Bugfix zunächst zeitaufwendig vom Betreiber geprüft werden muss. Wenn Mika Mobile also einen Fehler in der App feststellen, programmieren sie einfach ein entsprechendes Update und können das sofort in den Market stellen.

Grundsätzlich zufrieden sind die Entwickler auch mit den erzielten Erträgen im Android Market: Auch wenn der Markt für Apps auf dem Google-OS immer noch kleiner als der für das iOS ist, lässt sich auch auf Android mit Bezahl-Apps Geld verdienen. Aus der Sicht von Mika Mobile ist es nämlich keineswegs so, dass sich auf Android nur Geld mit kostenlosen, werbefinanzierten Spielen machen lässt (Angry Birds, ick hör’ euch trapsen) — aktuell bewegt sich der tägliche Umsatz der Android-App im Bereich von 80 Prozent der iOS-Anwendung.

Allerdings gibt es diesbezüglich ein paar Einschränkungen: Aktuell bewegt sich Battleheart für Android in den Charts sehr weit oben, unter den Top 50-Applikationen, während das iOS-Pendant nicht einmal mehr unter den Top 200 rangiert und dennoch mehr Gewinn abwirft. Darüber hinaus wurde die Anwendung bei ihrem Start auf dem iOS massiv von Apple über die Appstore-Seite gepusht und gefeaturet, ist seitdem aber stetig abgerutscht. Dasselbe wird natürlich auch mit Battleheart für Android geschehen — nur dass die iOS-App im ersten Monat rund 20 Mal so oft gekauft wurde wie die Android-Version.

Aber abgesehen von diesen Einschränkungen, die deutlich unterstreichen, wie viel größer Apples App Store aktuell noch ist, ist das Entwickeln und Vermarkten von Applikationen für Android-OS aus der Sicht von Mika Mobile sehr lukrativ. Die Entwickler postulieren sogar, dass qualitativ hochwertige Apps im Android Market enthusiastischer aufgenommen werden, eben weil die Qualität vieler Konkurrenzprodukte dort so niedrig ist: Auf dem iOS hat Battleheart bei 4000 Bewertungen eine Ergebnis von 4,5 Sternen erreicht — im Android Market sind es 4,8 Sterne bei jetzt schon 1000 Bewertungen. Android-Nutzer sind offensichtlich viel eher bereit, sich die Zeit zu nehmen, eine (gute) App zu bewerten.

Während Battleheart wie gesagt sehr prominent im App Store gefeaturet wurde, hat Mika Mobile für die Android App außer eines Tweets keinerlei Promotionmaßnahmen für das Spiel ergriffen — es scheint, als ob der Erfolg der App auf Googles OS schlicht auf Mund-Propaganda beruht.

Aber es gibt leider auch Negatives über den Verkauf von Apps im Android Market zu berichten:

Abgesehen von der Hardware-Fragmentierung, die dazu führt, das bestimmte Geräte nicht 100-prozentig mit allen Aspekten und Features einer App kompatibel sind und im schlimmsten Fall sogar beim Laden oder Nutzen des Spiels abstürzen, gibt es nach wie vor massive Probleme mit dem Download aus dem Market selbst. Nur ist das ein Problem, an dem die App-Entwickler wenig ändern können. Dennoch bekommen sie täglich zahlreiche Hilfegesuche und Beschwerden zu genau diesen Phänomenen. Viele fordern auch gleich eine Rückerstattung des Kaufpreises. Und obwohl es zum Beispiel auf der Website der Entwickler ein FAQ mit Antworten und Hinweisen zu den häufigsten Gründen für Download-Problemen gibt, können und wollen natürlich nicht alle Nutzer diesen Weg gehen, sondern gleich eine Erstattung haben — ärgerlich für die Entwickler.

Außerdem müssen sich die Entwickler im Android Market über das Google Checkout-System mit allen Belangen der Rechnungswesens auseinandersetzen, und das beinhaltet eben auch etwaige Rückerstattungen. Auf dem iOS übernimmt Apple all diese Dinge. Verständlich, dass ein Entwickler, der Spiele und Anwendungen programmieren möchte, es als Zumutung empfindet, sich um Dinge wie verpasste 15-Minuten-Testzeiträume oder Download-Schwierigkeiten kümmern muss. Verständlich auch, dass er das einfachere System von Apple in dieser Hinsicht präferiert.

Es gibt Tage, an denen ich einfach den Stecker aus meinem Engagement für das Android-OS ziehen möchte, weil ich es satt habe, von 12-Jährigen (oder Menschen mit vergleichbaren Kommunikationsfähigkeiten) vorgeworfen zu bekommen, ich hätte sie betrogen und sollte ihnen ihre drei Dollar zurückgeben. Dann erinnere ich mich aber daran, dass all die positiven Bewertung für meine App im Android Market eine andere Sprache sprechen und ich das Kind nicht mit dem Bade ausschütten sollte.

Auch wenn es zuweilen ein sehr anstrengendes, lautes Kind ist.

Danke, Mika Mobile, dass Ihr gute Eltern seid und Geduld mit dem trotzigen Baby habt. Denn der Meinung, dass es am Android Market viel zu verbessern gibt, sind wir auch. Aber wenn die Trotzphase des Kindes vorbei ist, werdet ihr auch ganz sicher voller Stolz auf den schwierigen Nachwuchs blicken. Denn wer will denn schon ein immer braves Streberkind, das freiwillig Äpfel isst? Die stressigen Geschwister sind es schließlich, die später als Erwachsene groß rauskommen …

Weitere Themen: Android

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz