iOS vs. Android: Browser-Test unter ungleichen Bedingungen

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In einem gestern veröffentlichten Bericht behauptet die kanadische Software-Schmiede Blaze, Androids Browser sei 52 Prozent schneller als Safari unter iOS. Die Tests mit 45.000 Webseitenaufrufen wurden daraufhin auf verschiedenen Plattformen lebhaft diskutiert und auch Apple meldete sich zu den Ergebnissen zu Wort. Fehlerhafte Prämissen hätten dafür gesorgt, dass die Resultate verzerrt wurden, so eine Sprecherin. Die Tester hatten die Surf-Geschwindigkeit innerhalb von Apps wie Twitter oder Facebook getestet.

Auch auf die Gefahr, als höriger “Fanboy” betitelt zu werden, muss man der Gerechtigkeit wegen für Apple eine Lanze brechen. Der mobile Safari unter iOS 4.3 verfügt über die deutlich schnellere Nitro-Engine. JavaScript wird damit bis zu 2,5 Mal schneller ausgeführt, allerdings kommt nur Safari selbst in den Genuss der neuen Technologie. Andere Apps, in denen Webseiten aufgerufen werden, müssen ohne Nitro auskommen. Doch damit nicht genug: UIWebView, verantwortlich für das Browsen unter iOS 4.3, steht außerhalb von Safari in mehrfacher Hinsicht nur in einer abgespeckten Version zur Verfügung.

Weitere Geschwindigkeits-Verbesserungen, wie HTML-5-Cashing und multithreaded asynchrone Seitenaufrufe, sind Apple zufolge ebenfalls dem Safari-Prozess vorbehalten. Insgesamt stellt sich das Verhältnis des Google Chrome Browsers unter Android und Safari unter iOS also etwas anders dar. Blaze beharrt indes auf seinem Resultat, dass Android im Internet schneller sei als iOS.

Das Fehlen der Nitro-Engine außerhalb von Safari wurde zunächst kritisch gesehen. Manche vermuteten gar böse Absicht seitens Apple dahinter – Web Apps, so die Befürchtung, sollte so der Rang abgelaufen werden. Doch sehr viel plausibler scheinen Sicherheitsbedenken als Grund für die Entscheidung, andere Apps mit der langsameren Version von UIWebView auszustatten.

John Gruber erläutert in seinem Blog, warum die Nitro-Engine nur innerhalb des Safari-Browsers zum Einsatz kommt. Was das Surfen so sehr beschleunige, sei vor allem das JIT-Kompilieren (Just in Time). Dieses erfordere jedoch die Markierung von Speicherinhalten auf dem iOS-Gerät als “ausführbar”. Damit seien wiederum erhebliche Sicherheitsrisiken verbunden, da fremder Code nativ innerhalb der Anwendung ausgeführt werden kann.

Bis zur iOS-Version 4.3 schien man in Cupertino der Sicherheit den Vorrang zu geben, vermutet Gruber, und dafür habe Apple auf ein Wachstum an Geschwindigkeit verzichtet. Doch bedeute das nicht unbedingt, dass Safari ab sofort unsicher ist. Vielmehr habe man sich offenbar seit dem Erscheinen der Nitro-Engine im Herbst 2008 Gedanken um eine Umsetzung für iOS gemacht – das scheint jetzt gelungen, so Gruber.

Bild: blaze.io

Wie man den Prozess aber auch außerhalb des mobilen Apple-Browsers ausreichend gegen Schadcode absichert, ist offenbar noch nicht endgültig geklärt. Ein Vorschlag Grubers lautet, den Nitro-Prozess aus Safari auszugliedern, und – ähnlich wie Flash unter Mac OS X 10.6 – eigenständig laufen zu lassen. So könnten alle Apps darauf zugreifen und die Kopplung hätte die nötigen Sicherheits-Merkmale integriert.

Apple müsste den Geschwindigkeits-Vorteil also für die allgemein zugängliche Variante des UIWebView nachrüsten, bevor eine Studie, wie Blaze sie durchführte, wenigstens annähernd verwertbare Ergebnisse liefert.

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