Carrier IQ im Interview - Der Zweck heiligt die Mittel

Flavio Trillo
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In den vergangenen Wochen erschienen diverse Besorgnis erregende Meldungen über ein Unternehmen namens Carrier IQ. Angeblich sammelt deren Code auf fast allen Smartphones Daten über das Verhalten der Benutzer – auch iOS bleibt nicht verschont. Als “Rootkit” wurde das Programm daher bezeichnet, Eric Schmidt nannte es sogar “Key-Logger”. Jetzt gibt es einen Erklärungsversuch des Anbieters.

Anonyme Datensammlung: Fluch oder Segen?

Die Entdeckung der Carrier-IQ-Software auf einem HTC-Smartphone durch den Entwickler Trevor Eckhart hat für kontroverse Diskussionen über Sinn und Nutzen anonymer Informationssammlungen gesorgt. Auch unsere Kommentatoren wollen entweder “Köpfe rollen sehen” oder halten die Erhebung anonymisierter Nutzungsdaten zur Verbesserung der Netze “eher Nützling“.

Fest steht nur, Carrier IQ hat sich bis dato nicht gerade darum bemüht, seine Dienstleistungen, die es zum Beispiel gegenüber den Mobilfunkanbietern erbringt, unter den Konsumenten großartig zu bekannt zu machen. Jetzt stehen sie im Rampenlicht und geraten in Erklärungsnot, wenn ihnen von allen Seiten verwerfliche Geschäftspraktiken vorgeworfen werden.

Auch der Rechtsausschuss des US-Senates bat zur Audienz. Senator Al Franken, Vorsitzender des Unterausschusses für Datenschutztechnologie, engagierte sich bereits zuvor für transparente Regeln im Umgang mit Kundendaten. Er verfasste einen weiteren offenen Brief (PDF-Dokument) an das Unternehmen, in dem er einige unangenehme Fragen stellte.

Carrier IQ: “Wir bemühen uns um Transparenz”

In einem Interview mit AllThingsDigital vor der Anhörung auf dem Capitol Hill in Washington wagen CEO Larry Lenhart und Marketing-Chef Andrew Coward einen Erklärungsversuch. Sie wollen die Ehre ihres Geschäfts retten.

Inzwischen gibt es von Carrier IQ drei offizielle Stellungnahmen zu dem Debakel, das viele zu erneuten namentlichen Anlehnungen an Nixons Watergate-Affaire nötigt. Man habe in den vergangenen Wochen einiges über Transparenz gelernt, erklärt Lenhart. “Wir haben viel Zeit aufgewendet, um zu verstehen, wie wir allen – Konsumenten und Mobilfunkanbietern – dabei helfen können, unsere Software zu verstehen”. Es sei also alles ein großes Missverständnis.

Eigentlich sind die anderen Schuld

Coward ergänzt: “Wir sehen einige der Dinge, die in dem Video gezeigt wurden, als fehlerhaft und fälschlicherweise Carrier IQ zugeordnet, das wollten wir selbstverständlich berichtigen, was nicht ganz einfach war”. So sei etwa die Log-Datei, die der Android-Entwickler zeigte, nicht von Carrier IQ, sondern von den Geräteherstellern oder Google selbst angelegt worden. “Diese Information sollte in einer Android-Log-Datei nicht enthalten sein”, versichert Coward weiter.

Zwar könne man erkennen, dass die darin enthaltenen Informationen, wie etwa Details zu SMS oder betätigte Tasten, an Carrier IQ weitergegeben wurden. Nicht jedoch, was danach mit den Daten passiert. Diese würden nämlich von dem Unternehmen gar nicht verwertet oder überhaupt von dem Gerät versendet.

“Die Mobilfunkanbieter entscheiden, welche Daten erhoben werden”

Auf die Frage, wer denn nun entscheide, welche Daten gesammelt werden und welche nicht, verweisen Lenhart und Coward auf die Mobilfunkanbieter. “Es gibt eine klare Grenze zwischen solchen Daten, die wir bereit sind zu erheben und solchen Daten, die wir niemals erheben würden”. Und diese Grenze verlaufe diesseits der Inhalte. “Wir wurden noch nie gebeten, Inhalte zu sammeln und würden es auch nicht tun”, versichert Coward.

Dieses Bild der Grenzziehung wiederholt auch Lenhart noch einmal und verweist erneut auf die Verantwortung der Mobilfunkanbieter, die selbst festlegen, was für Daten sie gesammelt wissen möchten und wie sie diese Erhebungen dem Konsumenten gegenüber offenlegen.

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