iOS-Fragmentierung durch Verizon-iPhone befürchtet

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App-Entwickler, egal ob sie Programme für iOS oder Android schreiben, fürchten weniges mehr als eine Fragmentierung “ihrer” Plattform. Diese bedeutet für die Programmierer nämlich hohen Mehraufwand. Verschiedene Systemversionen und Hardware-Konfigurationen erfordern jeweils angepasste App-Versionen. Das kostet Zeit und damit natürlich auch Geld. Das Android-Universum wird oft für seinen fragmentarischen Charakter kritisiert, doch nun befindet sich auch iOS langsam aber sicher auf dem Weg zum Splitter-System.

Nur zu gern wettern Apple Jünger gegen die Kollegen aus dem Android-Lager und werfen ihnen eine der als Totschlag-Argument empfundenen Thesen an den Kopf: Android ist durch die Unterstützung einer immensen Zahl verschiedener Smartphones gelähmt. Aktualisierungen müssen durch die Hersteller erst zeitaufwendig und mühsam an deren jeweilige Bedienoberflächen und Hardware-Spezifikationen angepasst werden.

Sony Ericsson hat sich sogar kurzfristig vollkommen aus dem Update-Zirkus ausgeklinkt. Im Januar gab das Unternehmen bekannt, für die X10-Serie keine offiziellen Aktualisierungen mehr über die Version 2.1 (Froyo) hinaus bereithalten zu wollen. Doch auch andere Mitbewerber lassen sich gern so viel Zeit mit der Adaption der neuesten Software, dass beim Veröffentlichungstermin bereits die nächste Android-Variante ins Haus steht.

So etwas gibt es bei iOS nicht, möchte man meinen. Wo Hard- und Software aus einem Haus stammen, kann von Fragmentierung schließlich keine Rede sein, oder? Stimmt nicht ganz, wie der genaue Beobachter schnell feststellt. Zugegeben, Grafiken wie die der Tweetdeck-Entwickler zur Verbreitung ihrer App im Android-Ökosystem wird es bezüglich des mobilen Betriebssystems aus Cupertino vorerst nicht geben. Dennoch wehen die ersten leisen Lüftchen, die einen Splitter-Orkan in der iOS-Welt befürchten lassen.

Die Zahl der möglichen Kombinationen aus iOS-Geräten und -Betriebssystemen verleitet schon jetzt einige Entwickler, vergleichsweise ältere Modelle und Versionen nicht mehr zu unterstützen. Bislang beschränkte sich diese Exklusivität größtenteils auf die durch unterschiedliche Hardware vorgegebenen Einschränkungen, wie zum Beispiel ein fehlendes GPS-Modul im iPhone und iPod touch älterer Generationen.

Doch jetzt haben die Schöpfer von Mint*, einer Finanz-Software für iOS, mit ihrer jüngsten Aktualisierung die Unterstützung von Geräten mit iOS 3.0 aufgegeben. „Wir entschuldigen uns bei allen betroffenen Anwendern, doch diese Änderung macht es uns leichter, die neuesten iOS-Technologien zu nutzen“, so die Entwickler.

Damit haben sie, ob bewusst oder unbewusst, auf einen Schlag ungefähr 10 Prozent der iPhone-Besitzer aus ihrer Zielgruppe gelöscht. Diese Zahl ergibt sich aus einer Nutzungs-Statistik der populären Anwendung Bump. Laut David Lieb, Gründer und CEO von Bump, verwenden fast 90 Prozent der Benutzerbasis iOS 4.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der zur gefürchteten Fragmentierung beitragen könnte: Das Verizon-iPhone. Die CDMA-Version des Smartphone verfügt neben einem veränderten Antennen-Design auch über teils neue Innereien. Da wäre zunächst der GSM-Chip, der extra für den „roten Riesen“, wie der Anbieter in den USA auch genannt wird, durch ein CDMA-Modul ersetzt wurde. Hieraus resultiert für manche Apps ein Anpassungsbedarf, da die Programme zum Teil die neue Hardware auf andere Weise ansteuern müssen.

Bemerkbar machte sich dieser Faktor jüngst bei der sprachgesteuerten Navigations-App von TeleNav. Neben dem seit 2009 im (US- App Store verfügbaren AT&T Navigator kommt demnächst auch eine spezielle Version für das iPhone 4 bei Verizon dazu. Wie TeleNav gegenüber ZDNet erläuterte, musste die App an die neue Hardware angepasst werden. Auf die genauen Gründe für die Modifikationen ging man nicht ein, vermutlich handelt es sich jedoch um den neuen CDMA-Chip sowie das GPS-Modul.

In Zukunft wird die Zahl der verschiedenen Bedingungen, auf welche die Software-Schmieden sich einstellen müssen, nicht kleiner werden. Im Gegenteil, die Tendenz wird sich noch verstärken, wenn immer mehr „Alt-Geräte“ nicht mehr von den neueren Software-Aktualisierungen unterstützt werden und die Entwickler es leid sind, eine Vielzahl spezialisierter Versionen zu entwerfen. Wer immer die neuesten Anwendungen installieren möchte, muss dann eben stets die aktuelle Hardware bereit halten. All zu hochnäsig sollten iPhone-Fans also nicht mehr über das Mosaik-OS namens Android lästern.

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Verizon iPhone

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