iOS vs. Android: Verkehrte Welt, aber warum?

Flavio Trillo
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Die Zahl der Android-Smartphones wächst stetig, und das trotz Apples Bemühungen, die bekanntesten unter ihnen verbieten zu lassen. Ein weiterer interessanter Wert ist die Zahl der heruntergeladenen Anwendungen pro Plattform. Er lässt nämlich Rückschlüsse auf die Mentalität der jeweiligen Anwender zu – und sorgt zudem für Überraschung.

Verkehrte Welt: Mehr Geräte, weniger Downloads

In seinem dritten Quartal 2011 verkaufte Apple “nur” etwa 9 Prozent mehr iPhones als in dem vorangegangenen Jahresviertel. Die Zahl der verkauften Android-Geräte nahm dagegen im gleichen Zeitraum um 36 Prozent zu. Dies habe unter anderem dazu geführt, melden die Analysten von ABI Research, dass es weltweit insgesamt 2,4 mal so viele Android-Smartphones wie iPhones gibt. Bis zum Jahr 2016 sollen es dreimal so viele werden.

Gleichzeitig verhalten sich die App-Downloads pro Anwender nahezu entgegengesetzt – nämlich im Verhältnis 2 zu 1 zugunsten von Apple. Dafür machen die Experten vor allem die für Entwickler deutlich attraktiveren Möglichkeiten des App Stores verantwortlich. Wo es einfacher und mehr Geld zu verdienen gibt, da werden sich viele gute Entwickler ansiedeln, was zu einem App-Katalog höherer Qualität führt.

Ursachenforschung

Woher stammt nun diese Diskrepanz zwischen verkauften Geräten und Downloads aus den jeweiligen App Stores? Nun, ein Teil der Wahrheit könnte in der Art und Weise liegen, wie viele Hersteller ihre Verkaufszahlen vermelden. Da geht es nämlich häufig nicht um die tatsächliche Zahl derjenigen Smartphones, die über den Ladentisch in die Tasche des Kunden gewandert sind.

Vielmehr stellt der genannte Wert die Menge der an die Händler ausgelieferten Geräte dar. Im Falle von Apple stimmen beide Zahlen häufig überein, da insbesondere bei neuen Geräten jedes produzierte schon vor seiner Fertigstellung verkauft ist. Das führt manchmal sogar dazu, dass Klebstoffe aus der Herstellung erst beim Kunden vollständig austrocknen.

Sind iOS-User “enthusiastischer”?

Andererseits könnte die deutlich höhere Zahl heruntergeladener Anwendungen in der Denkweise der jeweiligen Plattform-Nutzer begründet sein. So stellt Ed Hansberry von informationweek.com die These auf, dass unter den iOS-Anwendern mehr “Enthusiasten” zu finden seien. Diese Menschen beschäftigen sich mit der Plattform und ihren Möglichkeiten, während viele Android-Käufer nur aufgrund der vergleichsweise günstigen Gerätepreise zugegriffen hätten.

Eine solche, fast schon emotionale Bindung an das Betriebssystem und den App Store sorge für die sehr viel höheren Downloadzahlen unter iOS. Die Wirkung dieses Effektes ist sogar noch stärker, als Hansberry selbst erkennt. Seiner Meinung nach sind die Preise in beiden Ökosystemen vergleichbar. Doch stimmt das gerade nicht, in Googles Android Market haben kostenpflichtige Apps es sehr viel schwerer als in Apples App Store. Viele Programme, die für iPhone-User nur käuflich zu erwerben sind, bekommen Android-Anwender gratis – das wohl berühmteste Beispiel hierfür ist Angry Birds*. Das populäre Spiel kostet im App Store 0,79 Euro, im Android Market gar nichts.

Insgesamt scheint es also, als zeigten Apples Kunden eine sehr viel höhere Bereitschaft, mehr Geld für das Smartphone und auch die Apps auszugeben.

Andererseits könnte dieser Trend künftig dadurch ausgeglichen werden, dass Apples Geräte immer günstiger werden. Durch Verträge vergünstigte iPhones sind dann auch für solche Anwender interessant, die sonst vor den hohen Kosten zurückschrecken würden. Diese Kunden wären dann nicht mehr so stark an dem Ökosystem interessiert und würden weniger Anwendungen herunterladen, so Hansberry.

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