iPhone OS - Nachlese: Doch nicht so "innovativ"

Bernd Korz

Es ist nur einige Stunden her als Apple iPhone OS 4.0 vorgestellt hat. Wir haben darüber ausführlich berichtet. Wichtigste Neuerungen sind Multitasking, Sammelmail, Ordner, iBooks und eine neue API mit etwa 1.500 neuen Funktionen.

Keine der Neuerungen ist wirklich überraschend oder beeindruckend, es war eher ein absolut notwendiger Schritt um sich die Konkurrenz, in dem Fall Google weiterhin so weit wie möglich vom Hals zu halten. Google hat mittlerweile 19% Marktanteil mit seinem Android erreicht und wird auch weiterhin wachsen. Auch Googles App Store ist vom Wachstum her mittlerweile die Nummer #1.

Multitasking gibt es so bei WebOS ebenso wie bei Android, also nichts neues, Apple musste hier einfach dringend aufschließen. Auch was die andren Funktionen angeht, so hat Apple einfach eine Lücke geschlossen die sich im Laufe der letzten 18 Monate immer weiter geöffnet hatte. In diesem Fall passt der Spruch “Konkurrenz belebt das Geschäft” in der Tat.

Auch wenn Steve Jobs das Update als “Unglaublich, Wundervoll und Bezaubernd” bezeichnet, so sieht die Wahrheit leider ganz anders aus. Alles was Apple ab Juni mit iPhone OS 4.0 anbietet, ist schon heute ein alter Hut auf Googles Android. Vor allem, wie schon eben erwähnt: Multitasking. Hier spielt Android schon seit mehr als 12 Monaten seine volle Power aus und es ist ein existenzieller Bestanteil des Systems.

“Multitasking ist nicht neu, aber unseres ist revolutionär und neu.”, so Steve Jobs, doch es scheint nicht überraschend das es mehr oder minder einfach die schon am Markt – durch Google – befindliche Lösung nahezu 1:1 übernimmt. Allerdings geht Apple wieder einen Schritt zurück und so ist das Multitasking auch kein ganzes, es ist kastriert. Denn am Ende ist Multitasking weiterhin nur sehr eingeschränkt möglich und die Anwender werden einmal mehr von Apple bevormundet in Sachen Nutzung.

Wer ein Android verwendet kennt schon lange die Ordnerfunktion oder sein eigenes Wallpaper (Hintergrundbild), auch hier kann Jobs nur den Nachmacher spielen.

Ebenso die Mailbox, auch hier bleibt nur zu sagen: Alter Hut unter Android.

Alles in Allem, Apple hat wieder einmal einen riesen Hype um etwas gemacht, was nicht von ihnen kommt. Die Firma Apple, die den iMac so groß gemacht hat und den iPod, die mit dem iPhone die Welt revolutioniert hat, diese Firma, sie ist seit einiger Zeit schon nicht mehr da. Alles ist getrimmt auf Insellösungen um noch mehr Geld zu machen. Heute wird nur noch kopiert oder aufgeschlossen. Man scheint sich auf seinen Lorbeeren noch immer auszuruhen. Google, so man den Kampf  durchzieht, wird am Ende weit aufschließen, denn das iPhone OS 4.0 ist nichts anderes als der (positive) Versuch, die Funktionen von WebOS und Android auch auf dem iPhone anzubieten. Wie damals schon Microsoft und deren Windows Mobile, wie Samsung und Motorola, wie Siemens und nicht zuletzt wie Nokia und Palm – auch Apple muss nun erkennen, dass andere nicht schlafen und hier wesentlich mehr bieten als diese ständigen aufgepuchten Verkaufsshows von Herrn Jobs. Die User werden das nicht ewig mitmachen.

Aber am aller schlimmsten sind die ständig überheblichen Aussagen von Steve Jobs, in diesem Fall im Zusammenhang von Google und dem iPhone OS 4.0. So war seine Aussage: “Man werde die Konkurrenz schocken und ganz neue Maßstäbe setzen. Man werde eine Lücke schaffen, die weder Google noch andere schließen könnten.” Hier lag und liegt Jobs komplett falsch und auch sein Charisma auf der Bühne und die ständigen superlativen Wörter aus seinem Mund ändern an dieser Tatsache nichts.

Weitere Themen: iPhone, AppKack der Woche: Die schlechtesten Mobile Games, Apple

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz