iOS 6: Wie es wirklich werden könnte

Ralf Bindel
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Zugegeben: Es ist langweilig, wenn man schon vorher weiß, was man geschenkt bekommt. Apple wird iOS 6 auf der WWDC 2012 vorstellen und schon jetzt scheint klar zu sein, was im neuen Mobilsystem steckt. Doch das Systemupdate für iPad, iPhone und iPod könnte größer sein, als wir uns alle vorstellen – und das bleibt spannend.

iOS 6: Wie es wirklich werden könnte

Wer hätte das gedacht: Apple stellt auf der WWDC 2012 eine neue Version seines mobilen Betriebssystems vor. Uahhh, iOS 6, gähn. Das ist nicht wirklich überraschend. Hinzu kommt, dass schon jede und jeder genau zu wissen scheint, was drin ist im aktuellen Anti-Überraschungs-i.

Grau ist das neue Blau

Der Alltag mit Apple-Mobilgeräten wird grau. Apple verbannt das Blau von der Nutzeroberfläche zugunsten eines schlichten Grau. Weniger dominierende Farbigkeit zugunsten von Inhalten und App-Funktionen. Das Blau hatte Apple eingeführt, damit die Windows-Switcher sich heimisch fühlen sollten. Jetzt sind wir alle wieder reif fürs Designer-Grau.

Apple Map statt Google-Karten

Apple wildert im Google-Gebiet und erfindet die Karten-Anzeige neu. Eher noch als Google kommt Apple mit 3D-Ansichten. Dazu gibt es anders als bisher mehr Details, lokale Daten, Satellitenaufnahmen, Routing und WikiTravel-Integration – oder so ähnlich. Jedenfalls die ultimative Map-App, mit der man Streetview nicht vermisst. Wird auch Zeit, denn die Apple-Zukäufe PlaceBase, Poly9 und C3 Technology müssen sich bezahlt machen.

Facebook für Freunde

Alles, alles, alles gleich auch bei Facebook posten. Am Zuckerbergschen Service kommt Apple nicht länger vorbei. Das soziale Netzwerk hat zu viele Freunde, die aus allen Apps iOS-systemweit ihren Status mit App-Infos aktualisieren werden können. Wie mit Twitter in iOS 5. Mobil ohne Facebook im System geht gar nicht. Hallo Android? Von den Nutzerdaten erhält Apple 30 Prozent.

Mehr machen mit der iCloud

Nie wieder Flickr, Instagram, Youtube oder Vimeo: Jetzt kommt Apple mit der ultimativen Foto- und Video-Sharing-Plattform. Die iCloud wird vom iOS-Photo-Streaming- und Syncing-Service zur Community. iOS-Nutzer posten Fotos und Videos von unterwegs an Freunde, diese dürfen kommentieren und bewerten. Wird Phil Schiller benutzen, wie er Instagram genutzt hat. Ist auch noch schöner und praktischer. Weil es auch mit Notizen und Erinnerungen funktioniert.

Apps aktualisieren automatisch

Mehr Selbständigkeit wagen! Einfach im iOS 6 einstellen, dass Apps sich selbst im Hintergrund aktualisieren dürfen. Vielleicht noch mit der wahlweisen Bedingung, dass iPhone, iPad oder iPod doch bitte per Wi-Fi/WLAN mit den Apple-Servern verbunden sind, oder auch per UMTS geladen werden dürfen oder die Verbindung zum Mac/PC benötigen. Voreingestellt ist Wi-Fi.

Nutzerdaten nutzen

Die alte universelle UDID ist durch diverse Skandale diskrediert und hat ausgedient, doch Nutzerdaten sind das Kapital der wertlosen Wirtschaft. Apple übergibt Entwicklern ein Tracking Tool und erfindet die Systematik neu. Dann wird ganz transparent mit der Privatsphäre umgegangen und jede App fragt brav nach – oder systemweit und es ist alles umsonst. Kommt auch den Verlegern entgegen. Könnte aber sein, dass es noch nicht ganz fertig für iOS 6 ist.

Kleines ganz groß

Geht jetzt schon, doch nur mit 720 Pixeln Breite, mit iOS 6 dann in Full-HD-Auflösung, das so genannte Airplay-Mirroring mit 1080 Pixeln, mit dem man Fotos, Videos  und sonst alles übers Apple TV auf den HD-Fernseher schicken kann. Wichtiger Schritt auch für den Apple-Fernseher, wenn Apple als Content-Verwalter auftritt. Weitere Kleinigkeiten: die Multitasking-Bedieung wird verbessert, iCloud Tabs synchronisiert Tabs zwischen iOS- und OS-X-Browsern, iOS-Safari erhält eine Omnibar, die Webadressen und Suchanfragen aufnimmt, dazu eine Tab-Verwaltung, im Notification-Center tauchen VIP-Mails auf.

