Schnüffelsoftware auf Smartphones: iOS 5 gering betroffen

Sebastian Trepesch
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Auf vielen Smartphones von zahlreichen unterschiedlichen Herstellern ist Spionagesoftware installiert. Carrier IQ protokolliert die Gerätenutzung und gibt sie an Hersteller und/oder Mobilfunkanbieter weiter. Auch im iOS-Code wurde die Software gefunden. Apple hat sich dazu jetzt in einer offiziellen Stellungnahme geäußert.

Der deutsche Sprecher von Apple wollte sich gestern gegenüber GIGA nicht zu dem Vorwurf äußern, dass in iOS 4 und 5 die Schnüffelsoftware Carrier IQ versteckt ist. Aus Amerika kam in der letzten Nacht jedoch eine Stellungnahme von dem Elektronikkonzern: In der Vergangenheit habe Apple Carrier IQ in der Tat genutzt. Mit iOS 5 sei allerdings “in den meisten unserer Produkte” die Nutzung hinfällig geworden. Man werde mit zukünftigen iOS-Updates die Software sogar komplett entfernen.

Das erfuhr AllThingsD von Apple. Aus der Meldung geht weiterhin hervor, dass Apple die von der Schnüffelsoftware erhobenen Daten nur dann abrief, wenn der Nutzer sein Einverständnis dafür gegeben hat. Diese Erlaubnis wird entweder bei der Einrichtung eines neuen iPhones beziehungsweise von iOS 5 erteilt (Bild ganz oben), oder in den Einstellungen unter Allgemein -> Info -> Diagnose & Nutzung. Laut Apple seien die Daten nur anonymisiert und verschlüsselt übertragen worden, persönliche Informationen wurden überhaupt nicht abgeschickt.

In unserem Einsteiger-Tutorial zur Einrichtung eines neuen iPhones haben wir empfohlen: Wer seine Daten ungern weitergibt, kann getrost die Funktion deaktivieren.

Carrier iQ: Gefunden und abgestritten

Der Android-Entwickler Trevor Eckhart veroffentlichte als erster ausführliche Informationen zu Carrier IQ und dessen Möglichkeiten. Er fand in dem Android-Handy HTC EVO 3D, dass die Software unter anderem Zugriff auf Kurznachrichten und Anwendungen habe.

Auf den betroffenen Android-Geräten wird einzelne jeder Tastendruck geloggt, inklusive kompletter, lesbarer Kurznachrichten an wen auch immer verschickt. Die iOS-Version von Carrier IQ habe dagegen laut Cydia-Mitentwickler chpwn einen weitaus abgespekteren Funktionsumfang, und kann nur Telefonnummern, Provider, Land und Lokalisation abrufen.

Des weiteren erkennt die Software, ob gerade ein Telefonat geführt wird, nicht aber, wer angerufen wird. Wohlgemerkt sind dies nur die möglichen Daten, die protokolliert werden können, Welche Daten davon Apple nun wirklich genutzt hat, ist nicht bekannt. Diese Erkenntnisse stützen aber zumindest teilweise das oben aufgeführte Statement von Apple.

HTC begründete laut AllThingsD die Installation damit, dass Carrier IQ von einigen US-Mobilfunkanbietern verlangt werde. Dies stritt ein Verizon-Sprecher gegenüber CNET wiederum ab. Auch Research in Motion erklärte CNET, dass Carrier IQ niemals auf den BlackBerrys vorinstalliert wurde.

Update: Neben Carrier IQ sollen jetzt Sammelklagen gegen HTC und Samsung in Vorbereitung sein. Der Schaden könnte die Beteiligten hunderte von Millionen US-Dollar kosten.

Fazit: Überraschendes Eingeständnis

Offiziell will also niemand etwas mit der Schnüffelsoftware zu tun haben. Da klingt es fast schon anständig von Apple, die zeitweise Nutzung der umstrittenen Software zuzugeben. Ganz generell ist der Elektronikkonzern ja eher für seine Kommentarlosigkeit bekannt. Offensichtlich hat das Unternehmen aber aus der öffentlichen Empörung über die Ortsdatenspeicherung gelernt: Wenn man schweigt, wird ein Problem manchmal nur noch größer.

So richtig vorzuwerfen ist dem Konzern diesmal auch nichts: Die iPhone-Besitzer konnten und können wählen, ob sie Informationen an Apple weitergeben oder nicht.

Um diese Erlaubnis zu geben, wüssten wir allerdings schon gerne, welche Daten wie genutzt werden. Manche Nutzer wird so eine Datenweitergabe nicht im geringsten stören, andere schon.

Das Thema um Carrier IQ wird uns wahrscheinlich noch etwas länger beschäftigen.

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