OS X Lion - Lion: OS X mit einem Hauch iOS

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Vor nicht allzu langer Zeit feierte Apples Betriebssystem OS X, das Mac ist mittlerweile herausgefallen wie das Computer in Apple Computer Inc., seinen 10. Geburtstag. Am 20. Juni 2011 veröffentlichte Apple die neue Version des Betriebssystems: OS X Lion.

OS X Lion - Lion: OS X mit einem Hauch iOS

Der Nachfolger von Snow Leopard wurde zum ersten Mal im Oktober 2010 in Form eines “Sneak Peek” der Öffentlichkeit vorgestellt. Während Snow Leopard nur vergleichsweise kleine Änderungen zum Vorgänger brachte, hat Lion jetzt wieder etwas tiefergehende Neuerungen mit an Bord. Neben offensichtlichen Anpassungen an der Oberfläche gibt es auch im Inneren viele neue Funktionen, die Entwickler in ihren Anwendungen nutzen können und so die Arbeit erleichtern.

Die Oberfläche

Als Steve Jobs im Oktober 2010 im Rahmen der “Back to the Mac” getauften Keynote die ersten Details von Lion preisgab war eins schnell klar: Apple hat viel Zeit mit der Entwicklung von iOS verbracht und will die dort gelernten Dinge auch am Mac zur Geltung bringen.

Bereits seit einiger Zeit verkauft Apple die diversen MacBook-Modelle mit einem vergleichsweise riesigen Touchpad, für die Desktops gibt’s das Magic Trackpad als Zubehör und auch die Magic Mouse hat einen eingebautes multi-touch-fähiges Trackpad. Damit hat Apple bereits vor Jahren den Grundstein für vielfältige Fingergesten gelegt. Diese kommen in Lion noch mehr zur Geltung als es noch in Snow Leopard der Fall war.



Zwei-Finger-Swipes für das bekannte Scrollen und die Vor-/Zurück-Navigation in Safari; Zwei-Finger-Tap und -Pinch zum Zoomen.

Drei-Finger-Swipes nach rechts und links, um zwischen dem Desktop, Dashboard und neuen Vollbild-Applikationen zu wechseln. Drei-Finger-Swipe nach oben, um ins ebenfalls neue Mission Control zu wechseln. Und zu guter Letzt: Der Vier-Finger-Pinch, um ins Launchpad zu wechseln und Vier-Finger-Spread, um den Desktop anzuzeigen.

Mit der Vielzahl dieser Fingergesten orientiert sich Apple an iOS, wie man es vom iPhone oder iPad kennt. Die größte Änderung fällt beim normalen Scrollen auf: es wurde im Vergleich zum Vorgänger invertiert. Bewegt man zwei Finger nach oben, verschiebt sich nun auch der Inhalt nach oben. Es erfordert eine kurze Umgewöhnungsphase, man hat sich aber schnell an das nun logischere Scrollverhalten gewohnt. Will man sich partout nicht darauf einlassen, kann das Verhalten in den Systemeinstellungen umgekehrt werden.

Mission Control ist das gemeinsame Kind von Exposé und Spaces: Bewegt man drei Finger nach oben, bekommt man eine Übersicht der aktuell geöffneten Fenster, Desktops (ehemals Spaces) und dem altbekannten Dashboard, dass sich nun nicht mehr über dem Desktop sondern links vom Desktop befindet. Neue Desktops können in der Mission Control Ansicht bei gedrückter Alt-Taste angelegt und geschlossen werden.

Eine ebenfalls von iOS bekannte Ansicht ist das Launchpad. In dieser Übersicht werden die Anwendungen, oder neudeutsch Apps, als große Icons in einer Rasteransicht angezeigt, die sich über den gesamten Bildschirm erstreckt. Wer schon mal ein iPad oder iPhone in den Händen hatte kennt diese Ansicht. Das Arrangieren und Entfernen von Anwendungen funktioniert genauso wie in iOS: Ein Icon gedrückt halten und warten bis sich die Icons schütteln. Das Entfernen klappt allerdings nur bei Programmen aus dem App Store.

Vollbild-Unterstützung ist eine Neuerung, die Apple ebenfalls von iOS abgeleitet hat, wo es ausschließlich Vollbild-Anwendungen gibt. Die Vollbild-Funktion erleichtert das konzentrierte Arbeiten in einem Programm, dazu muss das Programm aber speziell für Lion angepasst sein, was aktuell noch hauptsächlich bei Apples eigenen Tools der Fall ist.

Neben den neuen Funktionen hat sich aber auch an der allgemeinen Optik einiges verändert. Man hat das Gefühl, dass Lion bedeutend erwachsener geworden ist. Viele der verspielten blau glühenden und spiegelnden UI-Elemente wurden durch einfach gehaltene blaue oder graue Elemente ersetzt. Standard-Buttons sind nicht mehr so dreidimensional und stark abgerundet, wie es noch in Snow Leopard der Fall war.


Aber auch im Finder gab es einige optische Veränderungen. So ist die Sidebar jetzt mit grauen Icons versehen. Ziel war es hier ganz offensichtlich, die Inhalte hervorzuheben und nicht die Oberfläche.

Eine Änderung, die alle Fenster betrifft sind die neuen Scrollbalken. Wieder einmal stand hier iOS mit der “weniger ist mehr”-Einstellung Pate. Die Frage, die sich die Apple-Designer aufgrund der eingeschränkten Bildschirmfläche gestellt haben war: Welche Elemente nehmen unnötigen Platz in Anspruch. Dieser Frage sind die Scrollbalken zum Opfer gefallen, die nun bedeutend schmaler sind und standardmäßig nur noch dann angezeigt werden, wenn sie benötigt werden, zum Beispiel wenn sich der Cursor dem rechten Rand eines Fensters nähert. Die kleinen Pfeile am Ende der Scrollbalken sind dem Rotstift zum Opfer gefallen, wirklich vermissen wird sie wohl niemand.

Die überarbeitet Oberfläche hinterlässt einen aufgeräumteren und weniger verspielten Eindruck. Lion wirkt erwachsener, überrumpelt aber zugleich nicht die erfahrenen OS-X-Nutzer mit einem völlig neuen Design. Mehr Evolution statt Revolution. Die Oberfläche soll im Hintergrund stehen, die Inhalte des Anwenders im Vordergrund.

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