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Weniger Wahrscheinliches

Soweit, so gut. Alles prima Dinge, die mehr oder weniger nützlich sind. Dazu gehören auch weitere Funktionen, die wir uns zwar vorstellen können, deren Erscheinen in iOS 6 aber weniger gewiss ist.

Siri fürs iPad

Klar will die sprechende Befehlsempfängerin jeder iPad-Nutzer. Aber angesichts der Tatsache, dass Siri eine permanente Serververbindung zu Apple benötigt und anders als die iPhones nicht jedes iPad diese leisten kann (zu wenig 3G-iPads da draußen), ist die willige Assistentin eher unwahrscheinlich für diese iOS-Ausgabe.

Siri für Apps

Die Helferin versteht Dich immer, egal welche App Du nutzt. Und sie führt das auch aus, was Du von ihr willst und liefert die Informationen, die Du benötigst. Eine Programmierschnittstelle für App-Entwickler zu Siri, das wär's. Kommt sicher – nicht mit iOS, siehe oben.

Lebende App-Icons

Bringt mehr Leben in die iOS-Bude bzw. auf den Homescreen, aber auch mehr Verwirrung. App-Icons, die Inhalte und sonstiges anzeigen. Wie ein Wetter-App, das sich verändert. Wenn Apple auf Widgets verzichtet, wie sie Android-Nutzer schätzen, wäre das eine Lösung. Oder eher nicht.

Widgets über alles

Ein Homescreen oder eine Bildschirmfläche, die sich iOS-Nutzer selbst mit Widgets, kleinen Zustandsanzeige-Fenster für allerlei anzeigen lassen können? Oder die im Notification Center auftauchen? Soweit ist Apple noch nicht.

iCloud für den Passwortaustausch

Nervig, diese ständigen Passwörter für alle möglichen Dienste. Richtet man einen neuen auf einem Gerät ein und notiert sich die Daten, muss man das irgendwie auch auf die anderen mobilen Geräte oder den Mac bringen. Aber sicher. Prima, wie 1Password das macht. Könnte Apple auch, per verschlüsselter Keychain-Synchronisierung in die iCloud. Wäre schön.

Jeder Ort ist anders – und mein iOS reagiert

Was früher Umgebungen im Mac OS waren, könnte auch eine nützliche Option fürs zukünftige iOS sein. Abhängig vom Ort, an dem ich mich befinde, ändert sich mein Klingelton, die Lautstärke, das Warnverhalten, die VIP-Notifications, Bluetooth und so weiter. Prima Apple!

Apps verstehen einander

Datenaustausch zwischen Programmen unter iOS ist ein Graus. Die Flexibilität, Universalität und Kompatibilität, die Nutzer bei OS X auf ihren Macs gewöhnt sind, vermissen sie auf ihren Mobilgeräten. Entwickler auch für ihre Apps. Dank Sandbox-System sind alle Daten sicher, aber die können nur mit sich selbst spielen. Zwischenappsche Kommunikation, eine Art geschützter Datenverkehr, das wär's. Und eine Zwischenablage, die was taugt.

Mail mit mehreren

Wäre wie vieles andere an der Zeit: Eine verbesserte Mail-App unter iOS 6, mit mehreren wählbaren Signaturen, jeweils eine davon für jeden Account voreinstellbar.

iOS für mehrere

Gut, das macht für iPhone-Nutzer keinen Sinn, sie geben das Gerät selten aus der Hand. Die kleinen Mobilcomputer sind notwendige Alltagsbegleiter, auf die niemand mehr verzichten will. Anders sieht es beim iPad aus. Ein Gerät pro Haushalt, Familie, WG würde ja reichen, oder zwei. Auch an verschiedenen Orten wäre es nützlich. Man nutzt seinen Account, wo immer man ihn benötigt, auf verschiedenen Geräten. Voraussetzung: Apple macht iOS mehrbenutzerfähig, wie OS X. Macht Apple aber nicht, wetten?

Was kommen müsste

Was meint Ihr, wie sieht das neue iOS 6 aus? Was müsste Apple dringend integrieren oder ändern? Was könnte Apple von Android, Blackberry oder Windows Phone lernen? Wie sieht Euer Wunschsystem aus?

Weitere Themen: iOS, iPhone 4s, iPod touch 2014, iPhone 3GS, iPad 3, iPad 1, iPad 2, iPhone 4, goto fail - CVE-2014-1266: Die SSL-Schwachstelle in OS X und iOS, Apple

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